Geschäftsbericht: Danziger Delikatessen

Ein kleines Stück Heimat

Die Bassumerin Iwona Keller bietet in ihrem Geschäft an der Sulinger Straße Spezialitäten aus Polen an. Seit einem Monat befindet sich Danziger Delikatessen im Zentrum, was der Inhaberin zugutekommt.
15.01.2019, 18:09
Lesedauer: 2 Min
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Ein kleines Stück Heimat
Von Tobias Denne

Bassum. Iwona Keller steht hinter der Kühltheke ihres Geschäfts. Sorgfältig packt sie verschiedene Fleisch- und Käsesorten aus und legt sie in die Theke. Hinter ihr hängt ein großes Bild der polnischen Stadt Danzig. „Es ist eine sehr schöne und alte Stadt“, sagt Keller, packt ein weiteres Stück Fleisch aus und bereitet es für die Kunden vor. Seit etwas mehr als einen Monat bietet Keller ihre Danziger Delikatessen an der Sulinger Straße in Bassum an. Mit Erfolg: Die ersten Kunden des Tages betreten das Geschäft und stöbern durch die Regale.

Denn Keller bietet nicht nur Fleisch, Käse und Kuchen an, sondern auch Tee, Konfitüre oder Süßigkeiten aus dem Nachbarland. Besonders die Spezialitäten macht sie selbst: Pierogi (gefüllte Maultaschen), Bigos (Krauteintopf mit Fleisch- und Wurstsorten) und auch Kuchen und Torten sind alles Handarbeit bei Iwona Keller. „Ich backe sehr gerne“, sagt die Bassumerin und fügt hinzu: „Heutzutage gibt es oft alles fertig im Laden, daher habe ich angefangen, vieles selbst zu machen.“

Und das ist äußerst zeitintensiv. Gerade in der zurückliegenden Weihnachtszeit stand Keller fast jeden Tag noch lange nach Ladenschluss in ihrem Geschäft, um für den folgenden Tag vorzukochen und zu backen. „Es war schwierig. An einem Tag hatte ich nicht einmal Zeit, einen Kaffee zu trinken“, erinnert sich die Bassumerin. Im Januar ist es dagegen ein wenig ruhiger.

Die Kunden stehen vor der Kühltheke und überlegen, welches Fleisch sie kaufen sollen. Keller berät sie auf Polnisch, schneidet kleine Probierhäppchen von verschiedenen Fleischsorten ab und reicht den Kunden diese. „Das gehört einfach zu unserer Mentalität“, sagt sie. Daher könnten Kunden vor dem Kauf die Ware testen, schließlich „muss man es einmal probiert haben. Dann kann man immer noch sagen, dass es einem nicht schmeckt“. Anders als in Deutschland: „Die Deutschen sind noch ein wenig schüchtern“, sagt sie und lacht. Nachdem sich die Kunden entschieden und das Geschäft wieder verlassen haben, hat Iwona Keller nun Zeit, ein wenig durchzuatmen.

„Jeden Tag kommen mehr Menschen“, freut sich Keller über den besseren Standort im Zentrum der Lindenstadt. Denn bevor sie an die Sulinger Straße zog, hatte sie ihren Delikatessen-Laden bereits an der Bremer Straße eröffnet. Im November 2017 war das. „Viele haben das Geschäft nicht gefunden. Direkt in der Stadt ist das deutlich besser“, weiß sie bereits nach einem Monat. Dennoch macht sie auch über Facebook Werbung für ihre Waren. „Wenn in Polen jemand sagt, dass es schmeckt, dann erzählt man es weiter“, berichtet sie.

Erneut öffnet sich die Tür zum Geschäft und drei weitere Kunden betreten den Laden. Sie gehen in den hinteren Bereich, wo die Süßigkeiten, Fertiggerichte, Getränke stehen. Zweimal in der Woche werden die frischen Lebensmittel wie Fleisch oder Käse geliefert – direkt aus Danzig. Die anderen Produkte kommen aus Stettin. Dennoch ist es Keller wichtig, viele ihrer Speisen selbst zu machen. „Mir haben die Menschen immer gesagt, dass das Essen bei mir gut schmeckt. Also wollte ich das dann einfach ausprobieren“, sagt sie.

Der Versuch ist geglückt. Sie reicht einer Kundin eine selbst gemachte Maultasche zum Probieren. Sie kauft im Anschluss gleich eine gefüllte Schale. „Wenn mir Kunden sagen, dass es lecker ist, was sie essen, dann ist das auch eine Inspiration für mich“, freut sich Keller, die gerne Dinge ausprobiert und etwas Neues testet. Sie selbst hatte zwar einen Lebensmittelladen in Polen, in Deutschland sind die Produkte derweil ein besonderes Angebot. Daher kann Keller auch immer mehr Menschen ohne polnische Wurzeln in ihrem Geschäft begrüßen: „Manche Speisen schmecken in Polen einfach anders als in Deutschland.“

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