Verluste für Explosive-Arts Bassum Der große Knall bleibt an Silvester aus

Eigentlich hatte die Bassumer Firma Explosive-Arts, die Feuerwerke aller Art verkauft, auf das Silvestergeschäft gehofft, denn dadurch hätten die Einbußen aufgefangen werden können. Das klappt nun nicht mehr.
20.12.2020, 17:42
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Der große Knall bleibt an Silvester aus
Von Jürgen Juschkat

Unterschiedliche Licht- und Farbeffekte am dunklen Nachthimmel, aber auch kräftiges Knallen und Heulen. Feuerwerk bei ausgelassener Stimmung gehört zu Silvester wie der Tannenbaum zu Weihnachten oder Trauringe zur Hochzeit. Das Bassumer Unternehmen Explosive-Arts hat sich vor einigen Jahren auf genau solch pyrotechnische Darstellungen spezialisiert und sorgt nicht nur zum Jahreswechsel für ein perfektes Feuerwerk.

Eigentlich veranstaltet Explosive-Arts solche Spektakel, doch in diesem Jahr wird es am 31. Dezember – und nun auch davor – nicht wie gewohnt ablaufen. Bereits der Verkauf von Feuerwerk wurde erheblich eingeschränkt und ist mittlerweile verboten. Allerdings: Das für Niedersachsen coronabedingte Feuerwerksverbot wurde kurz vor Weihnachten durch das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg gekippt. Es darf also geböllert werden, der Verkauf ist weiterhin untersagt.

Viel Organisation vor Lockdown

Nikolas Grube, einer der beiden Inhaber von Explosive-Arts, hatte nach dem verkündeten harten Lockdown für die Zeit vom 16. Dezember bis 10. Januar noch zwei Tage lang zu organisieren. „Es ist zurzeit sehr, sehr viel los. Es wurde ein Feuerwerk-Verkaufsverbot verhängt, was uns sehr, sehr schwer trifft. Wir sind gezwungen, jetzt Maßnahmen umzusetzen, an die wir vorher nicht gedacht haben, beziehungsweise nicht denken konnten, weil der Verkauf normalerweise vorher regulär stattgefunden hätte“, erklärte Grube noch am Anfang der Woche. Zudem sei ein umfassendes Verbot aller Arten von Feuerwerkskörpern nicht erforderlich, argumentierten die Richter. So hätten beispielsweise Wunderkerzen, Knallerbsen und Tischfeuerwerk nicht das Potenzial, die Ansammlung einer größeren Zahl von Menschen zu provozieren.

Die Verantwortlichen von Explosive-Arts mussten sich deshalb für zwei Tage ganz aufs Online-Geschäft konzentrieren. Übers Internet konnte Feuerwerk bis Dienstagabend bestellt werden. „Das war erlaubt. Abholen und Liefern war möglich, aber eben kein Verkauf an den drei letzten Tagen“, sah Grube da schon einen knapp bemessenen Zeitrahmen für das Jahresend-Geschäft. Aber dann kam es mit dem niedersächsischen Feuerwerksverkaufsverbot an Silvester noch schlimmer für das Unternehmen mit Sitz in Hallstedt, das bundesweit Kunden hat.

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Der 29-jährige Grube aus Bad Essen, der mit dem in der Region aufgewachsenen Adrian Heinrich – er lebt jetzt in Lüneburg – das Unternehmen leitet und sich auf 38 Helfer stützen kann, organisiert und veranstaltet pyrotechnische Highlights für jeden Anlass. Mit einem Höhenfeuerwerk kann unter anderem ein Event mit einem kreativen Höhepunkt versehen und mit Herzbomben bis hin zu romantischen Lichterbildern emotional ein Hochzeitsfeuerwerk gestaltet werden. Dabei muss es nicht mal dunkel sein, denn Schall, Rauch und akustische Reize wie Heuler und Titanbomben (Blitzknall) sowie Rauch- und Fahnenbomben erzielen beim Tagesfeuerwerk eine besondere Wirkung.

Einbußen statt Gewinne

Das Bassumer Unternehmen betreibt außerdem einen Online-Handel für Feuerwerkskörper und einen Laden in Bad Essen. „Ich habe den operativen Part übernommen“, berichtet der staatlich-geprüfte Bühnen-Pyrotechniker und Großfeuerwerker. Grube ist für die Bereiche Event-Management, Feuerwerk aller Art und insbesondere für Details sowie Synchronizität zuständig. Er zeichnet für den Bereich Osnabrück und Umgebung verantwortlich, Heinrich für Bremen, Hamburg und das Umland.

Es ist ein schwieriges Jahr für Explosive-Arts. „Wir haben 95 Prozent Umsatzeinbußen. Lediglich drei von 36 Veranstaltungen konnten durchgeführt werden, weil es kleinere Hochzeiten waren. Wir hätten gut schwarze Zahlen geschrieben, weil Großveranstaltungen im Kalender standen. Corona hat aber alles zerschmettert“, ist Grube enttäuscht. Zu den Großveranstaltungen zählt auch das Burning-Airfield in Hohenlockstedt in Schleswig-Holstein mit knapp 4000 Besuchern. „Da präsentieren deutsche und europäische Hersteller und Importeure sich selbst und ihre neuen Produkte. Das wechselt Jahr für Jahr. Zum Abschluss gibt es ein Feuerwerk“, berichtet Grube.

Finanziell hat die Bassumer Firma aktuell sehr gelitten. „Vom Staat ist sehr, sehr wenig gekommen. Das hat uns nur drei Monate geholfen“, fügt Grube an, der mit dem Unternehmen deshalb die geballten Kräfte für Silvester einsetzen wollte. Der Verkauf von Silvester-Feuerwerk war der Hoffnungsträger für die beiden Gesellschafter, die damit die Kosten des ganzen Jahres hätten auffangen können.

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Es lief zunächst auch sehr gut an. „Die Kunden haben sich Pakete schnüren lassen“, berichtet Grube von guten Verkäufen in der Zeit, als diese noch erlaubt waren. Mit großen Herstellern wurde ein Deal vereinbart, sodass über diese die Bestellungen ausgeliefert werden sollten. „Nun sind die fertig gepackten Lieferungen beim Versanddienstleister. Obwohl ich eigentlich ganz gut informiert bin, weiß ich nicht, was nun passiert“, sagt Grube.

Erwerben, anzünden oder gar nichts von alledem – die Regeln fürs Silvester-Feuerwerk sind – derzeit – nicht in allen Bundesländern gleich. Fakt ist, in Niedersachsen darf nun doch geballert werden, woanders nicht an besonderen Orten. Es gibt aber bislang auch Bereiche in Deutschland, wo neues Feuerwerk nicht gekauft, aber altes aus dem Vorjahr abgebrannt werden darf. Vieles wird bis Ende des Jahres auch durch die Coronavirus-Fallzahlen beeinflusst. Und dass sich die Situation manchmal binnen weniger Tage ändern kann, davon kann die Branche ausgehen.

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