Gefäßchirurgie Bassum Von großer Aorta bis kleine Arterie

Im Bassumer Krankenhaus gibt es seit Beginn des Jahres eine neue Abteilung: die Gefäßchirurgie. Chefarzt Amirhossein Asimi-Lissar leitet den neuen Bereich und will den Zweig der Medizin in Bassum etablieren.
24.04.2021, 06:09
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Von großer Aorta bis kleine Arterie
Von Tobias Denne

Bassum. Vorher, das gibt Amirhossein Asimi-Lissar zu, habe er sich Bassum nicht angesehen. „Ich war dann sehr überrascht über die Substanz, die hier geschaffen wurde“, sagt der Facharzt für Gefäßchirurgie über seinen neuen Arbeitsplatz. Denn seit Anfang des Jahres leitet er als Chefarzt die neue Abteilung im Bassumer Krankenhaus. Und der Experte hat einiges vor: „Ich wollte mich vergrößern.“

Das war auch der Grund, warum er von Quakenbrück in der Nähe von Osnabrück nach Bassum gekommen ist. Denn bereits 66 Kilometer weiter südlich hat er die Gefäßchirurgie aufgebaut. 2008 war das. „Ich bin dort an meine Grenzen gestoßen. Hier haben wir ein größeres Potenzial für Patienten, die wir behandeln können“, ist Asimi-Lissar überzeugt. Waren es in Quakenbrück rund 1000 Patienten im Jahr, können es in Bassum rund dreimal so viele werden. „Die Voraussetzungen haben wir dafür“, freut sich der Chefarzt, der eigentlich als Herzchirurg seine Karriere begonnen hatte.

Das sei ihm aber, sagt er heute, zu einseitig gewesen. Sein Ausbilder war ebenfalls Gefäßchirurg und hatte ihn so auf die Idee gebracht, sich weiterzubilden. „Wir können fast den ganzen Körper behandeln“, sagt Asimi-Lissar. Nur den Schädel nicht. Dafür sind die Neurochirurgen zuständig. Bleibt aber dennoch der Großteil der knapp 150.000 Kilometer Gefäße im Körper übrig. Ja, richtig gelesen: 150.000 Kilometer. „Sie sind verantwortlich für die Versorgung und die Kommunikation der Organe untereinander“, drückt der Experte es einfach aus. Und als Facharzt für diesen Bereich kümmert er sich um Arterien, Lymphgefäße und Venen - wobei in Bassum insbesondere der Schwerpunkt auf Arterien gelegt wird.

Und dabei wird der Eingriff immer kleiner. „Wir können mit der Schlüssellochtechnik schon viel erreichen“, betont Asimi-Lissar. Der Vorteil ist, dass es nur einen kleinen Schnitt braucht, um beispielsweise in die Beinarterien zu gelangen, um diese etwa von Ablagerungen zu befreien. Früher dagegen musste der Oberschenkel dafür geöffnet werden. „Jetzt hat man einen kleinen Schnitt, man kann Becken und Bein behandeln und insgesamt ist es schonender für den Patienten“, erklärt er.

Das sorgt übrigens auch dafür, dass die Zeit im Krankenhaus kürzer wird. Waren es bei einem Eingriff vor 15 Jahren circa 14 Tage, sind es heute zwei. „Man hat am besten gar keine Wunde, das verbessert auch die Lebensqualität“, findet Asimi-Lissar. Kleinere Wunden seien zudem eher vor Infektionen gefeit. Das habe auch den Vorteil bei älteren Patienten, damit diese besser einen Eingriff vertragen. Allerdings, und das hat der Chefarzt ebenfalls beobachtet: Die Menschen, die er behandelt, werden jünger. „Teilweise sind sie schon mit 30 Jahren bei uns. Das ist deutlich jünger als noch vor zehn Jahren“, lässt er wissen. Unter anderem wegen Übergewicht und Diabetes würden auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen zunehmen.

Zwischen 50 und 70 Operationen hat das Team um den Chefarzt seit Januar hinter sich. Coronabedingt waren es weniger als möglich. Der Vorteil für die Kollegen: Sie können bereits in den neuen OP-Sälen des Krankenhauses, die vor Kurzem erst offiziell eröffnet wurden (wir berichteten), am Patienten arbeiten. „Die Kernstation wird derzeit noch saniert und ausgebaut“, erzählt Klinikmanager Sven Gliessmann. Insgesamt stehen der Abteilung rund 40 Betten zur Verfügung, um die Patienten zu versorgen.

Der Plan, am Bassumer Standort eine Gefäßchirurgie aufzubauen, ist schon einige Jahre alt. „Wir wollen die Räume hier gut auslasten und sind auf Dr. Asimi-Lissar gestoßen“, erzählt Gliessmann. Denn vonseiten der Geschäftsführung wurde beobachtet, dass im Landkreis Diepholz und umzu keine Gefäßchirurgie vorhanden war. Die nächsten Orte sind Bremen im Norden und Osnabrück im Süden. „Wir rechnen mit einer höheren Nachfrage“, prognostiziert er.

Geräte wurden schon angeschafft, nun kommen Fenster oder Fußböden, um nur zwei Beispiele zu nennen. Aber auch die Bäder werden nun an die Patientenzimmer angegliedert. Früher waren diese auf dem Flur, sodass sich mehrere Zimmer ein Bad teilen mussten. Das ist nicht mehr der Standard. Insgesamt kostet die neue Abteilung rund 500.000 Euro und „für die Zukunft haben wir noch weitere Projekte vor und wollen die Gefäßchirurgie hier etablieren“, betont Gliessmann. Die Kapazitäten seien vorhanden. Und das ist auch im Sinne Amirhossein Asimi-Lissars.

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