Fußball

Max und Jannik Hahnel: Bereit für neue gemeinsame Geschichten

Sie stehen wieder gemeinsam auf dem Platz: Max und Jannik Hahnel vom TSV Bassum. Sie sind nicht nur Brüder, sondern auch Aufstiegshelden von 2014.
11.05.2020, 18:51
Lesedauer: 6 Min
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Von Thorin Mentrup
Max und Jannik Hahnel: Bereit für neue gemeinsame Geschichten

Nach dem Spiel gegen Kirchdorf feierten die Bassumer die Rückkehr in die Bezirksliga.

Udo Meissner

Bassum. Max und Jannik Hahnel stehen wieder gemeinsam auf dem Platz für den TSV Bassum. Denn Max ist wieder eingestiegen beim Fußball-Bezirksligisten. „Es fühlt sich einfach gut an“, sagt er. Die Brüder fahren in der Regel gemeinsam aus Bremen in die Lindenstadt, haben bis in den März hinein, als Fußball in seiner ursprünglichen Form noch erlaubt war, bereits ein paar Testspiele gemeinsam absolviert. Zusammen schreiben sie wieder sportliche Geschichte.

Erfolgreiche Zeiten haben beide gemeinsam schon erlebt. Einer ihrer Triumphe etwa war der Aufstieg in die Bezirksliga im Jahr 2014. Es war so etwas wie die Reparatur eines Betriebsunfalls. Ein Jahr zuvor waren die Bassumer nach fünf Jahren Siebtklassigkeit wieder auf Kreisebene abgestürzt. In der Kreisliga mischten sie nach einem wechselhaften Start stets vorn mit. Die Tabellenspitze war allerdings fest in den Händen des TuS Sudweyhe, der sich am Ende auch den Meistertitel sicherte. Dahinter war es spannender. Das Duell um den zweiten Aufstiegsrang spitzte sich auf einen Zweikampf zwischen Bassum und dem TuS Kirchdorf zu. Der TuS lag am Ende der Hinserie noch zwei Punkte vor den Lindenstädtern, gewann den ersten direkten Vergleich mit 4:1. „Da stand ich noch im Tor“, blickt Jannik, zu der Zeit eigentlich Stürmer, zurück und fügt lachend hinzu: „Da habe ich nicht viel gehalten.“ Doch in der Rückserie wendete sich das Blatt: Bassum, trainiert von Sven Plaumann, verlor kein einziges der 15 Spiele mehr. „Wir hätten den Aufstieg früher klar machen können, haben es uns aber selbst schwer gemacht“, erinnert sich Jannik.

Auf einmal wird es wieder spannend

Denn auf einen herausragenden Start in die zweite Saisonhälfte mit acht Siegen sowie einem Remis aus neun Spielen und einem Sieben-Punkte-Polster auf Kirchdorf nach dem 24. Spieltag ließ der Bassumer Schwung etwas nach. Eine Woche vor Saisonende waren die Lindenstädter nur noch Dritter. Jannik Hahnel hatte seinem Team in Dickel auf den letzten Drücker noch ein 2:2 gerettet, dennoch zog Kirchdorf durch ein 8:0 über den SV Dreye wegen des besseren Torverhältnisses vorbei. Die Lindenstädter, deren Team schon damals Kicker wie Mathis Hoffmann, Steffen Bönsch und Keeper Dominik Overmeyer angehörten, standen wieder unter Druck. „Im Fußball ist es doch nie leicht, oder? Wenn man glaubt, man sei schon durch, dann nimmt man nicht mehr jeden Gegner ernst und lässt Punkte liegen“, weiß Max Hahnel. Immerhin hatten er und seine Mitspieler noch das Nachholspiel gegen Dreye in der Hinterhand. Der SVD, stark ersatzgeschwächt und mit Trainer Björn Lankenau im Tor, war kein Stolperstein. Zum 6:0-Sieg steuerten die Hahnels drei Treffer bei: Max zwei, Jannik einen. „Von da an hatten wir wieder ein gutes Gefühl. Wir haben gespürt, dass nichts mehr schiefgehen kann“, erklärt Max.

Dabei war die Lage weiterhin brisant. Bassum war zwar Zweiter, konnte sich wegen des um acht Treffer schlechteren Torverhältnisses aber keine Niederlage erlauben. „Damit beschäftigt man sich aber nicht groß“, war auch Jannik voller Selbstvertrauen. Es scheint, als seien die Hahnel-Brüder für genau diese Duelle geschaffen: „So ein Entscheidungsspiel macht Spaß“, bekräftigt Max. Von Muffensausen also keine Spur an diesem 1. Juni 2014.

Die Entscheidung, erinnert sich Jannik, fiel schon früh im Spiel. Dabei meinte er nicht das Tor des Tages, sondern einen Elfmeter, den Kirchdorfs Christoph Albers, im Hinspiel vierfacher Torschütze, ans Lattenkreuz nagelte. Vor allem Max begegnete dem Kirchdorfer Angreifer das eine oder andere Mal auf dem Feld. Das Duell ging unter dem Strich an ihn. „Eigentlich hatte Kirchdorf bis auf den Elfmeter überhaupt keine Chance“, stand die Defensive bombensicher. Es war zweifelsohne eher das Spiel der Verteidiger als das der Angreifer. Sowohl auf Kirchdorfer als auch auf Bassumer Seite. „Nachdem Kirchdorf den Elfmeter verschossen hatte, war mir klar, dass wir nicht verlieren“, sagt Jannik zwar. Doch im Sturm konnte er sich kaum einmal in Szene setzen. „Ich habe mit Oli (Meyer, Anm. d. Red.) vorne drin gespielt. Richtige Chancen hatten wir beide nicht“, erinnert er sich. Dafür zeichnete sich das Sturmduo auf andere Art und Weise aus: durch seinen mannschaftsdienlichen Einsatz. „Wir haben ordentlich gekämpft, sind jedem Ball hinterhergerannt. Wir haben – wie alle anderen – alles rausgehauen, was wir hatten.“

