Gottestdienst „Jazz und Luther“

Ein Apfelbäumchen der Hoffnung

Um das Thema „Hoffnung für Afrika“ drehte sich am Mittwochmorgen alles bei dem „Jazz und Luther“-Gottesdienst in der Bassumer Stiftskirche.
31.10.2018, 17:20
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Von Dorit Schlemermeyer
Ein Apfelbäumchen der Hoffnung

Gesprächsrunde und musikalische Unterhaltung im Wechsel: der Gottesdienst "Jazz und Luther" in der Bassumer Stiftskirche.

Michael Braunschädel

Bassum. „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“, soll Martin Luther gesagt haben und hat mit diesem Satz dem Prinzip Hoffnung Rechnung getragen. Unter dem Titel „Hoffnung für Afrika“ lockte der siebte Bassumer Gottesdienst „Jazz und Luther“ am Mittwoch wieder viele Besucher in die Stiftskirche.

Der vermeintliche Satz von Luther wurde von Pastor Wiardus Straatmann zur Begrüßung zitiert. Aber vorher sorgte die bekannte Dixie-Band School House Seven noch für einen schwungvollen Auftakt mit dem Titel „Es ist ein Vergnügen, That's A Plenty“. „Luther und Afrika haben die Hoffnung gemeinsam, das drückt der Satz mit dem Apfelbäumchen aus“, meinte Straatmann. Ein afrikanischer Bauer, Yacouba Sawadogo, habe den Menschen in der Sahelzone diese Hoffnung gegeben, als es ihm gelang, mitten in der Sahara viele Hektar Wald zu pflanzen. Dafür habe er zu Recht den alternativen Nobelpreis 2018 bekommen. „Manchmal sind es eben die stillen Helden, die ein Licht der Hoffnung sind“, so der Pastor.

Auch der Jazz sei von Afro-Amerikanern erfunden worden, dabei habe man sie seit der Kolonisation schlecht behandelt. „25 Millionen Afrikaner sind als Sklaven verkauft worden“, nannte er eine erschreckende Zahl. Die Großeltern des bekannten Bürgerrechtlers Martin Luther King arbeiteten als Sklaven auf einer Plantage. Mit seiner Rede und dem berühmten Satz „I have a dream“ habe King für Gleichheit und Gerechtigkeit gekämpft. Vor genau fünfzig Jahren sei er erschossen worden. Passend dazu sangen alle Besucher der Kirche zusammen den feierlichen Gospelsong: „We Shall Overcome“.

Und Straatmann hatte weitere Fakten und Informationen über Afrika gesammelt: „Die Wiege der Menschheit“ sei dreimal so groß wie Europa. Vor sechs Millionen Jahren habe hier der erste Mensch gelebt. Afrika sei ein großer und vielfältiger Kontinent und werde oft falsch wahrgenommen. „Wussten Sie, dass Afrika das höchste Wirtschaftswachstum in der Welt und dazu noch ein Raumfahrtprogramm hat?“, wandte er sich an die Zuhörer mit dem etwas anderen Bild von Afrika.

Und dieses andere Bild war sowohl auf den Fotos als auch in den Erzählungen von Kira Frankenberg zu entdecken, die die junge Frau von ihrem viermonatigen Aufenthalt in Tansania mitgebracht hatte. Sie zeigte sich außerordentlich beeindruckt von der vielfältigen Landschaft und der fröhlichen Lebenseinstellung. Ihre Motivation, dort hinzugehen, sei das Bedürfnis gewesen, etwas zurückzugeben: „Ich komme aus einem Bildungsland, und Tansania ist ein bildungsfernes Land, außerdem will ich ja Lehrerin werden, da hat es gepasst, dort an einer Schule zu unterrichten“, sagte Frankenberg.

Die Menschen seien zwar arm, aber fast immer fröhlich, hatte sie beobachtet. „Die Kinder in der Schule haben ihre Aufgaben mit Kreide auf den Boden geschrieben“, erinnerte sie sich. Wer durch die Prüfung falle oder schwanger sei, dürfe die Schule allerdings nicht mehr besuchen, bedauerte Frankenberg. Nach ihrer Zukunft befragt, hätten die Kinder und Jugendlichen ganz unterschiedliche Antworten gegeben. So wolle einer Arzt werden, eine internationale Krankenschwester und ein dritter schlicht Taxifahrer.

Nach der Gesprächsrunde zwischen Pastor und der angehenden Lehrerin wurde es wieder musikalisch mit den School House Seven und Olaf Wetjen, der ein eher ungewohntes Lied im Repertoire der Gruppe ankündigte: Den „Homecoming Song“ von Abdullah Ibrahim. Bei der Fortsetzung der Gesprächsrunde gab es weitere Informationen über Afrika. Dort gäbe es höchstens zwei Menschen, die nicht an Gott glauben, so Frankenberg. „Die meisten sind Muslime, und da ist mir aufgefallen, dass die Frauen weit unter den Männern stehen, das hat mir nicht gefallen“, so die junge Frau, die die Menschen vor Ort für ihre Hoffnung bewundert, aber auch meinte: „Manchmal verhindert das Zuviel an Hoffnung leider auch das Handeln. Ich wünsche mir, dass sich noch viel in Sachen Bildung entwickelt, denn schlaue Menschen sind auch bessere Politiker.“ In der abschließenden Fürbitte hieß es: „Lass uns ein Apfelbäumchen der Hoffnung pflanzen.“ Der Gottesdienst endete traditionell mit den „Saints“, an der Tür hatte der Pastor passenderweise für jeden einen Apfel.

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