Krebsberatungsstelle Igel

Helferin in schweren Stunden

Svea Völker ist das neue Gesicht der Krebsberatungsstelle Igel in Barnstorf. Seit Juni ist sie dabei und berät auch in der Außenstelle in Bassum. Für sie ist die Arbeit sinnvoll und dankbar.
20.10.2020, 16:18
Lesedauer: 4 Min
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Helferin in schweren Stunden
Von Tobias Denne

Sie beschäftigt sich mit einem Thema, das gerne verschwiegen wird. „Es ist eine dankbare und sinnvolle Arbeit“, sagt Svea Völker. Seit Juni ist die Sozialarbeiterin bei der psychosozialen Krebsberatungsstelle Igel in Barnstorf und Bassum tätig. In der Lindenstadt gibt es seit einigen Jahren eine Außenstelle der Beratungsstelle der Interessensgemeinschaft Gesundes Leben (Igel) in der Klinik an der Marie-Hackfeld-Straße. Denn eines ist klar: Die Diagnose Krebs verändert alles. Angefangen über eine eventuell nötige Kinderbetreuung hin bis zu finanziellen Fragen. „Krebs ist nicht nur die Behandlung“, sagt Völker. Auch wenn diese erfolgreich war, kommen die Betroffenen oft noch in die Beratung.

Denn diese umfasst nicht nur die Fachberatung, sondern auch etwa die Vermittlung an Selbsthilfegruppen und Informationen zu finanziellen, beruflichen und sozialrechtlichen Fragen. Oder sie bietet einfach nur ein offenes Ohr. „Manche Klienten wollen gar keinen Rat, sondern einfach jemanden, der zuhört“, weiß Völker. Und das tut die 24-Jährige. „Wir können zur Entlastung beitragen“, sagt sie. Sicher, sie und ihr Kollege Axel Theis helfen auch bei allgemeinen Fragen rund um die Krebsdiagnose weiter. Beide wissen aber auch, wie wichtig gerade das Zuhören für Betroffene oder deren Angehörige ist.

Völker selbst wohnt in Lohne, hat in Vechta an der Universität studiert und sich schon früh mit den Auswirkungen von schweren Erkrankungen auf das Familiensystem beschäftigt. Während ihres Masterstudiums ging es dann um die „posttraumatische Reifung bei Eltern krebskranker Kinder“. „Ich mag den direkten Kontakt, daher wollte ich in die Beratung“, erzählt Völker. In ihren ersten Monaten ging es vor allem darum, sich als Team zu finden. Mit Axel Theis, dem Leiter der Krebsberatungsstelle, und Birgit Wilkening, Verwaltung, „hat es von Anfang an super funktioniert. Wir verstehen uns und ich habe mich direkt wohlgefühlt“, freut sich Svea Völker über ihre neuen Arbeitskollegen. Im kommenden Jahr steht bei ihr die berufsbegleitende Fachausbildung in der Onkologie auf dem Plan, die selbst noch ein Jahr dauert.

Die Klienten können übrigens mitentscheiden, wie die Beratung aussieht. Entweder vereinbart man einen Termin in Bassum, Syke oder Barnstorf, einen Hausbesuch oder ein Gespräch per Telefon. „Das geht auch anonym“, betont die 24-Jährige. Innerhalb von zwei Tagen erhalten die Klienten einen Rückruf mit einem Terminvorschlag in den nächsten zehn Tagen. „Wir haben keine Warteschlange“, sagt Völker.

Gerade das telefonische Angebot haben einige Klienten in ihrer ersten Zeit bei der Beratungsstelle wegen der Corona-Krise auch in Anspruch genommen – und sind dabei geblieben, weil es einfacher ist. „Es ist ein sehr interessanter Beruf. Es muss nicht immer traurig sein, wir lachen auch zusammen“, sagt die Lohnerin. Denn die Menschen sollten wieder Freude am Leben finden – trotz der Diagnose. Die Altersspanne von ihren Klienten reicht von Kindern bis zu Senioren. Oft vereinbaren auch Paare, Angehörige, Fachpersonal oder Lehrer Termine mit ihr, um um Rat zu fragen, wie man mit einer Krebsdiagnose umgehen kann. Ihr eigenes Alter und das Vorurteil, dass man für eine derartige Beratung mehr Lebenserfahrung brauche, spielen dabei aber keine Rolle. „Sie sind froh, dass jemand da ist. Und bei Kindern und Jugendlichen ist das sogar von Vorteil“, sagt Völker und schmunzelt. Ihr ist wichtig, dass möglichst viele von der Krebsberatungsstelle mit ihren Außenstellen in Bassum und Syke wissen. „Wir wollen alle erreichen“, sagt sie.

Denn die Krebsberatungsstelle soll ein niedrigschwelliges Angebot für die Menschen im Landkreis Diepholz sein. „Wir sind eine Organisation, die helfen will. Unsere Philosophie ist, dass es keine Grenzen gibt“, versichert Wilfried Heitmann vom Vorstand. Auch Menschen aus anderen Landkreisen können sich bei Igel melden und nach Terminen fragen.

Das Ziel der Igel-Krebsberatungsstelle ist, das Angebot flächendeckend auszuweiten und nicht nur in den Städten vertreten zu sein. „Wir sind Pioniere“, sagt Heitmann. Der Fachbereich müsse allerdings lebensfähig sein und dazu brauche es Fallzahlen, um gewisse Finanzierungen zu erhalten. So teilt sich die Finanzierung zu gleichen Teilen die Renten- und Krankenversicherung (40 Prozent), 15 Prozent übernehmen die Länder und fünf Prozent müssen von der Organisation selbst aufgebracht werden – etwa mithilfe von Spenden. Heitmann freut sich darüber, dass das Angebot der Beratungsstelle vom Landkreis Diepholz und der Politik angenommen und auch unterstützt wird: „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt er. Und Svea Völker betont: „Ich bin froh, dass ich hier bin.“

Dass sie sich keinen einfachen Job ausgesucht hat, ist Völker durchaus bewusst. Wichtig sei, die Fälle nicht mit nach Hause zu nehmen, sondern sich abgrenzen zu können. Man sollte auch „nicht mitleiden“, weiß die Frau aus Lohne. Wenn dennoch Gesprächsbedarf bei den Mitarbeitern aufkommt, dann werden interne Besprechungen und Supervision angeboten. Völker sagt: „Man muss lernen, damit umzugehen. Wir sind auch nur Menschen und fühlen mit.“

Info

Zur Sache

Kontaktmöglichkeiten

Weitere Informationen zur Krebsberatungsstelle in Barnstorf mit den beiden Außenstellen in Bassum (Marie-Hackfeld-Straße 6) und Syke (Herrlichkeit 2) finden Interessierte im Internet auf der Seite www.krebsberatung-igel-netzwerk.de. Die Telefonnummer, um einen kostenlosen Beratungstermin zu vereinbaren, lautet 0 54 42 / 8 02 97 47. Alternativ ist die Kontaktaufnahme auch per E-Mail an krebsberatung@igel-barnstorf.de möglich.

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