Hort in Neubruchhausen Hort bald nicht mehr kostenlos

Der Hort an der Grundschule Neubruchhausen soll ab dem 1. Februar 2023 kostenpflichtig werden. Grund dafür ist die zum kommenden Schuljahr startende Ganztagsbetreuung der Schule selbst.
22.06.2022, 16:54
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Hort bald nicht mehr kostenlos
Von Micha Bustian

Bassum. Tagesordnungspunkt fünf: Fragestunde für die Einwohnerinnen und Einwohner. Normalerweise stehen dann gestandene Erwachsene auf und bringen sich ein. Nicht so am Dienstagabend beim Bassumer Ausschuss für Soziales und Familie im Gebäude des Nordwestdeutschen Schützenbundes. Da erhob sich Tarek Nedjari. Der Erstklässler wollte wissen: "Warum muss ich raus aus dem Hort?" Er spricht vom Hort an der Grundschule Neubruchhausen.

Das ist die Faktenlage

Das Hortangebot an der Grundschule Neubruchhausen ist seit dem 1. Oktober 2020 kostenfrei. Ziel war laut Julia Niemann von der Bassumer Stadtverwaltung eine kostenlose Ganztagsbetreuung, da die Schule für einen Ganztag nicht groß genug war. Der kostenfreie Hort sollte den Schulstandort Neubruchhausen stärken.

Was sich jetzt ändern soll

Ab dem 1. Februar 2023 soll für den Hort eine Gebührenpflicht eingeführt werden. Das wird so vorgeschlagen, weil die Grundschule Neubruchhausen ab Beginn des kommenden Schuljahrs selbst ein Ganztagsangebot macht. Das wiederum fußt darauf, dass ab 2026 eine Ganztagsbetreuung an den Grundschulen verpflichtend wird. Die Gebührenpflicht wird erst mit einem halben Jahr Verzögerung eingeführt, damit die Umstellung zur Ganztagsschule reibungslos verlaufen kann. 

Wie die Hortplätze vergeben werden

"Nicht alle Stammkinder haben einen Hortplatz für das kommende Schuljahr erhalten", stellt Julia Niemann fest, dass es "keine Bevorteilung" aus einer Gewöhnung heraus gegeben habe. 24 Anmeldungen habe es für den Hort gegeben, die Plätze seien nach diversen Kriterien vergeben worden, für die es eine unterschiedliche Anzahl an Punkten gab. Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Hortplatz, ließ Niemann wissen.

Was die Politik dazu sagt

"Eltern und Lehrer sind darüber nicht so erbaut", erklärte Neubruchhausens Ortsvorsteher Werner Wisloh. Sein Vorschlag war, das Hortangebot das komplette kommende Schuljahr kostenfrei zu halten, "weil doch vieles teurer geworden ist". Die Stadt Bassum würde das zusätzliche 25.000 Euro kosten. Aus Wislohs Vorschlag wurde ein Antrag, der allerdings mehrheitlich abgelehnt wurde. Den Grund dafür nannte Henning Meyer (CDU): "Es geht nicht, dass jeder das komplette Paket bekommt." Er hielt die von der Verwaltung vorgeschlagene stufenweise Erhöhung für richtig. 

Eike Sellmer (Die Grünen) hatte sogar einen weiteren Einwand, einen sozialen. Denn der Hort in Neubruchhausen sei bisher nur kostenfrei gewesen, weil es kein schulisches Ganztagsangebot gegeben habe. In Bassum beispielsweise würden die Eltern von Hortkindern schon längere Zeit dafür bezahlen. Das sei ja auch ungerecht.

Einen kleinen Hinweis am Rande hatte Sellmer dann auch noch. Für den Ganztag ab Beginn des kommenden Schuljahres sei eine zusätzliche 15-Stunden-Stelle genehmigt worden. "Wir sollten uns für den Fall eines Ausfalls rechtzeitig vorher um eine Vertretung kümmern", meinte die Grüne. "Sonst müssen wir eventuell Kinder nach Hause schicken." Das aktuelle Kollegium könne die Vertretung nicht leisten.

Wie die Ferienbetreuung geleistet wird

Der Hort nahm bisher auch Kinder in den Ferien auf. Das ist vorbei. Ein betroffener Vater fragte nach: "Ist die Ferienbetreuung obsolet? Wenn nicht: Wie sieht sie aus?" Auch hier hatte Julia Niemann eine Antwort: "Drei Kinder fallen jetzt aus der Hortbetreuung heraus, alle drei werden über die Ferien betreut." Ansonsten gebe es jedes Jahr eine von der Stadt angebotene Ferienbetreuung: zwei Wochen in den Sommerferien sowie je eine Woche in den Oster- und Herbstferien.

Die aus den Änderungen hervorgehenden Unannehmlichkeiten für Eltern und Kinder nannte Niemann "unglücklich, weil die Änderungen so kurzfristig kamen". Letztlich stimmte das Gremium der Gebührenerhebung für den Hort ab dem 1. Februar kommenden Jahres bei zwei Enthaltungen zu.

Zur Sache

Kinderbetreuung und Vereinsförderung

In Bassum gibt es die "Regionale Vereinbarung für die Betreuung, Erziehung, Bildung und Förderung von Kindern in Kindertagesstätten in Bassum". Dadurch werden wichtige Grundsätze für die gemeinsame Förderung von Kindern mit und ohne Behinderung festgelegt. 1994 wurde diese Vereinbarung erstellt, vier Jahre darauf aktualisiert. "Seither nicht mehr", sagte Julia Niemann von der Bassumer Stadtverwaltung während der Sitzung des Ausschusses für Familie und Soziales am Dienstagabend. "Es wird Zeit." Grund seien unter anderem Änderungen bei den Vorgaben, beim Angebot und bei den Ansprechpartnern. Das Gremium stimmte komplett dafür.

Auch die Vereinsförderung wurde ohne Gegenstimme verlängert. 42.000 Euro werden jährlich dafür festgeschrieben, diese Summe wird sich in den kommenden drei Jahren auch nicht ändern. Erster Stadtrat Karsten Bödeker nannte diese Summe "absolut berechtigt". Dem stimmte Michael Gillner (CDU) zu. Mehr noch. Er fragte: "Ist perspektivisch eine Erhöhung angedacht?" Die Antwort gab Heinz Mohrmann. "Das ist schwer zu beantworten", so der Vorsitzende des Bassumer Stadtsportrings. "Wir haben zwei Corona-Jahre hinter uns. Deshalb herrscht bei den Vereinen Unsicherheit. Es gibt viele Fragen."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+