Reparatur-Café in Bassum Eine Chance für alte Geräte

Im Jugendhaus Fönix in Bassum startet ab Samstag, 27. April, das Reparatur-Café. Dann können Bürger ihre defekten Geräte vorbeibringen, und die Ehrenamtlichen versuchen, sie wieder fit zu machen.
13.04.2019, 09:46
Lesedauer: 2 Min
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Von Bärbel Rädisch

Bassum. Der Toaster streikt, das Bügeleisen versagt seinen Dienst, am Lieblingsauto ist ein Rad ab – irgendetwas geht im Haushalt immer mal kaputt. Im Jugendhaus Fönix, Am Petermoor 2, in Bassum wird ab Sonnabend, 27. April, dem Trend, Dinge beim kleinsten Defekt wegzuwerfen, der Kampf angesagt.

Reinhild Olma, Agenda 21-Beauftragte der Stadt Bassum, trug sich schon länger mit dem Gedanken, ein Reparatur-Café zu eröffnen. „Was andernorts bereits existiert, müsste doch auch in Bassum möglich sein“, ist sie überzeugt. Nämlich, dass Fachleute, denen es Spaß macht, ihre Fähigkeiten einzubringen, Geräte und Dinge reparieren. „Hier wird der Wegwerf-Manie Paroli geboten.“ Zu Olmas großer Freude meldeten sich sieben „Reparateure“ – alle im Rentenalter –, die Zeit und Lust haben, immer am vierten Sonnabend im Monat „Wehwehchen“ an Geräten, Spielzeug und „allem, was man unter dem Arm tragen kann“, zu beseitigen.

Neben Bürgermeister Christian Porsch sind auch die freiwilligen Helfer Heinz Ahlering, Rolf Pohler und Reinhard Peukert – alle drei aus der Elektronikbranche – im Jugendhaus im Vorfeld dabei, um das Projekt vorzustellen. „Als Bürgermeister habe ich vorab Gespräche mit Gewerbetreibenden geführt und sondiert, ob das Vorhaben, dass Ehrenamtliche tätig werden, von ihnen als Konkurrenz gesehen wird“, schildert Porsch. „Keiner der Geschäftsleute sah darin ein Problem.“ Oft genug gebe es ja auch im Handel gar keine Chance, ein Gerät reparieren zu lassen, sobald es ein gewisses Alter erreicht hat. Wenn die Bürger aber an ihrem Kofferradio oder der Kaffeemaschine hängen und sie nicht einfach entsorgen wollen, nur weil vielleicht ein Schalter klemmt, kann das Reparatur-Café womöglich weiterhelfen.

„Hier im Jugendhaus sind im Werkraum Platz und Werkzeuge sind vorhanden“, bewirbt Bürgermeister Porsch das neue Angebot. Bereits 2009 organisierte die Umweltjournalistin Martine Postma in Amsterdam den ersten Reparatur-Treff. Die Bewegung breitete sich rasch über die Grenzen der Niederlande aus. Immerzu gilt: Auf dem Müll soll möglichst wenig landen. Es wird lieber zu Lötkolben, Zange oder Schraubenzieher gegriffen und es wird geklebt, gekittet und geleimt. Also bald auch in Bassum: Wer will, kann den Profis bei ihrer Arbeit über die Schulter blicken oder auch selbst Hand anlegen. Die Fachmänner bringen eigenes Spezialwerkzeug mit, „was schon mal gebraucht wird, um ein Gerät überhaupt aufschrauben zu können“, weiß Reinhard Peukert.

„Das Wissen über handwerkliche Fähigkeiten geht verloren“, beklagt Olma, „und ich hoffe, wir können auch Jugendliche bewegen, an diesen Sonnabenden vorbeizuschauen.“ So könne ein Wissensaustausch stattfinden. Fest steht: Wenn Gegenstände länger brauchbar sind, muss nicht ständig Neues produziert werden oder noch Brauchbares, das reparierbar ist, recycelt werden – ein Plus, da weniger Kohlendioxid freigesetzt wird.

„Jemand, der an den Sonnabenden zum Ende des jeweiligen Monats als ‚Empfangsdame‘ fungieren würde, fehlt uns noch“, bedauert Olma. „Kaffee zu kochen gehört dazu, und ganz toll wären Kuchenspenden, um den Begriff ‚Reparatur-Café' mit Leben zu füllen.“ Während gewartet wird, dass der Toaster wieder funktioniert, könne so geplaudert werden. „Auch würden wir uns glücklich schätzen, neben den Herren die eine oder andere Dame im Team zu haben, vielleicht jemand, der nähen kann“, schließt sie. Doch „manchmal könnte es selbst bei gutem Willen nicht möglich sein, ein Teil zu reparieren“, gesteht Helfer Heinz Ahlering ein. „Doch unser Ehrgeiz ist auf jeden Fall, das Beste zu versuchen.“

Man kann einfach am vierten Sonnabend im Monat von 9 Uhr bis 12.30 Uhr ins Jugendhaus Fönix kommen. Kosten entstehen nicht. Bei gelungener Reparatur wird aber eine Spende erwartet. Neben Kuchenspenden werden weitere Helfer aufgerufen, sich unter 0 42 41 / 8 40 bei der Stadt Bassum zu melden.

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