"Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen" Die Botschaft zählt

Normalerweise werden am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, 25. November, Fahnen gehisst und Vorträge gehalten. Die Stadt Bassum setzt wegen der Corona-Pandemie auf Stop-Motion-Filme auf ihrer Website.
12.11.2021, 15:37
Lesedauer: 3 Min
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Von Micha Bustian / abu

Bassum. "Ist das normal oder ist das Gewalt?" Diese Frage wird oftmals gar nicht gestellt. Das stört Christian Porsch. Manchmal sei der Übergang schwer zu erkennen, das weiß auch Bassums Bürgermeister. Vor allem, wenn Gewalt nicht körperlich sei, sondern psychisch ausgeübt werde. Oder innerhalb von Familien durch Schweigen gedeckt werde. "Das ist für mich die allerschlimmste Art der Gewalt", findet der Rathaus-Chef. Und deswegen unterstützt er ausdrücklich, dass die Stadtverwaltung trotz Corona auch in diesem Jahr am "internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen" aktiv wird.

Der heißt eigentlich "internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen" und ist auf den 25. November datiert. Jahr für Jahr. Auch im 21. Jahrhundert noch. Die Notwendigkeit, darauf hinzuweisen, ergibt sich aus Zahlen. Das Internet-Lexikon Wikipedia zitiert von der Bundesregierung in Auftrag gegebene Studien, nach denen im Jahr 2018 in Deutschland mehr als 114.000 Frauen Opfer von Gewalt wurden. Jeden Tag gab es einen Tötungsversuch, jede Stunde wurde bundesweit eine Frau zum Opfer einer gefährlichen Körperverletzung.

Doch es gibt ja auch Gewalt anderer Natur, die sich durch Platzwunden oder blaue Flecken zeigt. Cybermobbing beispielsweise, Whatsapp-Stress oder Catcalling. Zur Erklärung: Cybermobbing beinhaltet verschiedene Formen der Verleumdung, Belästigung, Bedrängung und Nötigung anderer Menschen über das Internet, Whatsapp-Stress ist eine negative Begleiterscheinung, die durch das ständige Kommunizieren für einen selbst und seine Mitmenschen entstehen kann, und Catcalling ist die amerikanische Übersetzung für sexuell anzügliches Rufen, Reden oder Pfeifen in der Öffentlichkeit, gewöhnlich durch Männer gegenüber Frauen. Um die anfängliche Frage noch einmal zu wiederholen: "Ist das normal oder ist das Gewalt?" Anderes Beispiel von Christian Porsch: "Hat jemand das Recht, mich finanziell zu kontrollieren?"

Bisher hat es am "internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen" in Bassum immer unterschiedliche Aktionen gegeben. Es wurde im wahrsten Sinne des Wortes Flagge gezeigt, Bäckereitüten wurden mit Slogans wie "Gewalt kommt nicht in die Tüte" bedruckt, Vorträge gehalten und gehört. Größere Menschenmengen sind aufgrund der Corona-Zahlen zurzeit allerdings nicht zu empfehlen, also suchte frau nach einer andern Lösung. Das Ergebnis: Stop-Motion-Filme. Die Ideengeberin: Mara Schierenbeck, die einst ein Freiwilliges Soziales Jahr in Bassum bei der Stadtverwaltung der Lindenstadt absolvierte. Der erste dieser Filme, das hat die Gleichstellungsbeauftragte Christine Gaumann jetzt bestätigt, wird an diesem Sonnabend hochgeladen, ist dann auf der Internetseite www.bassum.de zu sehen. Bis zum 25. November sollen alle Streifen online zu sehen sein. 

Wobei Streifen eigentlich übertrieben ist. Streifchen passt besser. Einfach gezeichnete Figuren, eine Frau und ein Mann, demonstrieren Gewaltsituationen wie oben bereits aufgelistet, dazu beispielsweise häusliche Gewalt. Maximal zwei Minuten dauert jedes dieser Stummfilmchen. Texte und Informationsmaterial hat Christine Gaumann geschrieben. Sie flattern von oben oder von der Seite ins Bild. "Wir haben dabei keinen Anspruch auf Professionalität", erklärt Henrike Gerling-Jacobs. Womit sie wohl nur die Idee meint, denn: "Wir haben Beratungsstellen und Mediengestalter zur Hilfe gezogen."

Auch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend setze in diesem Jahr auf Filme. Wie auch immer auf den "internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen" hingewiesen werde – "die Botschaft zählt", findet Christian Porsch. Ab dem 25. November wird sie auf www.bassum.de zu sehen sein. Dann flattert auch wieder die Fahne auf dem Rathausvorplatz.

Zur Sache

Es begann in der Dominikanischen Republik

Der 25. November ist jährlicher Gedenk- und Aktionstag zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt jeder Form gegenüber Frauen und Mädchen. Seit 1981 organisieren Menschenrechtsorganisationen wie Terre des Femmes Veranstaltungen, bei denen die Einhaltung der Menschenrechte gegenüber Frauen und Mädchen thematisiert wird. Ziel ist die allgemeine Stärkung von Frauenrechten.

Hintergrund für die Initialzündung für den Aktionstag war laut Internet-Lexikon Wikipedia der Fall Mirabal. Die Schwestern Mirabal wurden 1960 nach mehreren Verhaftungen in der Dominikanischen Republik durch die vom Diktator Rafael Trujillo befehligte Armee verschleppt und schließlich ermordet. Das Verbrechen, das sie begangen hatten: Sie waren Mitglieder der „Movimiento Revolucionario 14 de Junio“. 1981 riefen lateinamerikanische und karibische Feministinnen den 25. November zum Gedenktag der Opfer von Gewalt an Frauen aus. Erst 1999 wurde dieses Thema offiziell durch die Vereinten Nationen aufgegriffen.

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