Kreisstraße 126

Wunsch nach Tempo 70

Es wird gerast auf der Kreisstraße zwischen Dimhausen und Bassum. Anlass für Jürgen Keuling, einen Antrag beim Landkreis Diepholz zu stellen. Das war vor drei Jahren. Nun wurde dieser wieder aufgenommen.
09.08.2020, 14:12
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Wunsch nach Tempo 70
Von Tobias Denne
Wunsch nach Tempo 70

Gerade in der lang gezogenen S-Kurve am Ortsausgang Dimhausen geben Motorrad- und Autofahrer gerne mal ein bisschen zu viel Gas. Und das kann gefährlich werden.

Michael Braunschädel

Bassum. Wenn Jürgen Keuling sein Grundstück verlässt, dann wird es gefährlich. „Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Motorradfahrer im Kreis fahren“, sagt er und schmunzelt. Keuling nimmt die Situation mit Galgenhumor, was nicht bedeuten soll, dass er die Verkehrssituation an der Kreisstraße 126 (Dimhausen-Bassum) nicht kritisiert. Er hat vor drei Jahren sogar mal einen Antrag beim Landkreis gestellt. Der Anwohner ist vielmehr enttäuscht darüber, dass nichts unternommen wird.

Carsten Leopold von der Bassumer CDU und selbst Anwohner hat den Vorschlag von Keuling in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses wieder aufgenommen. Er plädiert für eine durchgehende 70er-Zone und dort, wo derzeit noch 70 erlaubt ist, die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 zu reduzieren, wie etwa bei der scharfen S-Kurve beim Ortsausgang Dimhausen. Auch er spricht davon, dass sich die Wohn- und Lebensqualität verringert habe. „Anwohner und Anlieger sind der Raserei überdrüssig“, sagt er. Gerade Motorradfahrer seien bei Unfällen von schweren Verletzungen oder Schlimmerem betroffen.

Mareike Rein vom Landkreis Diepholz teilt auf Nachfrage mit, dass das mit einer Verkehrsüberwachung an der K 126 gar nicht so einfach ist: „Im Rahmen der Regelverkehrsschau konnte keine Gefahrenlage festgestellt werden, die eine Geschwindigkeitsbegrenzung erfordern würde. Anlass für darüber hinausgehende Überprüfungen hat es bisher nicht gegeben.“ Diese Schauen finden alle zwei Jahre mit Vertretern der Polizei und der Straßenbauverwaltung auf allen Bundes-, Landes- und Kreisstraßen statt. „Hinzu kommen regelmäßig anlassbezogene Verkehrsschauen an diversen Straßen“, lässt sie weiter wissen.

Das wurde auch im Zuge von Keulings Antrag unternommen. Laut Rein wird es in so einem Fall mehrere Testmessungen zu jeweils unterschiedlichen Tageszeiten geben. „Der Landkreis hat an einem Tag, an dem es geregnet hat, gemessen und keinen Bedarf festgestellt“, erinnert sich Keuling. Doch gerade bei schönem Wetter werde die Kreisstraße gut genutzt. „Wir brauchen Geschwindigkeitsmessungen. Das geht überall, nur hier nicht“, ist er enttäuscht. Grund für seine Kritik liegt auch daran, dass beim Landgasthaus Stöver-Buchholz direkt nebenan zahlreiche Menschen verweilen – mit ihnen viele Kinder. „Es ist viel Bewegung da und ein großes Risiko“, sagt Ilsemarie Schweneker. Und die beiden müssen es wissen, wohnen sie doch direkt an der Kreisstraße zwischen Dimhausen und Bassum. Beide haben bemerkt, dass bei schönem Wetter die Menschen auf dem Motorrad oder im Auto gerne mal schneller fahren. „Ich wollte über die Straße, um mit unserem Hund spazieren zu gehen und habe mich richtig erschreckt“, erinnert sich Schweneker. Ein Motorradfahrer sei so schnell gefahren, dass sie zurückgesprungen sei.

Keuling und Schweneker sind gerade in ihrem Garten. Immer wieder sind die Autos zu hören, die am Haus vorbei rasen. Was sie auch dürfen. Denn nach einer kurzen Tempo-70-Zone Richtung Bassum dürfen die Fahrer durchdrücken und 100 Kilometer pro Stunde fahren. Und das soll der Vorschlag nun wirklich verändern. Dieser sollte nach der politischen Sitzung an die zuständige Behörde in Diepholz geschickt werden.

Das wäre auch im Sinne von Markus Tiemann vom Bio-Geflügelhof Tiemann in Dimhausen. „Die Straße ist für unsere Mitarbeiter und Lieferanten schwer einzusehen“, sagt er. Vor allem bei Lastwagen sei die Situation gefährlich, da diese rangieren müssen. „Die Sicht ist einfach behindert und wenn dann jemand kommt, dann kann es knapp werden“, betont Tiemann. Er würde eine Geschwindigkeitsbegrenzung begrüßen, allein der Sicherheit wegen.

Aber, um das zu verändern, „sind entsprechende rechtliche Vorgaben zu erfüllen. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung erfordert zum Beispiel immer eine entsprechende Gefahrenlage. Dies müsste zunächst überprüft werden. Sofern keine Gefahrenlage besteht, die über das allgemeine Risiko hinaus geht, besteht keine Handlungsgrundlage“, heißt es vonseiten des Landkreises.

Während der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses beklagten sich auch andere Politiker aus den Bassumer Ortschaften über zu schnelle Freizeitfahrer. Jürgen Laschinski (Bürger-Block) aus Albringhausen kennt die Situation wie in Dimhausen auch bei sich im Ort – durch ihn verläuft die K 127. Auf Nachfrage, ob der Landkreis in Bassum und umzu bei den Kreisstraßen eine Anpassung in näherer Zukunft vornehmen wird, teilt er mit: „Aktuell sind keine Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Kreisstraßen im Bereich der Stadt Bassum geplant.“

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