Freyes Gasthaus Das Publikum swingt mit

Die Band Moi et les Autres lieferte in Freyes Gasthaus in Osterbinde einen mitreißenden Auftritt ab. Die musikalische Reise sorgte dafür, dass das Publikum wie wild mitklatschte.
25.10.2020, 17:12
Lesedauer: 2 Min
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Von Dorit Schlemermeyer

Es war eine fantastische Mischung, die die Band „Moi et les Autres“ am Sonnabend im Gasthaus Freye in Osterbinde zelebrierte. Das Quintett um Sängerin Juliette Brousset begeisterte das Publikum von Anfang an. Jazz, Chanson, Swing, Gypsy: Die Gruppe faszinierte mit dieser Vielseitigkeit. So ging das Publikum mit auf eine abwechslungsreiche Reise.

„Ich bin neugierig, wie der Abend verlaufen wird, und neugierig sollte man auch immer bleiben im Leben“, kündigte Brousset das Stück „Parlez diaz“ an. Mit ihrem charmanten französischen Akzent sagte sie im Anschluss: „Genauso hat sich das angefühlt, als ich nach Deutschland kam." Die Sängerin überzeugte nicht nur mit ihrer schönen Stimme, sondern auch als Moderatorin des Abends: „Ich war überrascht, was sie hier alles in diesem kleinen Ort haben: einen Schützenverein, ja, und eine Bundeskegelbahn“, die dann noch häufiger Erwähnung fand – zum Vergnügen des Publikums.

Das perfekte Akkordeonspiel von Erich Dunn sorgte beim nächsten Stück für das perfekte Bossa-Nova-Gefühl, das die ersten Gäste schon zum Mitswingen brachte. Und auch das Solo am Kontrabass dokumentierte die hervorragende Qualität der Musiker, in diesem Fall von Andreas Büschelberger. Dann folgte ein Stück von ihrer CD „Bio“, und Gitarrist David Heintz konnte wie Schlagzeuger Simon Ostheim und Büschelberger seine Qualitäten an der Ukulele beweisen, während Dunn zur Melodica griff. Angekündigt wurde das Lied als Chanson ohne Text, und dann ging es auch schon los – temperamentvoll, ein wahrer Freudenspender für das Publikum. In Corona-Zeiten seien Kinder ja eine echte Herausforderung, aber eben auch eine Freude, beschrieb Erich Dunn die Herangehensweise an das Werk, das er für seine Tochter komponiert hatte. „In deinen grünen Augen sehe ich die Welt sich spiegeln“, übersetzte Brousset ins Deutsche und wusste einmal mehr, mit ihrer Stimme zu verzaubern.

„Wir wollen von Paris erzählen, aber das ist gar nicht so romantisch, vielmehr geprägt von Hektik und Stress“, kündigte die Sängerin das Stück „Metro“ an, das musikalisch äußerst gekonnt diese Stimmung widerspiegelte: „Ich renne, ich renne“, heißt es darin. Rennen, um nicht den Anschluss zu verpassen. Es gehe aber auch um Menschen, die den Ausgang nicht mehr finden. Nach einem Hilfeappell für Künstler in Corona-Zeiten, folgte noch ein bekanntes Chanson von Jeanne Moreau.

Und auch für die Pause gab es Vorschriften. So sollten nicht alle auf einmal aufstehen und den Saal verlassen, wie die Bassumer Kulturbeauftragte Claudia Voss in ihrer Begrüßung erläutert hatte. Dass sie mit der Verpflichtung von Moi et les Autres einen Volltreffer gelandet hatte, bewiesen etliche Reaktionen des Publikums, das auch im zweiten Teil begeistert mitging. „Wir blicken in die Vergangenheit zurück und erzählen von unseren Anfängen“, so Brousset. Und tatsächlich war es eine musikalische Reise, deren Rhythmus das Publikum geradezu mitriss und wie wild mitklatschen ließ, bevor es im nächsten Stück sehr melancholisch wurde, denn es erzählte vom Schicksal Flüchtender und ihrer salzigen Tränen.

Ganz zarte orientalische Anklänge paarten sich am Ende mit einem „verzweifelten Schrei“, ein weiterer Höhepunkt dieses Konzerts, das weiterging mit einem Stück, das an die Musik von Django Reinhards erinnerte. Ganz zum Schluss präsentierte die Band noch Stücke aus ihrer aktuellen CD „Depart“ zu deutsch „Aufbruch“.

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