Freiwilligenagentur Bassum Pro und Kontra zur Freiwilligenagentur

Die Stadt Bassum will das Thema Freiwilligenagentur weiter bearbeiten und in die politische Diskussion bringen. Das ist das Ergebnis eines Informationsabends.
25.09.2022, 15:11
Lesedauer: 3 Min
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Von Norbert Lyko

Bassum. Freiwilligenagenturen sind Anlaufstellen für ehrenamtlich Engagierte und interessierte Bürger. Sie bieten Informationen und Beratung rund um das Ehrenamt, organisieren Qualifikationen, initiieren Projekte und bieten Möglichkeiten für ehrenamtliche Tätigkeiten an. Darüber hinaus sind sie Kontaktstelle für Vereine und Organisationen, die mit Freiwilligen arbeiten. In Bassum wurde im Jahr 2018 die Einrichtung einer solchen Agentur anlässlich des Stadtentwicklungskonzepts von Bürgern vorgeschlagen. Wie wichtig der Stadt das Thema Ehrenamt ist, lässt sich darin nachlesen. Dort heißt es: „Das ehrenamtliche Engagement erfährt in Bassum besondere Anerkennung.“ Weiter liefert das Konzept die Idee zur Unterstützung des Ehrenamtes durch eine Agentur. Das Thema wurde seitdem von der Verwaltung mit Unterstützung Ehrenamtlicher weiter bearbeitet, allerdings coronabedingt ausgebremst. Nun soll es mit der Entscheidungsfindung pro oder kontra Freiwilligenagentur endlich vorangehen.

Die Stadt Bassum hatte 145 Vereine und Organisationen zu einer Informations- und Austauschveranstaltung eingeladen. Gleich zu Beginn der Veranstaltung wurde deutlich, dass hier nicht allein die Verwaltung das Zepter in der Hand hat, sondern die Bürger mitbestimmen sollen. Es begrüßte nämlich nicht wie üblich der Bürgermeister, sondern Hans Dieter Renner die etwa 40 Besucher. Renner wirkt in der Gruppe, die das Thema voranbringen möchte, als Bürger mit. Einleitend gab er einen Überblick über den Ablauf des Abends, wozu auch ein Erfahrungsbericht von Heike Wilhelm, Fachbereichsleiterin Soziales der Stadt Syke, über die dortige Agentur gehörte.

Dann kam aber doch auch Bürgermeister Christian Porsch zu Wort. Er verwies auf die bisherige politische Diskussion zu einer Freiwilligenagentur und sagte: „Die Politik könne sich eine Agentur vorstellen, wenn sie Sinn macht. Und dazu wollen wir heute die Beteiligten befragen. Eine Agentur ist also kein Muss. Das Ehrenamt selbst dagegen ist unverzichtbar. Ohne ehrenamtliches Engagement wären viele Dinge in der Stadt nicht möglich.“

Hans Dieter Renner, unterstützt durch den Ersten Stadtrat Karsten Bödeker, erläuterte die Aufgaben und Zielsetzungen einer Freiwilligenagentur: „Viele Menschen möchten sich ehrenamtlich betätigen, wissen aber nicht wo. Da kann die Agentur helfen. Auf der anderen Seite suchen Vereine und Organisationen diese Menschen. Da gibt es eine Vielzahl von Angeboten. Diese Angebote mit den Suchenden zusammenzubringen, ist eine wichtige Aufgabe.“ Ferner können Projekte initiiert werden. „Interessant wäre festzustellen, in welchen Bereichen bürgerschaftliches Engagement zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen kann. Wobei das Ehrenamt nicht die Wahrnehmung staatlicher Aufgaben ersetzen soll“, sagte Renner. Genaue Vorstellungen hatte er zur Organisation: „Eine hauptamtliche Stelle mit 15 Wochenstunden, unterstützt durch Ehrenamtliche, und ein Raum im Rathaus wären wünschenswert. Die Finanzierung erfolgt über den Stadthaushalt und Fördermittel.“

Nach der Theorie konnte Heike Wilhelm ihre positiven Erfahrungen mit der seit 2010 bestehenden Freiwilligenagentur in Syke präsentieren: „Oft kommen Neubürger zu uns und fragen danach, wo man sich ehrenamtlich betätigen kann. Wir schauen dann genau, gehen auf die Neigungen des Einzelnen ein. Wir sind aber nicht nur Anlaufstelle für diejenigen, die suchen, sondern beraten auch die Vereine und Organisationen. Dazu gehören auch neue Projekte. So haben wir während der Corona-Pandemie ältere Menschen mit Personen zusammengebracht, die mit zu den Impfterminen gefahren sind.“ In Syke werde viel Wert auf die Anerkennung der Freiwilligen gelegt. Die Verleihung der Ehrenamtskarte gehört dazu. „Gut passt die Einbindung der Ehrenamtsagentur in den Fachbereich Soziales. Synergien wie die Anwerbung von Seniorenbegleitungen lassen sich so leicht bewerkstelligen. Und wir kooperieren mit karitativen und kirchlichen Partnern“, sagte Heike Wilhelm. Sie zeigte sich rundum zufrieden, selbst wenn die Fördergelder für die Agentur in den vergangenen Jahren nachgelassen haben.

In der anschließenden Diskussion kamen dann die Teilnehmer des Abends zu Wort. Es gab viel Zustimmung, aber auch skeptische Wortmeldungen. Zum Schluss konnte jeder Teilnehmer das Pro und Kontra über eine Punktabfrage äußern. Die weitaus meisten Teilnehmer waren für die Einrichtung einer Ehrenamtsagentur, nur sehr wenige dagegen. Erster Stadtrat Karsten Bödeker nahm das Votum gerne auf und sagte: „Wir werden das Thema mit diesem Votum weiter bearbeiten und in die politische Diskussion bringen.“

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