Krippe Bramstedt Der perfekte Ort

Bramstedts neue Krippe im alten Feuerwehrgebäude ist nun offiziell eingeweiht worden. In Betrieb ist sie schon seit dem 16. August.
07.10.2022, 14:22
Lesedauer: 3 Min
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Der perfekte Ort
Von Micha Bustian

Bassum-Bramstedt. Da standen sie nun. Etwa 50 Menschen hatten sich in der Krippe in Bramstedt versammelt. Sie standen im Kreis, alle ein Glas alkoholfreien Sekt in der Hand. Leises Gemurmel. Geht es bald los? Ja, und zwar genau in dem Moment, in dem Andrea Hahn an den einzigen Tisch im Raum schritt und zu reden begann. Über die neue Krippe direkt am Sportplatz in Bramstedt. Über die Krippe, die am späten Donnerstagnachmittag eröffnet wurde. Es folgte am Freitag ein Tag der offenen Tür.

Bürgermeister Christian Porsch, Mitstreiter aus der Verwaltung, Aktive aus dem Förderverein, der Direktor der direkt nebenan liegenden Schule, Kolleginnen von Andrea Hahn und viele mehr waren gekommen. Nur ein Erster Stadtrat war nicht zu sehen. Karsten Bödeker hatte, so verriet Verwaltungs-Chef Porsch, „zwei Striche auf dem Corona-Test“. Und Bödekers Vorgänger Norbert Lyko, der diesen Bau bis zu seiner Pensionierung fachlich begleitet hatte, kam zu spät und musste durchs Fenster einsteigen. Was der Laune in der Krippe aber eher zugutekam.

Andrea Hahn sprach vom nunmehr dritten Umbau in sieben Jahren. 2015 sei im Dachgeschoss ein erster Gruppenraum entstanden, 2019 ein weiterer. Dann erhob sich Gerede darüber, dass Bramstedt eine Krippe benötige. „Unser Wunschobjekt dafür war die alte Feuerwehr“, erinnerte sich Hahn. Und der Wunsch wurde erhört. „Das war das Bestmögliche, was uns passieren konnte.“ 15 Kinder bevölkern seit dem 16. August die Krippe, dazu kommen 75 Kindergartenkinder.

Andrea Hahn gab das Wort weiter an Christian Porsch. Der feierte „einen der tollen Momente als Bürgermeister“ und meinte, man könne „zu Recht stolz sein“. Die Stadt Bassum habe sich Familienfreundlichkeit auf ihre Fahne geschrieben, „und dann müssen wir die soziale Struktur auch mittragen“. Im Juni 2021 habe der Bau der Krippe begonnen, etwa 900.000 Euro seien dafür investiert worden. „Auf die letzten Rechnungen warten wir noch.“ Porsch freute sich, dass der Bildungs-Campus – Krippe, Kindergarten und Grundschule auf einem Gelände – nun auch in der dritten größeren Bassumer Ortschaft fertig geworden sei. „Damit haben wir die Voraussetzungen geschaffen, Kinder zu selbstständigen Menschen zu erziehen.“

Julian Zurmühlen geriet anschließend direkt ins Schwärmen. „Dieser Ort ist eine Erleichterung für die Eltern“, meinte Bramstedts Ortsvorsteher, dessen Tochter auch in diese neue Krippe geht. „Viele sagen ja, früher war alles besser. Doch das stimmt nicht. Dies hier ist eine tolle Einrichtung, ein perfekter Ort.“

258 plus 20 Quadratmeter groß ist die neue Krippe. Das teilte Doris Schorling-Lehmkuhl mit. Am Anfang sei diese „nicht unbedingt eine wohnliche Anlage gewesen“, sondern „eher eine Garage“. Während der Planungen und Bauarbeiten seien die Verantwortlichen oft in die Knie gegangen, um die Perspektive der Kinder einzunehmen. Der Aspekt der Nachhaltigkeit sei, wo immer es möglich gewesen wäre, beachtet worden. Die Arbeiten, die während des laufenden Betriebes verrichtet worden wären, hätten zwar Staub und Krach mit sich gebracht, aber die Kinder seien auch richtig neugierig gewesen. Da die Krippenkinder nun in der „Bienen-Gruppe“ sind, überreichte Schorling-Lehmkuhl eine künstlerisch wertvolle Biene für den insektenfreundlich bepflanzten Garten. Dazu gab es anstelle von Brot und Salz nun Brot und Honig.

Von Tobias Baron gab es zudem eine Kuscheldecke mit dem Logo der Bramstedter Grundschule. Er freute sich über das „wunderschöne Gebäude“ und das Engagement der Bewohnerinnen: „Da geht mir das Herz auf.“ Er zitierte Herbert Grönemeyers Lied „Kinder an die Macht“ und lobte den Vorzeige-Umbau. „Ich hoffe, mit dem Anbau an die Grundschule läuft es ebenso gut.“

Zur Sache

Von der Krippe zur Krippe

Bei der Suche im Internet nach dem Wort Krippe gibt es zuerst einmal eins: Werbung für Weihnachtsschmuck. Aus Holz geschnitzt knien da die Heiligen Drei Könige mit Maria und Josef um das Jesuskind herum, das wiederum in einer Krippe, einem hölzernen Bettchen, liegt. Nicht von der Hand zu weisen, dass diese Krippe auch der Namensgeber für die Kinderkrippen ist. Dies wiederum sind laut Internet-Lexikon Wikipedia "Einrichtungen oder Gruppen der Kindertagesbetreuung und familienergänzende Kinderbetreuungen für Kleinkinder und Säuglinge ab einem Lebensalter von etwa einem halben Jahr". Ab drei Jahren gehen die Lütten dann in den Kindergarten.

Die erste Kinderkrippe in Europa wurde von dem französischen Juristen Firmin Marbeau initiiert und am 14. November 1844 eröffnet. 1849 folgte der Arzt Carl Helm diesem Beispiel in Wien. Die ersten Kinderbetreuungseinrichtungen in Deutschland wurden 1851 in Dresden und Hamburg gegründet. Zeitgleich entstanden zahlreiche Vereine für die Gründung von sogenannten Kleinkinderbewahranstalten. Damals sah die Mehrheit der Bevölkerung Krippen zu diesem Zeitpunkt als eine Notlösung an, die der Mutter eine Berufstätigkeit ermöglichen sollte. Ohne diese Einrichtungen wären die Knirpse in einer Pflegefamilie oder einem Säuglings- und Kinderheim gelandet. Suboptimal, auch nach damaliger Ansicht.

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