Sozialausschuss Bassum

Kehrtwende bei Planung

In Nordwohlde braucht es mehr Platz für die Kinder. Das wird angesichts des Baugebiets immer deutlicher. Nun stellt die Stadt Bassum eine Planung für die Kita Arche Noah vor, die überrascht.
22.04.2021, 06:50
Lesedauer: 4 Min
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Kehrtwende bei Planung
Von Tobias Denne
Kehrtwende bei Planung

Unter anderem um die Erweiterung der Kita in Nordwohlde wird im Sozialausschuss diskutiert.

Michael Braunschädel

Nordwohlde wächst. Was sich erst einmal nach einer guten Nachricht anhört - oder liest - sorgt gleichzeitig für ein paar Probleme. Denn durch das Baugebiet, in dem gerade fleißig die Häuser hochgezogen werden, ziehen mehr Menschen in den Ort an der Bundesstraße 51 und mit ihnen kommen auch wieder mehr Kinder ins Dorf. Das sorgt indes dafür, dass die Kita nicht mehr die Räumlichkeiten bieten kann, um allen Kindern einen Platz zur Verfügung zu stellen. Also beschäftigt sich die Stadt Bassum seit Längerem mit einer Erweiterung. Die Frage ist nun: Konservativer planen oder gleich großzügig? Darauf gab es in der vergangenen Sitzung des Sozialausschusses keine klare Antwort. Die Verwaltung sah angesichts der Haushaltslage eher die konservativere Variante als richtigen Weg. Letztlich wurde auf die kommende Sitzung am Dienstag, 27. April, verwiesen, um die Erweiterung der Kita noch einmal genauer zu besprechen. Und bei den beiden echten Möglichkeiten (Stadt als Betreiber, anderer externer Anbieter und Mobilbauten fallen raus) kann Lyko Licht am Ende des Tunnels präsentieren - und überrascht.

Die erste (und bekannte) Möglichkeit ist die Erweiterung um eine altersübergreifende Gruppe mit der Option auf eine Erweiterung um eine zusätzliche. Kostenpunkt: rund 993.000 Euro. „Dieser Bauabschnitt ist so geplant, dass die Funktionsräume Büro, Pausenraum und so weiter bereits so dimensioniert sind, dass bei einer späteren Erweiterung hier nicht noch einmal nachgebessert werden muss“, betont Lyko. Ein etwaiger zweiter Bauabschnitt würde mit geschätzten 392.000 Euro zu Buche schlagen. Da der evangelische Kita-Verband der Träger ist, muss die Stadt den Kindergarten bezuschussen (derzeit 333.000 Euro). Mit einer neuen Gruppe würden sich die Kosten um 111.000 Euro erhöhen. Mit Teil zwei kämen noch mal 100.000 Euro oben drauf. Fertig wäre der Bau wahrscheinlich zum August 2022.

Alle Zahlen mit Vorsicht genießen

Die zweite Möglichkeit, und diejenige, die von Eltern gewünscht wird, ist: Erweiterung um zwei Gruppen. „In einer Ü3-Gruppe können bis zu 25 Kinder betreut werden, in einer U3-Gruppe bis zu 15 Kinder“, lässt sich der Sitzungsvorlage entnehmen. Die Kosten lägen dabei indes bei 1,27 Millionen Euro. Die Stadt Bassum müsste sofort 210.000 Euro mehr pro Jahr Zuschuss zahlen. Lyko betont allerdings für alle genannten Zahlen: „Es handelt sich vorerst um eine Schätzung, da bestimmte Kosten, wie zum Beispiel die Höhe der Miete, der Umfang der Betreuungszeiten und die Personalkosten noch nicht genau feststehen. Mögliche Landeszuschüsse sind allerdings eingerechnet.“ Der Bau könnte ebenfalls 2022 fertig sein. Was tun?

„Aus Sicht der Verwaltung sind die Argumente der Eltern durchaus nachvollziehbar. Dass etwas getan werden muss, ist auch unstrittig. Mit Blick auf die defizitäre Haushaltslage ist eine zu großzügige Schätzung nicht angebracht“, lässt Lyko dahingehend wissen. Aufgrund der Diskussion im vergangenen Sozialausschuss (wir berichteten) und mit den Eltern hakte die Stadtverwaltung beim Kita-Verband und dem Investor noch einmal nach und besprach mit beiden die Situation.

Neuer Vorschlag nach Gesprächen

Sollte es zu einer Erweiterung mit zwei Räumen kommen, aber nur einer davon gebraucht, würde die Zuschusserhöhung geringer ausfallen - zwar mehr als 110.000 Euro, aber „deutlich unter 210.000 Euro“, betont Lyko. Das liegt daran, dass für den Raum nur Gebäudekosten entstehen und nicht noch etwa Personalkosten. Der Erste Stadtrat rechnet dann mit einem Defizit von 170.000 Euro, was dazu führt, dass die Verwaltung nicht mehr die eingruppige Erweiterung vorschlägt, sondern die Variante mit der Erweiterung um sofort zwei Gruppen. „Eine Kita-Raumreserve ist für die 'wachsende' Ortschaft Nordwohlde sicherlich auch von Vorteil. Die Defizitabdeckung richtet sich dann ebenfalls daran aus und bleibt in einer vertretbaren Höhe.“ Auch eine Integrative Gruppe könne eingerichtet werden, ohne gleich die Kapazitäten wieder zu sprengen.


Die Sitzung des Ausschusses für Soziales und Familie beginnt am Dienstag, 27. April, um 19 Uhr. Aufgrund der Corona-Pandemie wird sie virtuell stattfinden. Interessierte haben die Möglichkeit, sich anzumelden und teilzunehmen. Das geht bei Simone Weßels (Telefon: 04241/8483; E-Mail: wessels@stadt.bassum.de) oder Alla Sprick (Telefon: 04241/8481; E-Mail: sprick@stadt.bassum.de).

Info

Zur Sache

Betreuungsbedarf wird steigen

Im März hat Erster Stadtrat Norbert Lyko im Sozialausschuss eine altersübergreifende Gruppe für die Kinder U3 und Ü3 vorgeschlagen. Das reicht den Eltern nicht, da sie eine zu knappe Planung befürchten. Besser wäre jeweils eine neue Gruppe. „Durch das neue Baugebiet in Nordwohlde ist mit einer deutlichen Erhöhung der Anzahl der Kinder zu rechnen, die eine Betreuung benötigen“, räumt auch Lyko ein, der damit rechnet, dass jeweils acht Kinder (unter und über drei Jahre) in Zukunft mehr betreut werden müssen. Er schränkt ein: „Auch mit solchen Zahlen ist vorsichtig zu prognostizieren.“ Gleichwohl sei aber damit zu rechnen, dass sich der Betreuungsbedarf erhöhen wird. Es sei indes nicht klar, ob in der nächsten Zeit ein neues Baugebiet in Nordwohlde ausgewiesen wird. Ebenfalls diskutiert werden könnte eine integrative Gruppe. „Sofern ein Bedarf besteht, der von anderen Kitas nicht gedeckt werden kann, könnte auch als Erstangebot eine sogenannte Einzelintegration in Betracht kommen“, heißt es dazu in der Sitzungsvorlage. Dadurch gäbe es fünf (Ü3) beziehungsweise einen (U3) Platz weniger.

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