Internationaler Frauentag "Nicht neu, aber aktuell"

Sieben Monate und fünf Tage liegen hinter dem internationalen Frauentag, wenn in Bassum am 13. Oktober ein Film aus diesem Anlass gezeigt wird. Die Story ist "nicht neu, aber aktuell", findet Christine Gaumann.
11.10.2021, 16:38
Lesedauer: 3 Min
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Von Micha Bustian / abu

Bassum. Es hat gedauert. Sieben Monate und fünf Tage liegen zwischen dem internationalen Frauentag am 8. März und der dazu passenden Aktion am Mittwoch, 13. Oktober. In dieser Zeitspanne spielte das Coronavirus sein Spielchen mit der Menschheit. Deshalb kann die Stadt Bassum erst jetzt das tun, was sie eigentlich am 8. März – ein Montag übrigens – schon tun wollte: einen Film vorführen. Der Name darf an dieser Stelle nicht genannt werden, weil das außerhalb gewerblicher Vorstellungen nicht erlaubt ist.

Deshalb an dieser Stelle eine Beschreibung, die Bassums Gleichstellungsbeauftragte Christine Gaumann bei einer Pressekonferenz im örtlichen Rathaus lieferte. Ihr zufolge geht es um drei afroamerikanische Frauen in den 1960er-Jahren. Sie arbeiten allesamt als Mathematikerinnen für die US-amerikanische Weltraumbehörde Nasa, fahren gemeinsam zur Arbeit, verstehen ihr Metier. Es ist die Zeit, in der das Apollo-Programm entwickelt wird, bemannte Raumflüge kurz bevorstehen. Die drei dunkelhäutigen Damen teilen die Probleme (nicht nur) ihrer Zeit, die sie aber in unterschiedlichen Bereichen treffen.

Da ist Dorothy, die Supervisorin, die ihre Frauentruppe bei den Berechnungen betreut. Sie sieht die Gefahr, dass ihre Frauen-Crew wegrationalisiert werden könnte und stiehlt ein Buch aus der Bibliothek, um eine Computersprache zu lernen. Sie bewirbt sich auf eine höhere Stelle, stellt dabei aber eine Bedingung: Alle ihre Mitarbeiterinnen sollen sie begleiten. Für Mary, die an der Entwicklung der Raumkapsel beteiligt ist, wäre eine Zusatzausbildung wichtig, um die Karriere voranzutreiben. Nur: In Virginia gibt es keine Universität, die sie als dunkelhäutige Frau annehmen würde. Sie zieht deshalb vor Gericht. Dritte im Bunde ist Catherine. Sie hat an vielen Fronten zu kämpfen. Ihr wird eine hohe tägliche Abwesenheitsquote vorgehalten. Das Geheimnis dahinter: An ihrem Institut gibt es keine Toilette für "People Of Colour", sie muss immer drei Blocks weit laufen bis zum nächsten Klo. Darüber hinaus verhindern ihre Kollegen einen vernünftigen Datenfluss, und durch ihre niedrige Sicherheitsstufe kann sie nicht an allen relevanten Besprechungen teilnehmen. Das Sahnehäubchen: Es gibt nur Kaffeekannen für Weiße.

"Nicht ganz neu, aber sehr aktuell", findet Christine Gaumann den 2017 in Deutschland erschienenen Streifen, den die Gleichstellungsbeauftragte in Kooperation mit den Landfrauen zeigt. "Er hat auch einige Preise abgesahnt." Für den Oscar wurde das Werk als bester Film und als bestes Drehbuch nominiert, Octavia Spencer wurde zudem als beste Nebendarstellerin in Betracht gezogen. 

Die Aktualität zieht Christine Gaumann aus der heutigen Lage von Frauen in den sogenannten Mint-Berufen – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. "Viele wissen gar nicht, was es für Mint-Berufe gibt", ärgert sich die Gleichstellungsbeauftragte. Dabei sei diese Begabung "absolut gefragt und gut bezahlt". Allerdings für Frauen auch wieder schlechter als für Männer. Gender Pay Gap nennt sich das auf Englisch.

Für den Film, dessen Namen wir an dieser Stelle nicht nennen dürfen, ist der Preis für alle gleich. Kein Cent für Frauen, kein Cent für Männer. Eine Anmeldung für die beiden Vorstellungen um 15 und um 19 Uhr auf der Kulturbühne in der Grundschule an der Mittelstraße ist allerdings erwünscht. Christine Gaumann nimmt sie entgegen – entweder telefonisch unter 04241/8461 oder per E-Mail an gaumann@stadt.bassum.de. Es gelten die 2G-Regeln. Wer diese einhalten kann, kann auch spontan vorbeikommen.

Zur Sache

Frauen in Mint-Berufen

Mehrere Studien zu Frauen in den Mint-Berufen hat sich Bassums Gleichstellungsbeauftragte Christine Gaumann laut eigenen Angaben durchgelesen. Die Ergebnisse bringen sie zumindest ein bisschen auf die Palme. Mathematikerinnen, Ingenieurinnen, Biologinnen oder Informatikerinnen würden sich häufig nicht im Mint-Bereich verorten. Bei Personalausscheidungen fehle oft der weibliche Blick, "die werden häufig nach Algorhythmen gefällt".

Schon beim Girls Day würden viele Mädchen glauben, Mint sei nur Mathe und Physik. "Aber man muss in jedem Beruf auch mit Menschen umgehen. Man sitzt doch nicht nur im stillen Kämmerchen und macht seine Berechnungen. Die Chancen, einen solchen Job zu ergreifen sind da, aber die Frauen kommen nicht." Die Gründe dafür seien vielfältig. Viele würden sich Fragen, was die Familie und das Umfeld zu einem Mint-Beruf sagen würde. "Die machen dann genau das, was ihnen die Eltern empfehlen."

Ein weiteres Problem: An vielen Schulen gilt noch die Meinung, dass Mathe eher etwas für Jungen sei. "Dabei sind viele Mädchen genau so gut in Mathematik, haben aber auch in anderen Fächern gute Noten und wählen dann eben diese anderen Fächer." Das sei schade, "sie vergeben eine Chance". Die Chance, Vorbild für weitere junge Damen zu werden. "Davon gibt es zu wenige."

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