Herfried Bremer

Pietät ist das A und O

Vor vier Jahren stand Herfried Bremer zum ersten Mal vor der Trauergemeinde. Ein alter Jagdfreund war gestorben, Bremer wurde gefragt, ob er die Rede halten möchte. Er wollte. Seitdem sind einige dazugekommen.
28.07.2020, 17:26
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Pietät ist das A und O
Von Tobias Denne
Pietät ist das A und O

Vorbereitung ist alles: Herfried Bremer geht die Trauerrede mit seiner Frau Karina durch.

Michael Braunschädel

Bassum-Nordwohlde. Wenn Herfried Bremer spricht, dann kann es auch schon mal einen Lacher geben. Dabei ist der Anlass eigentlich ein trauriger. Denn Bremer ist Trauerredner und bei einer Beerdigung steht er vor den Angehörigen, Freunden, Bekannten und erzählt etwas über die verstorbene Person. „Jeder Mensch hinterlässt ein Lächeln“, sagt er. Deswegen könnte man bei einer Beerdigung auch mal lachen. „Die Pietät ist aber das A und O“, ergänzt der Nordwohlder. Eine Comedy-Veranstaltung soll es schließlich nicht werden.

Seit knapp vier Jahren arbeitet Bremer nebenbei als Trauerredner. Fährt vor der Beerdigung zu der Familie, spricht mit ihr und verfasst eine Rede. „Wir versuchen, den Abschied leichter zu machen“, sagt Bremer. Eine Aus- oder Fortbildung hat er dafür nicht absolviert. Es liegt ihm irgendwie im Blut. „Vielleicht weil ich nicht so der emotionale Mensch bin“, überlegt er. Wenn er allerdings an seine erste Trauerrede denkt, dann wird er doch ein wenig nachdenklich. „Ein guter Jagdfreund ist gestorben und er hätte keine Trauerfeier bekommen“, erinnert sich Bremer. Es waren einfach keine Verwandten mehr da. So ganz ohne Abschied sollte er aber dann doch nicht gehen. Mit dem Bestatter hat er dann eine kleine Feier organisiert und die Rede gehalten, der Schützenverein kam und die Jagdhornbläser haben auch gespielt.

So läuft das übrigens oft ab: Der Bestatter meldet sich bei Bremer, wenn die Angehörigen einen Trauerredner brauchen. „Es sind aber auch schon viele privat an mich herangetreten“, erzählt der Nordwohlder. Mund-zu-Mund-Propaganda ist noch immer die beste Werbung. Was natürlich nicht heißen soll, dass er sich nicht über Feedback freut. „Kritik muss ja nichts Schlechtes sein“, sagt Karina Bremer, seine Partnerin. Sie kümmert sich während der Trauerfeier unter anderem um den musikalischen Rahmen. Die Musik trennt auch die Abschnitte der Rede, denn Bremer beleuchtet nicht nur den Tod, sondern auch das Leben. „Bisher hat das immer ganz gut geklappt“, sagt er und lacht. Seien es witzige Anekdoten aus dem Schützenverein oder einfach der flotte Spruch, den die Verstorbene immer auf den Lippen hatte. „Das Wichtigste ist, dass die Hinterbliebenen am Ende herausgehen und sagen: 'Es war schön'“, findet Karina Bremer. Danach gibt es in einem Hardcover-Umschlag noch die Trauerrede.

Dabei ist das Duo offen für alles. Selbst wenn die Verstorbenen keine Kirchgänger mehr waren, wünschen sich die Angehörigen doch das eine oder andere Gebet. „Von Kirchenmusik bis zu den Rolling Stones war schon alles dabei“, erzählt Herfried Bremer, der keine Konkurrenz zu kirchlichen Bestattungen sein will. „Eine Alternative“, solle es sein. Denn auch er merkt, dass weniger Menschen mit der Kirche etwas anfangen können. Aber: „Der Bedarf ist da und er wird mehr.“

Seine zweite Trauerfeier als Redner war übrigens bei seinem Schwiegervater in Lübeck. „Seine Frau fragte mich, ob ich nicht die Trauerfeier halten könne“, erzählt Bremer. Erst im Anschluss kam so langsam der Gedanke auf, das nebenberuflich anzubieten. Immerhin gibt es nicht so viele Trauerredner, was auch dazu führt, dass der Nordwohlder nicht nur in Bassum und umzu unterwegs ist. So habe ihn jemand aus Nienburg angesprochen, ob er vorbeikommen könne. Dank seiner flexiblen Arbeitszeiten als Gärtner bei der Kreissparkasse sei das kein Problem. Wichtig ist bei jeder Feier, dass die Angehörigen auch etwas erzählen. Schließlich muss Bremer etwas haben, womit er arbeiten kann. „Ich versuche, mir ein Bild vom Umfeld zu machen“, sagt er. Daher nimmt er sich Zeit, immerhin ist gerade alles bis zur Beerdigung geprägt von Stress und wenig Trauer. „Es ist nicht ganz einfach“, weiß der 53-Jährige, der mit seiner Frau Hand in Hand arbeitet. „Alles, was mit dem PC zu tun hat, mache ich“, sagt Karina. Herfried lacht. Letztens war ihm beim Redeschreiben der PC abgestürzt, sodass er noch mal von vorne anfangen musste.

Gar nicht so einfach, immerhin braucht er Text für knapp 30 Minuten. Über was und wie er spricht, das schreibt er sich auf und setzt es nachher um. „Meistens ergibt sich aus dem Gespräch selbst, was man erzählen soll. Wenn man sich etwas unterhalten hat, dann bricht das Eis“, sagt Herfried Bremer. Und obwohl er schon unzählige Trauerfeiern gemeistert, eine Rede auf Fremde und Freunde gehalten hat, ändert sich eine Sache beim Nordwohlder nicht: „Das Lampenfieber ist immer dabei.“

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