Lukas-Schule Bassum

Zu Hause die Schulbank drücken

Der Elftklässler Paul Keip zieht ein Resümee über zwei Monate Homeschooling. Der 17-Jährige zieht eine durchaus positive Bilanz über das häusliche Lernen. Aber er benennt auch die Schattenseiten.
02.06.2020, 17:24
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Ilias Subjanto
Zu Hause die Schulbank drücken

Klare Meinung: Paul Keip von der Bassumer Lukas-Schule findet das Homeschooling nicht nur schlecht.

Vasil Dinev

Bassum. „Wie geht es jetzt weiter?“ Diese Frage stellte sich Paul Keip, als seine Schule im März Corona-bedingt schließen musste. Paul ist Elftklässler an der Lukas-Schule in Bassum. Diese öffnet nun schrittweise wieder, so auch für die Oberstufenschüler. Der 17-Jährige blickt auf eine ungewöhnliche Zeit des häuslichen Lernens zurück.

„Am Anfang dachten wir kurz, wir hätten schulfrei“, gibt Paul zu und lacht. Diese Annahme erwies sich freilich schnell als Trugschluss. Wie alle anderen Schulen führte auch die Lukas-Schule das Homeschooling, das Lernen zu Hause, ein. Der Unterricht fand in erster Linie über eine digitale Plattform statt. Für Paul und seine Mitschüler war diese Erfahrung nicht ganz neu. „Wir kannten die Plattform bereits aus dem Informatikunterricht“, berichtet er. Auch hatten sie den Umgang mit einem Office-Paket schon geübt, werden Schülervorträge doch meist per Powerpoint-Präsentation gehalten.

Aber auch für die Lehrerschaft bedeutete das Homeschooling eine große Umstellung. „Die Lehrer mussten sich erst einmal einen Überblick verschaffen, wie sie den Stoff am besten vermitteln“, sagt Paul. Nach einer kurzen Probephase und einigen Anpassungen der gestellten Aufgaben in Quantität und Schwierigkeitsgrad spielte sich das häusliche Lernen nach Pauls Meinung gut ein.

So produzierte seine Biologielehrerin einen erklärenden Videoclip zum Unterrichtsstoff, zeigte Powerpoint-Präsentationen zum Thema und verschickte Weblinks zu weiterführenden Youtube-Videos. „Die Lehrer haben sich viel Mühe gegeben, und einige haben sich auch einen großen Aufwand gemacht“, sagt Paul anerkennend. Versuche im Chemieunterricht habe man sich nur per Video anschauen können; sie selber zu Hause durchzuführen sei natürlich nicht möglich gewesen.

Im Englischunterricht wurden Aufgaben gestellt, die es zu bearbeiten galt und dann hochgeladen werden mussten. Sogar Sportunterricht gab es: „Hier hatten wir die Möglichkeit, eine theoretische Arbeit anzufertigen“, erläutert der 17-Jährige. Für Paul habe das Tippen am Computer kein Problem dargestellt. Als Alternative konnten die Schüler die Hausarbeiten handschriftlich anfertigen, einscannen und digital verschicken. Diese Vorgehensweise hätten vor allem Mitschüler gewählt, die am Computer noch nicht so schnell vorangekommen seien. Paul berichtet auch von Schülern, die vom vielen Sitzen vor dem Bildschirm Kopfschmerzen bekommen hätten – eine der Schattenseiten des digitalen Lernens.

Klausuren hat Paul ebenfalls geschrieben, zum Beispiel im Fach Religion. Punkt 8 Uhr habe er die Klausuraufgaben online gestellt bekommen. Dann habe er drei Stunden Zeit gehabt, einen Text zu interpretieren und Fragen zu beantworten. Er persönlich fand diese Form des Leistungsnachweises zwar ungewöhnlich, aber insgesamt fair. Ansonsten gab es noch Videokonferenzen mit den Lehrern, auf denen der Unterrichtstoff besprochen wurde und Fragen gestellt werden konnten.

Insgesamt habe Paul den Eindruck, durch das Homeschooling gut durchgekommen zu sein, und trotz fehlendem Präsenzunterricht habe er keine Schwierigkeiten gehabt, sich den Unterrichtsstoff anzueignen. „Das war eine gute Vorbereitung für das Studium und das spätere Leben“, findet er, das digitales Lernen sei vorteilhaft gewesen, sich eigenständiges Vorgehen und Zeitmanagement anzutrainieren. Paul habe kaum negative Resonanz in der Schülerschaft über die Methoden des Homeschooling feststellen können. „Wenn man sich bemüht, kommt einem die Schule auch entgegen“, fügt er hinzu.

Allerdings schränkt er ein, dass das eigenständige Lernen in der Oberstufe eher umsetzbar sei als in unteren Klassen, die mehr Struktur benötigen würden. „In der elften Klasse können wir Texte selber lesen und Aufgaben bearbeiten. Wie soll das aber in einer Grundschule funktionieren, wenn die Kinder erst Lesen lernen müssen?“, fragt er nachdenklich.

Dass während des Shutdowns die Möglichkeiten des digitalen Lernens gezwungenermaßen stärker in den Vordergrund gerückt sind, sieht er als eine der wenigen positiven Aspekte der Corona-Krise. Auch freut er sich, dass die Lukas-Schule näher ans digitale Zeitalter gerückt ist: In den Osterferien seien viele der alten Schultafeln ersetzt worden durch Smartboards, interaktive digitale Tafeln, die mit einem Computer verbunden sind.

Abseits der Schule habe Paul die Massenquarantäne recht gut überstanden. „Dank meines Motorrad konnte ich immer mobil bleiben“, sagt er. Er wisse jedoch von vielen jungen Leuten auf dem Lande, die zu Hause verkümmert seien. „Die hatten keine Freizeitaktivitäten mehr. Deren Tagesablauf bestand aus Online-Schule, Fernsehgucken und Schlafen. Das war für manche ganz schlimm.“

Seit Anfang der Woche dürfen Paul und seine Mitschüler unter Einhaltung der Hygienevorschriften wieder zum Präsenzunterricht in die Lukas-Schule. Gemeinsam arbeiten sie auf ihr großes Ziel zu: das Abitur 2022. Was Paul, der die Leistungskurse Chemie, Biologie und Politik belegt, nach dem Erwerb der allgemeinen Hochschulreife machen möchte, weiß er noch nicht genau. Auf jeden Fall will er studieren. Auf das eigenständige Lernen hat er zumindest schon einmal einen Vorgeschmack erhalten.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+