Klassische Philharmonie Nordwest Erstes Highlight des Bassumer Advents

Die Klassische Philharmonie Nordwest tritt am 28. November in der Stiftskirche auf. Das Konzert zum 25-jährigen Bestehen ist zugleich das erste Highlight des Bassumer Advents.
22.11.2021, 13:42
Lesedauer: 4 Min
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Von Micha Bustian / abu

Bassum. Die Klassische Philharmonie Nordwest kehrt zurück zu ihren Wurzeln. 25 Jahre nach seiner Gründung tingelt das Orchester durch den Landkreis Diepholz. Im Gut Varrel in Stuhr wurde gefeiert, das Konzert in Bruchhausen-Vilsen musste jedoch aufgrund zu wenig verkaufter Eintrittskarten abgesagt werden. Jetzt steht Bassum auf dem Terminkalender. Am Sonntag, 28. November, eröffnen die Musiker um Dirigent Ulrich Semrau den Bassumer Advent. Das Konzert beginnt um 19 Uhr in der Stiftskirche.

Als "durchaus respektablen Zeitabschnitt" bewertet Ulrich Semrau die 25 Jahre, die die Klassische Philharmonie Nordwest inzwischen existiert. Mit 15 Musikern startete das Projekt im Jahre 1996, ein ambitioniertes Laien-Orchester sollte entstehen. „So etwas fehlte damals hier in der Region“, erklärt Semrau den Grundgedanken dahinter. Das 15-köpfige Ensemble wuchs heran zu einem großen Orchester mit rund 50 Musikern, von denen heutzutage auch ein Großteil Profis und nicht mehr Laien ist. „Das hat sich einfach so entwickelt.“

Was wird denn nun serviert zum Silber-Jubiläum? "Zwei der beliebtesten Werke der Konzertliteratur", antwortet Ulrich Semrau. Zuerst Edward Elgars Violoncellokonzert e-moll op. 85 aus dem Jahre 1916. Das entstand, so Ulrich Semrau, unter dem Eindruck des Ersten Weltkrieges. Das soll den britischen Komponisten "in eine tiefe Schaffenskrise gestürzt" haben, aus der er sich über das Cellokonzert befreite. Es sei ein "zerrissenes Werk", findet Semrau, aber "es sprudelt nur so vor Musikalität". Und ist mit vier Sätzen "sehr umfangreich".

Sowohl vom Orchester als auch vom Solisten erfordert Edward Elgars Werk Virtuosität. Für das Cello hat die Klassische Philharmonie Nordwest Johannes Krebs verpflichtet. Er war erster Solo-Cellist bei den Bremer Philharmonikern und lehrt jetzt als Professor in Graz. "Uns verbindet eine langjährige Freundschaft", erzählt Ulrich Semrau. Viele Konzerte habe man gemeinsam gegeben, viele Tonträger aufgenommen. Nun gehe man trotz Corona gemeinsam auf Tournee. 

Das zweite Werk, dem sich die Klassische Philharmonie Nordwest für das Jubiläum angenommen hat, "ist gewaltig", sagt Ulrich Semrau. Es ist Franz Schuberts Sinfonie Nr. 8 in C-Dur. "Das kam ursprünglich nicht so gut an", weiß der Orchesterleiter zu berichten. Die Überlänge habe es in damaligen Zeiten unbeliebt gemacht. Erst 1839 sei es von Felix Mendelssohn-Bartholdy uraufgeführt worden. Inzwischen sei es trotz seiner 50 Minuten Länge sehr beliebt. "Alle vier Sätze sind ausufernd, bestechen aber durch einen großen Melodienreichtum."

Nun sind diese Werke ja bereits im Gut Varrel aufgeführt worden. Passen sie denn auch in die Bassumer Stiftskirche? Tatsächlich gibt Ulrich Semrau zu, dass die Akustik in einer Kirche anders sei, halliger. "Darauf müssen wir aufpassen, alles etwas langsamer spielen." Damit sich der Ton entwickeln kann, der bei mehr Tempo verschwimmen würde. Dabei sei die Stiftskirche noch harmlos mit ihren drei bis vier Sekunden Nachhall. In der St.-Anna-Kirche in Twistringen würden die Töne neun Sekunden nachhallen, im Bremer Dom gar zehn Sekunden.

"Generell achte ich aber darauf, dass die Werke auch in eine Kirche passen", erklärt Ulrich Semrau. Eine Kirche sei immer etwas Besonderes, es herrsche immer eine gewisse Ehrfurcht. Es sei eine andere Atmosphäre, gerade mit einer großen Besetzung. Und in der Stiftskirche spielt die Klassische Philharmonie fast in Vollbesetzung, mit 44 bis 46 Musikern.

"Das letzte Konzert der Klassischen Philharmonie Nordwest ist schon etwas länger her", erinnert sich Knut Laemmerhirt, Vorsitzender des Kirchenvorstandes der evangelisch-lutherischen Gemeinde Bassum. Für ihn ist das Konzert "das erste Highlight des Bassumer Advents", der zwei Stunden vorher auf dem Stiftshügel eröffnet wird. Zutritt mit freier Platzwahl zu diesem musikalischen Leckerbissen erhalten übrigens nur Geimpfte und Genesene. Und auch die benötigen eine Eintrittskarte. Die wiederum gibt es für 22 Euro im Bremer Pressehaus und allen regionalen Geschäftsstellen des WESER-KURIER, also auch beim Syker Kurier, Hauptstraße 10 in Syke.

Zur Sache

Bassumer Advent - das Rahmenprogramm

Buden gibt es keine beim Bassumer Advent. Aber es wird Musik aus den Bäumen heraus schallen. Und auch für eine festliche Beleuchtung des Stiftshügels ist gesorgt. Drumherum reihen sich einige Rahmenveranstaltungen. Ein Überblick.

28. November: Familiengottesdienst "Licht im Advent mit Kindern des Rentei-Kindergartens und Pastorin Ines-Maria Kuschmann in der Stiftskirche (16 Uhr), Eröffnung des Bassumer Advents mit Bürgermeister Christian Porsch auf dem Stiftshügel (17 Uhr), Konzert der Klassischen Philharmonie Nordwest in der Stiftskirche (19 Uhr).

2. Dezember: Meditation (18.30 bis 19 Uhr in der Stiftskirche).

5. Dezember: Mitmachkonzert mit Matt und Basti, dazu Lichtershow und Nikolausaktion (15.30 Uhr).

9. Dezember: Adventslieder singen mit Kantor Ralf Wosch (18.30 bis 19 Uhr in der Stiftskirche).

12. Dezember: Musikalischer Klangzauber mit Werken aus Barock und Romantik mit Frauke Brandt an der Orgel, dem Frauen-Chor der Bassumer Kantorei und den Rainbow Gospel Singers in der Stiftskirche (17 Uhr).

16. Dezember: Meditative Andacht zum Thema "Hoffnungslichter" (18.30 bis 19 Uhr in der Stiftskirche).

24. Dezember: Kinderweihnacht in der Stiftskirche (11 Uhr), Christvesper mit musikalischem Krippenspiel in der Stiftskirche (14 Uhr), Christvesper auf dem Stiftshügel (15.30, 17 und 18.30 Uhr), Christnacht (23 Uhr).

Täglich: Kapelle der Stille am Westeingang der Stiftskirche (9 bis 17 Uhr).

Immer sonnabends: Offene Kirche (15 bis 18 Uhr).

Immer sonntags: Offene Kirche (15 bis 18 Uhr).

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