Und dann kam die 27. Minute, die das Spiel entschied. „Hat Philip da nicht das Freistoßtor gemacht?“, versichert sich Jannik noch einmal. Genau so war’s. Und was für ein schönes Tor: 19, 20 Meter, halbrechte Position. Ideal eigentlich für einen Linksfuß. Doch der von Jannik angesprochene Philip, ein Rechtsfuß mit Nachnamen Schönborn, legte sich den Ball zurecht. Kurzer Anlauf, ein Schlenzer in die Torwartecke, mit Hilfe des Aluminiums fiel das Leder rein. Bassumer Jubel, die Hahnels mittendrin. „Ich weiß nicht, ob Philip so einen noch mal gemacht hat“, sagt Jannik und lacht. Sein Bruder stimmt ein: „Der Höhepunkt seiner Karriere. Ganz ehrlich: Ein tolles Tor.“ Danach rackern die beiden Hahnels bis zum Umfallen. „Ich war damals schon ein ziemlicher Kämpfer. Schon in der Jugend musste ich oft dem Spielmacher des Gegners auf den Füßen stehen“, erklärt Max. Der ältere Hahnel-Bruder hat in seiner Laufbahn etliche Kontrahenten entnervt. So auch beim Sieg gegen Kirchdorf.

Die Regale im Lidl rufen

An die Party nach der Partie können sich beide nicht mehr so genau erinnern. „Allzu lange haben wir nicht gefeiert, es war ja auch ein Sonntag“, weiß Jannik noch. Der Wochenstart stand bevor – er schrieb zudem seine Bachelorarbeit, musste Studium und Wohnung finanzieren. „Also habe ich morgens um 6 Uhr bei Lidl Regale eingeräumt“, erzählt der bei Mercedes angestellte und seit Montag 29-Jährige. Da war eine lange Partynacht nicht drin. „Außerdem musste einer von uns auch fahren“, fügt Max hinzu. Für ihn gab es häufiger etwas zu feiern beim TSV. Schon beim Bezirksligaaufstieg 2008 war er mit dabei – er spielte als A-Jugendlicher im Herrenbereich mit, genauso wie Schönborn. Im selben Jahr feierte er zudem mit der Jugendtruppe den Kreisliga-Titel. „Da war es etwas wilder“, erinnert er sich unter anderem an eine Fahrt mit Traktor und Anhänger durch die Stadt.

Der Aufstieg in die Bezirksliga 2014 war für die Hahnels eine Art Zäsur: Max zog es nach München, Jannik nach Hannover. Max legte eine Fußballpause ein, Jannik hielt es jedoch nicht lange ohne seine Bassumer aus: In der Rückserie der neuen Saison war er wieder am Ball, erlebte ein Zitterjahr und die Rettung in der Relegation. „Wenn es gegen den Abstieg geht, ist die Anspannung größer“, spürte er eine andere Art des Drucks. Ohne Nervenkitzel ging es beim TSV in diesen Jahren nicht. Doch die Lindenstädter waren in den entscheidenden Momenten zur Stelle.

In der mittlerweile sechsten Bezirksligasaison in Serie ist der TSV ein etablierter Siebtligist – und kann wieder auf einen weiteren Aufstiegshelden von 2014 bauen. Max, in der Unternehmensberatung tätig, hatte nach seiner Rückkehr nach Bremen zwischenzeitlich wieder angefangen zu kicken, pausierte dann aber aus beruflichen Gründen wieder. Nun feierte er sein erneutes Comeback. „Fußball hat mir schon gefehlt. Jetzt habe ich etwas mehr Zeit, und die will ich dann auch nutzen. Es sind ja noch einige Jungs da, die ich kenne“, ist ihm der Verein nie fremd geworden. Das lag natürlich auch an seinem Bruder, der sich über einen weiteren Hahnel im Team freut. „Ich finde es schön, wieder mit ihm auf dem Platz zu stehen. Das gibt mir ein gutes Gefühl.“ Eines, das beide schon seit Kindestagen kennen: „Wir hatten hinter dem Haus einen Platz mit kleinen Toren. Da haben wir in jeder freien Minute gespielt“, erzählt Max. Die Fußballbegeisterung hat die beiden Brüder schon früh gepackt.

Nun sind sie die „Senioren“ im Team des TSV. Gegen seinen jetzigen Coach Torsten Klein stand der 30-jährige Max zum Beispiel bereits auf dem Feld. „Gefühlt bin ich aber nicht älter als die anderen“, sagt er. Ein Sprintduell gegen seinen Bruder würde er wohl gewinnen, fügt er lachend hinzu. Vielleicht hat Trainer Klein ihn in der Vorbereitung deshalb auch mal auf der Rechtsaußenposition eingesetzt. „Mal sehen, was er mit mir vorhat“, blickt Max gespannt voraus. Sein Bruder hat seine Stärken eher am Ball und in der Übersicht. Für ihn hat sein Trainer eine Rolle in der Mittelfeldzentrale gefunden. Nicht mehr ganz vorne drin wie früher. Gut möglich also, dass Jannik aus dieser Position heraus seinen Bruder mal in Szene setzt, wenn der Ball wieder rollen darf. Ein Gedanke, mit dem sich die beiden Hahnels durchaus anfreunden können. Unter Brüdern macht das Fußballspielen eben noch ein bisschen mehr Spaß – und dann gibt es auch wieder neue Geschichten, die Max und Jannik Hahnel gemeinsam für den TSV Bassum schreiben.

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