Friedenskonzert Semraus Herzensangelegenheit

Das Friedenskonzert mit der Klassischen Philharmonie Nordwest fand in der Bassumer Stiftskirche vor fast vollem Haus statt. Es berührte die Zuhörer sehr.
28.03.2022, 17:45
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Von Dorit Schlemermeyer / dos

Bassum. Was könnte passender sein für ein Friedenskonzert in dieser Zeit als die Europahymne, Beethovens 9. Sinfonie? Der Europarat nahm am 19. Januar 1972 die Melodie als eigene Hymne an. Sie ersetzt nicht die Nationalhymnen der Mitgliedstaaten, sondern ist Ausdruck der Werte – Freiheit, Frieden und Solidarität. Am Sonntagabend war sie musikalischer Auftakt beim Solidaritätskonzert für die Ukraine in der Bassumer Stiftskirche mit der Klassischen Philharmonie Nordwest und Solist Johannes Krebs. Dirigent Ulrich Semrau war anzusehen, dass es sich dabei um eine Herzensangelegenheit handelte, die auch die Zuhörer in der fast vollen Kirche sehr berührte.

Zuvor hatte Kirchenvorstandsmitglied Knut Laemmerhirt ein Friedensgebet gesprochen und Gerd Stötzel für den Lions-Club die Geschichte seiner Begegnung mit einem russischen Major in einer Kaserne 1990 geschildert. Letztere hatte geendet mit dem Wunsch nach Frieden und Freiheit.

Dann kündigte Semrau das Cellokonzert von Edward Elgar an: Das Konzert sei in der letzten Schaffensphase des Komponisten entstanden: „Es ist sein letztes vollendetes Werk vor seinem Tod 1934.“ Die Hauptrolle spielte darin der Cellist Johannes Krebs, der einmal mehr seine Virtuosität mit einem elegischen Adagio unter Beweis stellte. Es war ausschließlich seinem Violoncello vorbehalten, bevor das Orchester einsetzte, um den ersten Satz „Adagio-Moderator“ zu spielen. Nun begann für die Zuhörer ein großer Konzertabend, denn Elgar, den meisten eher bekannt durch seinen Marsch „Pomp And Circumstance“, hat mit dieser Komposition ein Werk geschaffen, das trotz oder wegen seiner Melancholie sehr bewegt.

Die persönlichen Lebensumstände des Komponisten flossen in das Werk mit ein. Edward Elgars Cellokonzert op. 85 ist ein trauriges Werk – und, auch hinsichtlich der Lebensumstände des Komponisten, ein tragisches. 1919, ein Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, geschrieben und uraufgeführt, wurde das Konzert überschattet von der Sorge des Komponisten um seine schwerkranke Frau Alice und die eigene angeschlagene Gesundheit, vom Verlust zahlreicher Freunde und von grauenhaften Erinnerungen an das Kriegsgeschehen.

Trotz aller Melancholie ist es ein anspruchsvolles Werk, das Orchester und Solisten viel Konzentration abverlangte. So beginnt der erste Satz entgegen aller Traditionen und Konventionen mit einer elegischen Adagio-Einleitung, die ausschließlich dem Soloinstrument vorbehalten ist. Ein Moderato-Satz mit einem charakteristischen, ausschweifenden Thema und großen Melodiebögen schließt an. Elegische Klänge auch im dritten Satz, der zwischen Trost und Resignation zu schwanken scheint und komplett vom Cello beherrscht wird. Der Schlusssatz scheint dann die Grübeleien zu unterbrechen und lebt vom Dialog zwischen Orchester und Solisten.

Die Zuhörer waren begeistert, und die Ersten erhoben sich von ihren Plätzen, um zu applaudieren. Dann folgte ein beeindruckendes Solo von Johannes Krebs und darauf anschließend das zweite große Werk an diesem Abend: Franz Schuberts Sinfonie Nr. 8 in C-Dur, auch bezeichnet als die „Große“. Die Sinfonie dauert 60 Minuten, auch deshalb werde sie als die „Große“ bezeichnet, so Dirigent Semrau. Sie beginnt mit dem Satz "Andante – Allegro ma non troppo", der wie die folgenden Sätze fast 15 Minuten dauerte und mit einem furiosen Klangfinale im vierten Satz endete: Allegro vivace.

Danach hielt es die Besucher nicht mehr auf den Plätzen. Ihr Applaus galt einem hervorragenden Orchester, das bis zum Schluss die Spannung und Konzentration hochhielt.

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