Fußball

SV Heiligenfelde: Geimeinsam am stärksten

Als Kinder lieferten sich Katharina und Viktoria Meyer auf dem Flur und im Garten hitzige Duelle mit ihrem älteren Bruder Oliver. Jetzt stehen die Zwillinge gemeinsam für den SV Heiligenfelde auf dem Platz.
06.08.2020, 14:08
Lesedauer: 4 Min
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Von Thorin Mentrup
SV Heiligenfelde: Geimeinsam am stärksten

Die Zwillinge Viktoria (l.) und Katharina Meyer stehen inzwischen gemeinsam für den SV Heiligenfelde auf dem Platz.

Thorin Mentrup

Oben auf dem Flur, aber auch unten im Garten entwickelten sich im Hause Meyer in Bassum stets besonders hitzige Duelle. Auf der einen Seite standen Viktoria und Katharina, die Zwillinge, auf der anderen Seite Oliver, der große Bruder. Und im Mittelpunkt: der Ball. Alle drei kickten als Kinder bereits voller Leidenschaft. Das hat sich bis heute, längst sind aus den Kindern Erwachsene geworden, nicht geändert. Und während es den 31-jährigen Oliver nach Hamburg verschlagen hat, sind Viktoria und Katharina, beide 24, weiter in der Region am Ball. Seit Saisonbeginn laufen sie gemeinsam für den SV Heiligenfelde auf.

Die Geschwister-Duelle haben Katharina und Viktoria Meyer noch vor Augen. „Das waren immer heiße Kämpfe“, sagt Viktoria und lacht. Sie und ihre Schwester mussten sich gewaltig anstrengen, um dem Bruder den Ball abzuluchsen. „Aber es hat Spaß gemacht“, verrät Katharina über die intensiven, aber freundschaftlichen Duelle, die am Anfang der Laufbahn der Zwillinge stehen. Sie nahmen sich ein Beispiel an Oliver, mit dem sie das Passspiel ebenso übten wie die Ballannahme. Als sie mit neun Jahren damit begannen, beim TSV Bassum dem runden Leder hinterherzujagen, waren die Grundlagen bereits gelegt.

Katharina und Viktoria versuchten sich auch im Handball. Aber mit dem Fußball konnte der Sport für beide auf lange Sicht nicht mithalten. Außerdem zeigten die Zwillinge durchaus Talent. Sie wussten sich auch gegen Jungs zu behaupten – den Duellen mit Oliver sei Dank. Darüber hinaus entwickelten beide ein sehr gutes Gespür dafür, was die andere vorhat. Sie haben tatsächlich diese spezielle Verbindung, die insbesondere Zwillingen immer wieder nachgesagt wird. „Ich konnte früher schon immer einen langen Ball zu Katha spielen. Ich wusste ja, dass sie ihn annehmen wird“, erzählt Viktoria. Die weiß nämlich ganz genau, wo das Spielgerät landen wird: „Wenn Vicky ruft, dass ich in den freien Raum starten soll, kommt der Ball auch an. Wir wissen beide, was der andere macht.“ Auf dem Platz kann es aber durchaus auch mal laut werden zwischen den Schwestern. „Das gehört dazu, ist nach dem Spiel aber auch sofort wieder vergessen. Man weiß ja, von wem es kommt und wie es gemeint ist. Und manchmal hilft es ja auch, wenn dir jemand sagt, was zu tun ist“, sagt Katharina. Lange böse sein können sich die Zwillinge nicht.

Die Zeit auf dem Platz genießen

Schon deshalb nicht, weil sie die gemeinsame Zeit auf dem Feld genießen. Der Fußball ist eine zusätzliche Verbindung zwischen Viktoria und Katharina. Jeden Tag sehen können sie sich nicht. Beide sind schließlich berufstätig, Viktoria wohnt zudem in Wedehorn, während Katharina eine Bleibe in Bremen gefunden hat. „Durch den Fußball wissen wir, dass wir uns zwei- bis dreimal in der Woche sehen. Das ist ein schönes Gefühl“, sagt Viktoria.

