Wo gehst du hin?

Gefühle auf mehreren Ebenen

Das Künstlerpaar Marcello Monaco und Daniela Franzen plant ein neues Projekt zum Thema Flüchtlinge. Es soll Ängste abbauen und die Kommunikation zwischen den Menschen fördern. Dafür suchen sie noch Künstler.
14.10.2019, 18:47
Lesedauer: 3 Min
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Gefühle auf mehreren Ebenen
Von Tobias Denne
Gefühle auf mehreren Ebenen

"Wo gehst du hin? Flüchtlinge heute – Flüchtlinge gestern" lautet der Titel des neuen Projekts von Marcello Monaco und Daniela Franzen. Dazu suchen sie noch Künstler, die sich beteiligen wollen.

KM Asad/dpa

Bassum. Wie wäre es, wenn ich selbst aus meiner Heimat flüchten müsste? Was würde mir durch den Kopf gehen? Wo würde ich hingehen? Nicht nur das Schicksal der Geflüchteten und deren Erfahrungen wollen Marcello Monaco und Daniela Franzen in den Fokus rücken, sondern „wir wollen Ängste abbauen und die Kommunikation fördern“, sagt Marcello Monaco über das neue Projekt, das im Frühjahr 2020 seine Premiere feiert. Unter dem Titel „Wo gehst du hin? Flüchtlinge heute – Flüchtlinge gestern“ sollen sich zahlreiche Künstler zusammenfinden und die Besucher zum Austausch anregen.

„Das Besondere ist, dass wir keine für sich stehende Kunstdisziplinen zeigen wollen, sondern es soll eine Zusammenfügung von den einzelnen Disziplinen werden“, erklärt Monaco. Soll heißen: Verschiedene Künstler – seien es Musiker, Maler, Chöre, Bildhauer, Akrobaten – zeigen alle unter dem Titel ihre Auseinandersetzung mit dem Thema – und das alles in einem Gebäude. „Uns ist wichtig, dass wir mehrere Ebenen haben. Es ist nicht nur ein Konzert oder eine Ausstellung, um die Gefühle zu vermitteln“, erzählt Monaco über das Vorhaben.

Denn am Wochenende, 22. und 23. Februar, wird die Veranstaltung in der Mensa des Schulzentrums in Bruchhausen-Vilsen stattfinden, am 29. Februar und 1. März in der Gilde-Festhalle in Bassum. „Wir wollen eine geführte Tour durch verschiedene Räume anbieten und drei Elemente miteinander verbinden. Sehen, hören und spüren“, sagt Monaco. So könne etwa ein Künstler ein Bild über Flüchtlinge malen und gleichzeitig hören die Besucher Berichte von Flüchtlingen, die von ihrem Leben erzählen. „Das sollen keine langen Vorträge werden, sondern einzelne Sätze“, verspricht Daniela Franzen.

Denn die Besucher sollen sich in die Rolle der Geflüchteten hineinversetzen können. „Wir beschäftigen uns mit dem Thema und mit der Reaktion, die manchmal sehr extrem ausfällt. Wir sind der Meinung, dass der Ursprung Unsicherheit der Menschen und Mangel an Kommunikation ist“, sagt Monaco. Daher solle das Projekt die Kommunikation fördern. Denn dadurch, dass derart viele Menschen am Projekt beteiligt werden, bietet es die Möglichkeit zu zeigen: „Wir sind alle Menschen und nur weil jemand anders aussieht, ist er kein Verbrecher“, bekräftigt Monaco.

Die beiden Künstler sind derzeit noch auf der Suche nach Interessierten, die Lust haben, am Projekt mitzuwirken. Wie und was ist ihnen vollkommen freigestellt. „Wir geben nichts vor und jeder Künstler hat die Möglichkeit, sich mit seiner Geschichte oder seiner Kunstform auszubreiten“, spricht Monaco über die rund ein Jahr dauernde Vorbereitung. „Ohne die Förderungen des Landschaftsverbands Weser/Hunte und Lags (Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur, Anm. d. Red.) Niedersachsen wäre das nicht möglich. Auch die Stadtverwaltungen und Horst-Dieter Jobst von der Gilde-Festhalle unterstützen uns“, freuen sich die beiden. Monaco und Franzen sammeln derzeit noch die Angebote der Künstler und sortieren diese. „Wenn jemand ein Bild gemalt hat und eine Band meint, ihr Song passe perfekt dazu, dann könnte sie vor dem Bild auftreten“, skizziert Franzen eine Möglichkeit.

Wie am Ende die Verteilung aussieht, das ist noch offen. Wie die Räume derweil gestaltet werden, ebenfalls. Klar ist, dass die Besucher nicht in einen offenen Raum gehen, sondern in einer gewissen Art und Weise durch ihn geführt werden. „Man könnte mit Licht oder Tüchern spielen, um Fotos oder Bilder anders wirken zu lassen, aber wir sind noch im Brainstorming, haben schon viele Kontakte geknüpft“, sagt Marcello Monaco. Bereits bei einem ersten Treffen vor einigen Wochen haben ein paar Künstler zugesagt. So wird Brigitta Wortmann etwas über Flucht in Märchen vorbereiten, Ralf Schauwacker geht über Filme an die Thematik und Tina Badenhop interpretiert den Titel artistisch.

Es zeigt: Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Gleichzeitig geht es nicht ausschließlich um die jüngste Zeit. So können auch Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg geflüchtet sind, am Projekt teilnehmen und sich einbringen. „Wir sind offen für kreative Ideen“, freut sich Franzen auf die Teilnehmer, die sich nicht nur auf Künstler beschränken. „Es wird noch kulinarisches angeboten“, kündigt Monaco an. Aber es soll kein Abendessen werden, eher Kleinigkeiten. Es hätten sich aber schon Gruppen angekündigt, kochen zu wollen. „Danach kann man, wenn man will, noch ins Gespräch kommen und miteinander reden“, sagt Daniela Franzen.


Wer Interesse hat, am Projekt „Wo gehst du hin? Flüchtlinge heute – Flüchtlinge gestern“ mitzuwirken, oder weitere Informationen wünscht, kann sich per Mail an kontakt@danielamarcello.com an die beiden Initiatoren wenden.

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