Fußball Grußbotschaft vom DFB-Präsidenten

Trainer Uwe Lüllmann vom TSV Neubruchhausen wird für die Fair-Play-Geste der Jahre 2019/2020 geehrt.
29.03.2021, 13:36
Lesedauer: 3 Min
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Von Sven Hermann

Neubruchhausen. Unter einem Vorwand wurde Uwe Lüllmann, Trainer des in der 3. Kreisklasse Nord angesiedelten Fußball-Teams des TSV Neubruchhausen II, ins Vereinsheim des TSV gelockt. „Ich sagte ihm, wir wollen den Restverlauf der Saison besprechen“, verriet Spartenleiter Björn Löhmann. Als Lüllmann schließlich eintraf, blickte er sichtlich überrascht in die anwesende, kompetente Fußball-Runde. Neben seinen Spartenleitern Löhmann und Jens Dannemann, sowie dem Vereins-Vorsitzenden Werner Wisloh erwarteten den verdutzten Coach auch noch der NFV-Kreisvorsitzende Andreas Henze und NFV-Präsidiumsmitglied Frank Schmidt. Grund für deren Erscheinen war eine Tat Lüllmanns aus dem Oktober 2019. Dafür wurde er von Henze bereits im August letzten Jahres für die „Fair-Play-Geste“ des Monats Oktober ausgezeichnet. Da Lüllmanns Handeln die Verantwortlichen des Niedersächsischen-Fußballverbandes derart beeindruckte, wurde sein vorbildliches Verhalten jetzt aus gut 20 Vorschlägen zur „Fair-Play-Geste“ der Jahre 2019/2020 im Bereich des NFV erkoren.

Dass Lüllmann im Vorfeld von dieser Auszeichnung nicht im geringsten etwas ahnte, bewies die Tatsache, dass er direkt von einer privaten Tätigkeit im Arbeits-Overall im Vereinsheim erschien. „Was habe ich verbrochen?“, fragte der 55-Jährige schmunzelnd in die Runde. Verbrochen hatte Lüllmann im Oktober 2019 bei der Begegnung der 3. Kreisklasse Nord zwischen dem TSV Neubruchhausen II und dem FC Syke 01 überhaupt nichts. Ganz im Gegenteil. Bei einem Zweikampf verletzte sich der Syker Spieler Florian Zimpelmann schwer, brach sich dabei das Schlüsselbein. Ohne zu zögern rannte Trainer Lüllmann auf das Feld und leistete Erste Hilfe, organisierte zeitgleich die notärztliche Versorgung. Doch damit nicht genug. Mit viel Fingerspitzengefühl beruhigte er zudem die erhitzten Gemüter. Auch die Entscheidung des Spielausschusses, das Spiel neu anzusetzen, wurde fair angenommen, obwohl die Elf aus Neubruchhausen 3:1 führte und nur noch wenige Minuten zu spielen waren. Das Wiederholungsspiel im November 2019 verloren die Gastgeber dann sogar mit 0:4, doch diese präsentierten sich laut Aussage der Syker Gastelf erneut äußerst fair, gratulierten den Siegern und luden diese sogar noch zum gemütlichen Beisammensein ein.

Lüllmanns großer Anteil an diesem vorbildlichen Verhalten beeindruckte den Fair-Play-Beauftragten Schmidt sehr. Im Gepäck hatte der Vorsitzende des NFV-Ausschusses für gesellschaftliche Verantwortung neben einigen Präsenten eine ganz besondere Botschaft von höchster Stelle. Per USB-Stick übermittelte er dem Preisträger die Grüße des DFB-Präsidenten Fritz Keller. „Uwe, herzlichen Glückwunsch. Wir hätten dich gerne zu einer Gala oder einem Fest eingeladen, doch Corona lässt das leider nicht zu. Dein Verhalten war so großartig. Du bist ein Vorbild für alle anderen. Zum Dank überreichen wir dir einen Gutschein über zwei Karten für ein Länderspiel, wenn wieder Zuschauer zugelassen sind“, so die lobenden Worte des höchsten DFB-Amtsträgers. Neben einer Urkunde, einem Ball und T-Shirts überreichte Schmidt eben diesen Gutschein.

„Herzlichen Glückwunsch. Bleib weiter so fair. Dein Verhalten war vorbildlich. Wir wollen Vorbilder in Zukunft mehr in den Vordergrund rücken und da bist du vorne mit dabei. Dass wir dich in diesem kleinen Rahmen ehren müssen, ist nur dem Virus geschuldet. Sonst hätten wir sicherlich eine andere Möglichkeit gefunden“, sagte Schmidt, der extra aus seiner Heimatstadt Osnabrück angereist war. „Herzlichen Dank. Ich bin ein bisschen überrascht, sprachlos und unvorbereitet, da ich dachte, wir schnacken ein bisschen über die aktuelle Saison. Für mich war meine Hilfeleistung und mein Verhalten selbstverständlich. Ich hoffe nur, dass ich nicht irgendwann wieder eine ähnliche Situation erlebe. Solch eine Ehrung möchte man lieber unter anderen Umständen erhalten, ohne das eine schwere Verletzung im Spiel ist“, entgegnete der Geehrte, der zudem noch ein Präsent vom Vereins-Vorsitzenden Werner Wisloh erhielt. „Wir wollen hauptsächlich Spaß am Fußball haben und unser Ziel ist es, möglichst viele Spieler einzusetzen“, lautet die Devise von Lüllmann, der selbst auch noch in der Ü50 der SG Heiligenfelde aktiv ist.

Diskutiert wurde in der fußballkompetenten Runde zudem noch, wie es denn mit den seit Oktober unterbrochenen Saisons in den Amateurklassen der Region nun weitergehen soll. Aufgrund der rasant steigenden Infektionszahlen tendiert die Hoffnung bei allen Beteiligten gen null, dass man alsbald wieder auf die Plätze rauf darf. „In den letzten 14 Tagen häuften sich bei vielen Trainern und Mannschaften darüber hinaus noch die Bedenken, wie denn die Chefs und Arbeitgeber auf eine mögliche Infektion oder Quarantäne reagieren würden“, berichtete der NFV-Kreisvorsitzende Andreas Henze. Die Zeichen stehen also eher auf Saison-Abbruch.

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