Klimaschutz-Aktionsprogramm "Die Priorität ist hoch"

Twistringen und Bassum setzen bei der Aktualisierung des Klimaschutz-Aktionsprogramms auf Ideen der Bürger und der Unternehmen. Am 8. Dezember sollen Vorschläge online gesammelt werden. Jeder darf mitmachen.
05.12.2021, 14:02
Lesedauer: 3 Min
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Von Micha Bustian

Bassum/Twistringen. Es war im Jahre 2015, als die Städte Bassum und Twistringen ein gemeinsames Klimaschutz-Aktionsprogramm aufgesetzt haben. Damals noch unter der Leitung der Bürgermeister Wilhelm Bäker und Karl Meyer. Fast sieben Jahre ist das her, jetzt heißen die Verwaltungs-Chefs Christian Porsch und Jens Bley. Am Klimaschutz-Aktionsprogramm hat sich in dieser Zeit nichts geändert. Das wollen die beiden Städte jetzt in Angriff nehmen.

Der Klimawandel ist seit dem Hitzesommer 2018 immer offensichtlicher geworden, gipfelnd in der Flut im Ahrtal im Juli. Änderungen des 112 Seiten dicken Maßnahmenbandes zum Klimaschutzkonzept der Städte Bassum und Twistringen scheinen zwingend notwendig. Erstellt hat das Werk die Klimaschutzagentur Region Hannover im Auftrag der beiden Städte. An der Aktualisierung indes sollen auch heimische Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürger der Kommunen Bassum und Twistringen beteiligt werden. Während die Experten aus der Verwaltung ausarbeiten, was bisher an Projekten umgesetzt wurde und welche Aktionen ein Upgrade benötigen, sollen Firmen und Privatmenschen Ideen einbringen.

Die Stadt Bassum beispielsweise arbeitet an einem Energiebericht. Bis Ende 2022 soll laut Christian Porsch feststehen: "Was verbrauchen unsere Liegenschaften?" Darüber hinaus sollen erneuerbare Energien ausgebaut werden. Dafür soll eine Handlungsableitung erarbeitet werden, aus der dann Maßnahmen entwickelt werden sollen. In Twistringen will Jens Bley "den klimatischen Veränderungen gerecht werden, partnerschaftlich, kooperativ und zielführend". Dabei  will er auch auf "neue technische Möglichkeiten" setzen. Beide Kommunen wollen für die Umsetzung einen Klimaschutzmanager einsetzen. Für jede Stadt einen, "das Thema ist zu wichtig". Maßnahmen sollten aber gemeinsam umgesetzt werden.

Von der Befragung von Unternehmen und Bürgern, die für Mittwoch, 8. Dezember, geplant ist, versprechen sich die Veranstalter neue Impulse. "Klimaschutz ist kein Teufelswerk", stellt Christian Porsch fest. "Es ist eine Notwendigkeit, etwas Gutes, etwas Sinnvolles." Es müsse aus den Köpfen heraus, das immer die anderen etwas machen müssten. Da hat Jens Bley ein Beispiel parat. "Jetzt, da wir energieeffiziente LED-Straßenlaternen haben, kommen die Forderungen, diverse Straßen mehr auszuleuchten." Das sei in Sachen Klimaschutz kontraproduktiv. "Wir sind ein hochentwickeltes Land und haben reichlich Emissionen in die Luft gesetzt", findet Porsch, dass es an der Zeit sei, etwas zurückzugeben.

Jens Bley findet die technische Entwicklung spannend. Sichtschalter an Straßenlaternen beispielsweise. Die würden dafür sorgen, das die Lampen nur angehen, wenn jemand an der Laterne vorbeigeht. Oder: Laterne an per Handy. Auch das sei bereits umsetzbar. Christian Porsch freut sich über die Menschen auf den Dörfern, die in Ermangelung an Licht zum Schützenfest einfach eine Taschenlampe mitnehmen. Die Stadt Bassum könnte ihre Straßenlaternen prinzipiell selber schalten. Aber: "Dafür müssten die Schaltkästen nachgerüstet werden. Das konnte bisher nicht umgesetzt werden."

Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Dächern, Sporthallen mit Pelletheizungen, "das machen wir alles schon", erklärt Christian Porsch. Auch eine Energieberatungsstelle gebe es bereits. Diese zieht im Januar um in das Seniorenservicebüro. Jens Bley gibt zu, die Stadt Twistringen "hätte gerne mehr umgesetzt". In den Bebauungsplänen werde inzwischen festgelegt, dass nicht mehr mit fossilen Brennstoffen geheizt werden soll. An Kindertagesstätten und Grundschulen werde Aufklärung geleistet. Für mehr fehle es an qualifiziertem Personal. "Dabei gibt es noch viel Arbeit zu tun", sagt Bley. Und Porsch ergänzt: "Die Priorität ist hoch."

Zur Sache

Die Chance zur Beteiligung

Jetzt sind Bevölkerung und Unternehmer gefragt. Die Städte Twistringen und Bassum wollen ihre Ideen in Sachen Klimaschutz sammeln und mit ins gemeinsame Konzept einbauen. Der dafür vorgesehene Termin ist am Mittwoch, 8. Dezember.

Die Firmen sind zwischen 15 und 17 Uhr eingeladen, sich an der Online-Versammlung zu beteiligen, werden dafür von den Kommunen angeschrieben. Bei Fragen ist in Twistringen Heike Harms (Telefon 0 42 43 / 41 31 06) zuständig, in Bassum Niklas Schumacher (0 42 41 / 84 51).

Bürger der Städte Twistringen und Bassum können sich am gleichen Tag von 18 bis 20 Uhr thematisch einbringen. Sie sind aufgefordert, sich per E-Mail (j.sprengel@klimaschutzagentur.de) oder telefonisch (05 11 / 22 00 22 71) bei Julia Sprengel von der Klimaschutzagentur Hannover anzumelden.

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