Feuerwehr Bassum Ein Vorteil: weniger Einsätze

Ein komisches Jahr liegt hinter den Menschen. Auch in Bassum hat das Coronavirus für viele neue Herausforderungen gesorgt. Stadtbrandmeister Claas Meyer blickt zurück und hoffnungsvoll nach vorn.
19.01.2021, 15:16
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Ein Vorteil: weniger Einsätze
Von Tobias Denne

Bassum. Dass das vergangene Jahr ein ganz besonderes war, das muss man mittlerweile nicht mehr schreiben oder sagen. Jeder weiß, dass es mit dem Coronavirus eine vollkommen neue Herausforderung im Alltag gibt, und die zieht sich auch bis heute hin. Vor allem die Vereine leiden darunter, dass keine Versammlungen, Treffen oder Übungen stattfinden dürfen. Dass das gefährlich sein kann, das zeigt sich an der Feuerwehr. „Einsätze dürfen wir fahren“, sagt Bassums Stadtbrandmeister Claas Meyer. Mehr geht derzeit nicht – keine Ausbildungen, keine Übungsdienste. Gerade bei kritischen Einsätzen „muss alles Hand in Hand gehen. Die Kameraden müssen sich vertrauen und sich aufeinander verlassen können“, betont Meyer.

Dieses Vertrauen und die Routine kommen natürlich nicht von ungefähr, werden bei Diensten immer wieder simuliert und gehen irgendwann ins Blut über. Wenn etwa Feuerwehrkameraden mit Atemschutz in ein brennendes Haus müssen, „dann hat man nur sein Team, dem man blind vertrauen muss“, sagt er. Zwar haben die Ortsfeuerwehren nach den Sommerferien zwei bis drei Dienste absolvieren können, aber das sei nicht das Wahre gewesen.

Logisch, dass im Moment keine Übungen stattfinden dürfen. Erst ab einem Inzidenzwert von weniger als 50 ist es wieder möglich, Theorie-Sitzungen abzuhalten. Unter 35 wären dann auch praktische Dienste wieder möglich. Die Inzidenz muss dafür landkreisweit unter den genannten Werten sein, Bassum allein reicht dafür nicht aus.

Generell schätzt Meyer aber die klaren Vorgaben, die es mittlerweile gibt. „Es war am Anfang sehr zeitintensiv, da wir kaum die Dienstanweisungen fertig hatten, als neue Vorschriften kamen und wir von vorne anfangen mussten“, erinnert sich Meyer an seine ersten Monate. Kein leichter Start für den Nachfolger von Theo Garrelts, der im Dezember 2019 das Amt des Stadtbrandmeisters übernommen hatte. „Wir haben eng mit der Stadt zusammengearbeitet, ein Hygienekonzept erstellt und uns dabei am Erlass des Landes Niedersachsen orientiert“, berichtet er.

Ein Blick geht für Meyer täglich auf die neuen Zahlen im Landkreis Diepholz. „Es ist einfach ärgerlich für die Feuerwehr – nicht nur das Üben, auch die Kameradschaft schläft ein“, bedauert Meyer. Bei den Aus- und Fortbildungen für die Einsatzkräfte wird ebenfalls priorisiert: So stehen vor allem Atemschutz, Sprechfunk sowie die Truppmannausbildungen auf Platz eins, wenn Übungen wieder möglich sind. „Es bringt nichts, wenn viele junge Leute dabei sind, die ich nicht einsetzen darf, da sie die Ausbildung nicht absolviert haben“, berichtet Meyer.

Gleichzeitig hat das Corona-Jahr auch ein paar gute Seiten gehabt: Es gab weniger Einsätze für die Feuerwehren. So wurden rund 180 Einsätze in 2020 gefahren, während es ein Jahr zuvor mehr als 200 waren. „Es gab weniger schwere Verkehrsunfälle“, freut sich Meyer. Die Menschen waren vor allem im ersten Lockdown im Frühjahr weniger unterwegs. Zwar gab es einige große Brände wie beim Einfamilienhaus im März in Bassum, den Brand bei der Gesellschaft für Abfall und Recycling an Pfingsten, der Strohballenbrand oder die Scheune in Bramstedt im Juni – aber „im Großen und Ganzen waren es weniger als 2019. Vor allem hatten wir keine Flächenbrände im Sommer“, erzählt Meyer. Das hinge unter anderem damit zusammen, dass es weniger schlechtes Wetter gab und nicht so trocken war wie in den zwei Jahren zuvor.

Für dieses Jahr hofft der Stadtbrandmeister natürlich darauf, dass der Alltag wieder rasch Präsenzveranstaltungen zulässt. „Die Jahreshauptversammlungen werden noch abgesagt oder verschoben“, kündigt er derweil für die Sitzungen bis Mitte Februar an. Gleichzeitig wird geprüft, ob Sitzungen mit den Ortsbrandmeistern nicht auch online stattfinden können. Die Voraussetzungen dafür wurden bereits im vergangenen Jahr geschaffen, als Laptops angeschafft wurden. „Jetzt sind alle auf einem Level“, sagt Meyer, der mit den Kameraden viel in E-Mail-Kontakt steckte. So schickte er vorab Berichte und Informationen rund, sodass die Präsenzveranstaltungen, als sie denn möglich waren, kürzer ausfielen. Auch ein Vorteil, oder wie Meyer sagt: „Ein positiver Nebeneffekt.“ Derzeit werden Termine wie die Stadtwettbewerbe erst einmal geplant. Absagen, wenn es denn nötig wird, kann man dann ja immer noch.

Gleichzeitig schaut Meyer auf die Fertigstellung des Feuerwehrhauses in Bramstedt. Außerdem „gehen die Planungen für neue Fahrzeuge weiter“, sagt er mit Blick auf den Feuerwehrbedarfsplan. Manche Arbeiten wie das Feuerwehrhaus in Dimhausen mussten bereits um ein Jahr verschoben werden, die Planungen sollen aber in diesem Jahr aufgenommen werden.

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