Ausstellung in der Bassumer Friedhofskapelle "Das hat's noch nicht gegeben"

Eine Ausstellung wird in der Zeit vom 15. bis zum 21. November in der Bassumer Friedhofskapelle zu sehen sein. Der Titel: "Gemeinsam unterwegs! Eine Ausstellung über Leben und Endlichkeit“.
10.11.2021, 13:17
Lesedauer: 4 Min
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Von Micha Bustian / abu

Bassum/Twistringen. Es gibt kaum ein passenderes Synonym für die Endlichkeit als den Friedhof. Dahingehend passt es gut, dass die Bassumer Friedhofskapelle, Eschenhäuser Straße 1a, vom 15. bis zum 21. November Schauplatz der Präsentation „Gemeinsam unterwegs! Eine Ausstellung über Leben und Endlichkeit“ ist. Damit hoffen die Veranstalter – die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Bassum, die Kapelle der Stille und der örtliche Hospizdienst – mehr Leben auf den Friedhof zu bekommen.

Die Ausstellung ist seit 2017 in Deutschland unterwegs. Zurzeit tourt sie durch ganz Niedersachsen. Erster Haltepunkt war im August die St.-Christophorus-Kirche in Helmstedt, der Reigen endet am 5. Dezember in Cloppenburg. Davor macht die Präsentation Rast im Landkreis Diepholz: in Twistringen (9. bis 14. November), Bassum und Sulingen (22. bis 28. November).

Und was gibt's dort zu sehen? Zuerst einmal Bilder des Langeooger Inselmalers Anselm. Die orientieren sich an der Geschichte der Emmaus-Jünger, teilt Pastorin Ines-Maria Kuschmann mit. Eine Geschichte, in der zwei Menschen nach einem schweren Schicksalsschlag miteinander unterwegs sind, als sie erfahren, dass sie jemand auf ihrem Weg begleitet. „Diese Begleitung hilft ihnen, schrittweise ins Leben zurückzufinden und ihren eigenen Weg dann alleine weiterzugehen“, heißt es im Flyer der Hospizstiftung Niedersachsen. Für Kuschmann steht dahinter, „füreinander da zu sein“. Auch etwas, was Menschen auf einem Friedhof sicher guttun würde.

Zweiter Bestandteil nach den 2,50 Meter hohen Gemälden sind Lieder von Rolf Zuckowski. Der hat sich vornehmlich mit Kinderliedern einen Namen gemacht, kann aber auch anders. Seine Worte stehen unter Anselms Bildern, seine Lieder werden in der Bassumer Friedhofskapelle zu hören sein. Dieses Konzept hat die Hanauer Diakonin Kerstin Slowik entwickelt. Am Anfang der Ausstellung steht ein Werk mit einem alten Paar, das gemeinsam am Strand spazieren geht. „Es steht stellvertretend für den Gang durchs Leben und den Abschied“, heißt es auf dem dazu gehörenden Flyer.

Claudia Kemper, Leiterin des Bassumer Hospizdienstes, hofft, dass Besucher der Friedhofskapelle über diese Ausstellung „miteinander ins Gespräch kommen“. Sie will den örtlichen Friedhof in einen Begegnungsort verwandeln. Deshalb hält sie es „für eine gute Idee, Leben in die Kapelle zu holen“. Eine Meinung, die Ines-Maria Kuschmann teilt. Die Pastorin will „den Friedhof deutlicher ins Blockfeld rücken“. Zudem freut sie sich über „diese wunderbare Kooperation“ mit dem Hospizdienst und der Kapelle der Stille.

Neben Anselms Bildern und Rolf Zuckowskis Liedern soll es auch ein Rahmenprogramm geben. In der Woche nach der Eröffnung am Montag, 15. November, ab 18.30 Uhr in der Kapelle wird am Dienstag, Mittwoch und Freitag jeweils um 15 und 18.30 Uhr ein meditativer Impuls gesetzt. Am Donnerstag bieten die Veranstalter ab 18.30 Uhr eine Andacht an, am Sonnabend zur gleichen Uhrzeit eine offene Gedenkfeier. Abschließend werden am Ewigkeitssonntag, 21. November, ab 9.30 und 11 Uhr Gottesdienste in der Friedhofskapelle gefeiert.

Ines-Maria Kuschmann hofft, dass die Ausstellung nur ein Anfang ist. Sie hätte gerne eine Trost- und Trauerbank, ein regelmäßiges seelsorgerisches Angebot. Vor allem in der Corona-Zeit seien viele Menschen für sich alleine gewesen, ergänzt Claudia Kemper. „Eine Betreuung war nicht möglich.“ So wolle man die vielen Friedhofsbesucher vernetzen, „auf dem Friedhof ergeben sich häufig Gespräche“.

Die Ausstellung „Gemeinsam unterwegs! Eine Ausstellung über Leben und Endlichkeit“ kostet keinen Eintritt. Durch die coronabedingten Einschränkungen finden nur 60 Menschen Platz in der Kapelle, „wir hoffen, dass das reicht“. Die Präsentation sei vor allem passend zum Ewigkeitssonntag, findet Ines-Maria Kuschmann. „Etwas in dieser Art hat es in der Kapelle bisher noch nicht gegeben.“

Zur Sache

Musiker mit Verdienstkreuz

Rolf Zuckowski, geboren am 12. Mai 1947 in Hamburg, ist als Komponist von Kinderliedern deutschlandweit bekannt geworden. Mit mehr als 20 Millionen verkauften Tonträgern gehört er zu den kommerziell erfolgreichsten Künstlern in Deutschland. Seine Eltern, Vater Seemann und Mutter Frisörin, schenkten ihm im Alter von 14 Jahren eine Gitarre. Die ersten Auftritte feierte Zuckowski laut Internet-Lexikon Wikipedia mit der Schulband The Beathovens. 1967 nahm er das Studium der Betriebswirtschaft in Hamburg auf, das er 1972 mit dem Diplom abschloss. 1971 und 1974 wurde er Vater. Und dann kam der Erfolg: 1977 entstand das Singspiel "Rolfs Vogelhochzeit", zwei Jahre später folgte die Veröffentlichung von "Rolfs Schulweg-Hitparade". Im Februar 2005 erhielt Rolf Zuckowski das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland, später für sein langjähriges, herausragendes Engagement für die Stellung von Kindern das Bundesverdienstkreuz erster Klasse.

Maler mit Kneipe

Langeoogs Inselmaler Anselm heißt mit vollem Namen Anselm Prester. Der 78-Jährige ist am Tegernsee geboren. Im zarten Alter von sieben Jahren erhielt der Junge erstmals Zeichenunterricht im Atelier seines gleichnamigen Vaters, der 1959 früh verstarb. Laut Internet-Lexikon Wikipedia übernahm Prester Papas Atelier und verkaufte schnell erste Arbeiten. 1965 zog er auf die Nordseeinsel Langeoog, wo er die Tochter eines Restaurantbetreibers heiratete. 1966 wurde ein Sohn geboren, 1967 eine Tochter. Prester eröffnete zunächst in der Nähe der Strandhalle, die sein Schwiegervater betrieb, die Kneipe "Givtstube". Ab 1978 bot er dazu Pastell- und Ölmalkurse für Erwachsene und Kinder an. Ab 1981 begann er mit der Einrichtung eines eigenen Ateliers, das er im Lauf der Zeit ausbaute; die "Givtstube" wurde geschlossen und entsprechend umgestaltet. Die Bavaria-Film kaufte 20 seiner Gemälde, Bundespräsident Richard von Weizsäcker eins seiner Ölgemälde.

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