Bienenfutter

Ein kleines Paradies

Der Bassumer Imker Norbert Tilger hat vor wenigen Tagen einen Bienenfutterautomaten bei sich vorm Geschäft an der Langen Straße in Bassum aufgestellt. Dort kann jeder eine Blühmischung kaufen.
02.04.2020, 16:21
Lesedauer: 2 Min
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Ein kleines Paradies
Von Tobias Denne
Ein kleines Paradies

Imker Norbert Tilger hat vor einer Woche einen Bienenfutterautomaten bei sich vorm Geschäft an der Langen Straße in Bassum aufgebaut. Dort kann jeder mit Kleingeld eine Kugel Blühmischung kaufen und aussähen.

Michael Braunschädel

Bassum. Die Verwechslungsgefahr ist hoch. Das gibt auch Norbert Tilger zu. Immerhin ist es ein „umgebauter Kaugummiautomat“, der da vor seinem Geschäft hängt. Und tatsächlich: Auf den ersten Blick wirkt der gelbe Automat wie aus einer anderen Zeit. Aus einer Zeit, in der man für ein paar Pfennig noch Kaugummi kaufen konnte. Gut, Geld kann man auch beim Automaten von Norbert Tilger an der Langen Straße 9 in Bassum einwerfen. Nur statt Kaugummi für ein paar Pfennig bekommt man kleine Kugeln für den Garten für ein paar Cent.

Der gelbe Kasten ist nämlich ein sogenannter Bienenfutterautomat. Mit der Kapsel können Menschen ein bis zwei Quadratmeter Fläche zu einem kleinen Paradies für Bienen umfunktionieren. „Am besten pflanzt man die Samen in eine Ecke, die man übrig hat. So können die Pflanzen optimal wachsen“, erzählt Tilger. Der Imker aus der Lindenstadt betreibt einen Imkereibedarf an der Langen Straße. Seit drei Wochen arbeitet er in seinen neuen Räumen, in denen er einfach mehr Platz hat. Denn: Das Imkerei-Hobby wird immer beliebter, hat Tilger beobachtet. „Ich musste irgendwann anfangen, das Material zu stapeln. Dabei verliert man schnell den Überblick“, gibt Norbert Tilger zu. Also ging es in die neuen Räumlichkeiten.

Seit einer Woche hängt an der Hauswand davor übrigens der Bienenfutterautomat. „Ich überlege mir immer, was ich noch für Imker anbieten könnte“, erzählt Tilger. Bei der Recherche ist er dann auf das gemeinnützige Projekt der Bienenretter in der Nähe von Frankfurt am Main gestoßen. „Ich fand das eine tolle Idee“, sagte er zu sich und bestellte einen Kasten. Denn als Imker weiß er, dass das Bienensterben nicht die Honigbiene betrifft, sondern die Wildbiene. „Die Wildbiene hat einen Flugradius von 100 Metern, die Honigbiene von drei bis fünf Kilometern“, berichtet Tilger. Daher seien gerade die Wildbienen besonders bedroht, da ihre Verwandten die Nahrungsquellen abgrasen und sie selbst an einen Standort gebunden sind. „Blühflächen auf einem Acker sind nicht sinnvoll, da die Strecke zu weit ist“, erklärt Tilger. Sinnvoller seien solche Flächen am Waldrand. Generell findet er es aber gut, dass derzeit so viel für Bienen getan wird. Ob Blühwiesen oder selten gemähte Randstreifen sind für den Imker „eine gute Sache“. Denn die Wildbienen seien zum Großteil Erdbienen, die auch ihre Eier im Boden ablegen würden und dadurch ihre Ruhe hätten. Wie man übrigens die Samen aus der Kapsel richtig anpflanzt, das ist auf einem kleinen Zettel in der Kugel erklärt. „Die leeren Kapseln kann man in eine Box unter dem Automaten werfen, die werden dann aufgefüllt und kommen wieder in den Automaten“, erzählt Tilger. Für 20 Cent bekommt man eine Kugel für einjährige Blühpflanzen, für 50 Cent ist die ganze Kugel voller Samen für eine mehrjährige Mischung.“Es sind schon einige Leute mit ihren Kindern vorbeigekommen“, freut sich Tilger darüber, dass das Angebot angenommen wird. Denn „gelb genug ist er ja“, sagt er und lacht.

Auch wenn die Anpflanz-Saison enden sollte, so kann der Automat ganzjährig angesteuert werden. So tauscht Tilger ab September die Samen in den vollen Kugeln mit Krokuszwiebeln aus. Die sollte man im Herbst anpflanzen, sodass sie im darauffolgenden Frühjahr blühen – und ein kleines Paradies für Bienen bilden.

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