Auf dieses Gefühl musste sie eine Saison lang verzichten. In der vergangenen Saison trug sie bereits das Heiligenfelder Trikot, während ihre Schwester noch für den TSV Bassum auflief. Katharina hatte sich vor zwei Jahren das Kreuzband gerissen, verpasste fast die komplette Saison. Mit kaum Spielpraxis wollte sie den Sprung in die Bezirksliga allerdings noch nicht wagen. „Ich wollte erst einmal wieder reinkommen und schauen, wie es sich entwickelt“, erklärt sie. Katharina schuftete hart für ihr Comeback. Aufzuhören stand für sie nicht zur Debatte, erst recht nicht mehr, als sie spürte: Es geht noch. „Man muss einmal drauffallen, um zu merken: Es hält“, erinnert sie sich an die ersten Zweikämpfe nach der Verletzung zurück.

Mittlerweile ist die Leidenszeit längst vergessen. Für den TSV Bassum in der 1. Kreisklasse spielte Katharina bis zum Corona-Abbruch eine gute Saison mit sieben Treffern – zwei davon gegen die zweite Mannschaft des SV Heiligenfelde. Die Situation war dennoch komisch für sie und Viktoria. Sie standen nicht mehr gemeinsam auf dem Platz, konnten zudem kaum einmal die Partien der anderen verfolgen. „Es passte zeitlich fast nie“, erinnert sich Viktoria. Ihren Weg waren die Meyer-Zwillinge zuvor gemeinsam gegangen, auch fünf Jahre lang beim SC AS Hachetal, mit dem sie im Bezirk spielten und im Jahr 2016 den Kreispokal im dramatischen Elfmeterschießen gegen den TuS Sulingen gewannen. Beide verwandelten vom Punkt.

Doch im vergangenen Jahr war die Meyer-Meyer-Achse gesprengt. Viktoria gewann in der Heiligenfelder Defensive zwar weiterhin ihre Zweikämpfe, spielte ihre Kopfballstärke aus und eröffnete mit klugen Pässen das Spiel – allerdings nicht auf Katharina. Die brachte im offensiven Mittelfeld ihre Stärken, das Gefühl für die Räume, den Pass in die Tiefe und die Schlitzohrigkeit, auch mal einen Freistoß zu ziehen, ein paar Kilometer entfernt in Bassum ein. „Klar habe ich mir gewünscht, dass Katha auch nach Heiligenfelde kommt“, lockte Viktoria ihre Schwester einige Male. Letztlich mit Erfolg, obwohl sich Katharina auch mal beim ATS Buntentor umschaute. Beim SVH, bei dem die Vorbereitung mittlerweile begonnen hat, wollen beide wieder ein gemeinsames Erfolgskapitel schreiben. Sie können wieder voneinander profitieren. So wie zuvor, als Viktoria den öffnenden Pass auf Katharina spielte oder als Katharina die Freistöße herausholte, die Viktoria dann verwandelte.

Verbandspokal und Ligaspitze

Fest steht schon jetzt: Es wird ein besonderes Jahr für die Meyers und Heiligenfelde werden. Der SVH steht zum ersten Mal im Verbandspokal. „Das wird richtig cool“, freut sich Viktoria bereits auf – mindestens – ein Heimspiel gegen einen echten Topklub. „Eine Runde weiterkommen – das wäre es“, sagt sie selbstbewusst. Und in der Liga? „Wenn wir um den Aufstieg mitspielen, wäre das schon nicht schlecht“, ergänzt sie. Sie hat sich bereits etabliert in Heiligenfelde, stand in neun der zehn Punktspiele im Vorjahr auf dem Feld.

Katharina dagegen muss sich ihren Platz erst noch erarbeiten. „Genau das ist mein Ziel“, sagt sie. Verstecken wird und muss sie sich nicht. Sie weiß, was sie kann. Und ihre Schwester weiß das auch. „Zu zweit ist man noch stärker“, merkt Katharina. Und für Zwillinge gilt das erst recht.

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