Stadtrat Bassum

Kunstrasen spaltet Rat

Eine hitzige Debatte führten die Mitglieder des Rates der Stadt Bassum am Dienstagabend im Gemeindehaus. Thema: Kunstrasen. Soll er kommen oder nicht? Das Ergebnis am Ende war denkbar knapp.
26.06.2019, 18:16
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Kunstrasen spaltet Rat
Von Tobias Denne

Bassum. „Ich habe schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich mir eine Plastiktüte für mein Obst kaufe“, sagte Helma Schöpe. Dass dann gerade in der heutigen Zeit, in der der Klimawandel in aller Munde ist und auch Jugendliche für ein Umdenken demonstrieren, ein Kunstrasenplatz in Bassum gebaut werden soll, konnte die Sozialdemokratin nicht verstehen. Besonders der CDU und den Grünen warf sie vor, ihre Hausaufgaben nicht gemacht zu haben. Ein Kunstrasenplatz würde „Gelder verschwenden“.

Mit ihrem Statement erntete Schöpe Applaus aus den Reihen der Einwohner, die zahlreich in das Evangelische Gemeindehaus gekommen waren. Sie wollten Zeuge sein, wie der Rat der Stadt Bassum in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause über den Platz diskutierte. Kein Wunder, dass das Ergebnis der Abstimmung für oder gegen einen Bau am Ende denkbar knapp ausfiel.

Gerade die Argumente der Gegner des Kunstrasenplatzes, der im Jahr 2020/2021 zwischen dem Kindergarten Kinder-Reich und dem Hallenbad gebaut werden soll, lagen vollends im Zeitgeist. „Wollen wir die Proteste ernstnehmen oder nur die Stimmen der Jugendlichen?“, fragte Helmut Zurmühlen von der CDU in die Runde. Denn seiner Meinung nach „haben wir in Bassum nicht die Not. Es geht um puren Luxus.“ In Anbetracht der Fridays-for-Future-Demonstration, die auch vor einigen Wochen in Bassum ihre Premiere gefeiert hatte, sah er den Beschluss als ein schlechtes Zeichen. „Wir sollten gemeinsam Dinge entwickeln“, forderte Zurmühlen.

Ins selbe Horn blies Hermuth Straßburg vom Bürger-Block. „Wir wollen die Arbeit der Ehrenamtlichen nicht schmälern und fürchten auch die Ausgabe nicht“, betonte er. Der Erste Stadtrat Norbert Lyko hatte zuvor kurz vorgestellt, dass sich die Kosten für die Stadt auf maximal 275 000 Euro beschränken werden. Insgesamt werden rund 735 000 Euro für den Bau fällig. Mithilfe von Förderungen werde der Rest finanziert. „Aber Kunststoff kann es einfach nicht mehr sein. Die Jugendlichen, die auf den Platz laufen, die sind die, die protestieren“, brachte Straßburg die Kontroverse auf den Punkt.

Besonders die Nachhaltigkeit hatte Lyko auch in seine Ausführungen mit aufgenommen. „Wir haben uns verschiedene Typen von Rasen angeschaut und nach bestimmten Kriterien geordnet“, erzählte er. So seien unter anderem die Nachhaltigkeit, Haltbarkeit, Pflege und die Möglichkeit zum Recyceln in die Planung mit aufgenommen worden. Der Platz soll rund 15 Jahre halten und das Material für einen anderen Kunstrasenplatz wiederverwertet werden. „Wir haben uns für eine texturierte Faser mit Sandverfüllung entschieden“, sagte er. So könne noch Wasser durchsickern und bei Regen würde natürliches Material statt Kunststoff ausgespült. „Der Hauptgrund ist die Bespielbarkeit. Und es geht nicht nur um Fußball, sondern auch andere Sportarten und Schulen können den Platz nutzen“, verdeutlichte Lyko. Eine möglichst nachhaltige Lösung also. „Wo soll die Spieldauer denn herkommen?“, fragte Christoph Lanzendörfer von der SPD. Er malte das Szenario, dass Jugendliche und Kinder bis spät abends auf dem Platz trainierten.

Dass das ein unrealistisches Bild ist, zeigte Jürgen Schäfer (Grüne): „Wir wollen uns um die Jugend kümmern. Der Platz ist in den schlechten Jahreszeiten bespielbar.“ Im Gegensatz zum Naturrasenplatz. Für die Grünen-Fraktion war es „eine schwierige Situation“, wie Rainer Hartmann deutlich machte. „Es geht um Abwägung von ökologischen, ökonomischen und sozialen Folgen. Den sozialen Nutzen muss man sehen und würdigen, gerade als familienfreundliche Stadt.“

Vor allem, weil auch ein Naturrasenplatz kein Eldorado für Insekten darstellt – wie von anderen Ratsmitgliedern vorgetragen. Der Rasen wird kurz gehalten, es wachsen keine Pflanzen. Die hitzige Diskussion machte deutlich, wie komplex das Thema Kunstrasen für die Lindenstadt ist. „Es geht um die Leistungsfähigkeit der Stadt. Und wir hatten sieben Jahre Zeit für Alternativen“, erinnerte Hans-Hagen Böhringer (CDU) an die Anfänge der Debatte im Jahr 2012.

Bei der Abstimmung wurde deutlich, was sich bei der Diskussion abgezeichnet hatte. Der Kunstrasen spaltete den Rat, mit 15:13 Stimmen bei zwei Enthaltungen wurde der Vorschlag angenommen.

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