Landfrauen-Vortrag

Shoppen oder doch einkaufen?

Bei einem Frühstück in Wedehorn bekamen die Teilnehmerinnen am Sonnabend Wissenswertes über das Kaufverhalten der beiden Geschlechter zu hören. Eingeladen hatten die Bassumer Landfrauen.
11.10.2020, 17:18
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Von Peter Cordes
Shoppen oder doch einkaufen?

Ulrike Tubbe-Neuberg sprach in Wedehorn über Geschlechterklischees beim Einkaufen beziehungsweise Shoppen.

Michael Braunschädel

Bassum-Wedehorn. „Beim Neuromarketing wagen wir einen Blick in das Gehirn des Menschen, um ihn letztlich bei seinen Kaufentscheidungen durch Produktinformationen, Markenführung und Werbung zu beeinflussen.“ Ulrike Tubbe-Neuberg, Beraterin im Landfrauenverband der Bezirksstelle Hannover, stützte sich bei dieser Aussage am Sonnabendmorgen im Gasthaus Ellinghausen in Wedehorn auf Gutachten aus den 1980er-Jahren. Petra Haase hatte die Referentin im Auftrage des Landfrauenvereins Freudenberg-Bassum eingeladen, um bei einer Vielzahl von Informationen auch Nutzen für die Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten der hiesigen Region zu ziehen. „Die coronabedingt limitierten Eintrittskarten waren da schnell verkauft“, freute sich Petra Haase von den Landfrauen.

Schon bei der Suche nach einem interessanten Namen für ihren Vortrag hatte sich Referentin Tubbe-Neuberg sehr viel Mühe gegeben. Mit „Männer gehen einkaufen und Frauen gehen shoppen“ hatte sie die fast 50 Teilnehmerinnen auf humorvolle Art sofort auf ihrer Seite. Bis auf den Ehemann der Referentin, Christian Neuberg, der seine Frau als Fahrer unterstützte, waren im gesamten Gasthaus nur weibliche Gäste anzutreffen.

Während der gemeinsamen kleinen Shoppingtour im Wedehorner Gasthaus erklärte Tubbe-Neuberg Unterschiede im Kaufverhalten von Mann und Frau. Dabei fokussiere der Mann eine ihm übertragene Aufgabe und erziele ein gutes Ergebnis, die Frau dagegen sei multitaskingfähig und bewältige in derselben Zeit mehrere Aufgaben. „Jeder soll heute etwas mit nach Hause nehmen, um beim eventuell nahenden Weihnachtseinkauf Infos umzusetzen und bewusster einzukaufen“, beschrieb die Referentin das für sich gesteckte Ziel.

Die Denkweisen zwischen Mann und Frau unterscheiden sich. Während die eine Gehirnhälfte Eigenschaften wie Logik und räumliches Denken, die dem Mann zuzuordnen sind, beherbergt, liegt die Stärke der Frau im emotionalen Bereich der zweiten Gehirnhälfte. „Die Auskunft auf die Frage nach einem bestimmten Weg mit einer Meter-Angabe bis zur nächsten Abzweigung kann der Mann sofort problemlos umsetzen, wobei Frauen eher in Landmarken erklären, wie 'bei dem großen gelben Haus geht der Weg nach rechts weiter'“, so Ulrike Tubbe-Neuberg. Eigenschaften, die für das Einkaufen oder Shoppen entscheidend sind. Während Männer für den Kauf einer Hose etwa sechs Minuten benötigen, erledigen Frauen vergleichbare Einkäufe in etwa drei Stunden, weil sie ganz nebenbei noch ein passendes Geschenk für die Freundin oder ähnliches entdecken. Je mehr Zeit Frauen in einem Laden verbringen, desto mehr wird auch eingekauft, belegen Untersuchungen. „Männer denken wie eine Strickleiter und Frauen wie ein Spinnennetz“, so Tubbe-Neuberg.

Einkaufsarten wie Gruppenshoppen oder Verkaufsabende in der Gemeinschaft werden für beide Geschlechter meist zum Albtraum. Dagegen hatten Geschäfte mit extra Räumen zum Kaffeetrinken, Zeitunglesen oder Fußballschauen deutliche Umsatzsteigerungen. Dort konnten Frauen ihre Männer abgeben und so Glückshormone bei Käuferinnen und Käufern freisetzen.

Das Verkaufsverhalten der Menschen hat sich geändert. Bei vollen Kleiderschränken müssen Bedürfnisse geweckt werden. Dabei wird durch Produktinformationen, Markenführung und Werbung versucht zu beeinflussen. Verkaufsflächenvergrößerungen auf heute eineinhalb Quadratmeter pro Einwohner, Schnäppchen, Mengenrabatte, künstliche Verknappung, Jonglieren mit Preisgrößen, Verpackungstricks, Farben und Gerüche führen zur Manipulation direkt am Einkaufsort. Um den Nutzen dieser Manipulationsversuche zu verdeutlichen, ließ Ulrike Tubbe-Neuberg die Besucherinnen mehrmals laut das Wort „weiß“ in den Raum rufen. Auf die anschließende Frage, was Kühe trinken, antworteten über 90 Prozent der anwesenden Frauen ganz spontan „Milch“.

Nach dem Frühstück konnte Ulrike Tubbe-Neuberg die Landfrauen mit einem überaus ansprechenden Referat begeistern. Schmunzeln und Kopfnicken bestätigten ihre humorvolle Vortragsweise. Mit vielen Beispielen unterstrich sie ihre Aussagen, die aber schließlich keine grundlegend neuen Einsichten brachten. Geschickt beteiligte sie ihre Gäste im Vortragsablauf und ließ die Veranstaltung so quicklebendig werden. Wenn niemand direkt angesprochen wurde, mussten „Marianne und Heinrich“ als Pseudonym herhalten. Bei großer Ausgelassenheit wurde das unerschöpfliche Thema Mann und Frau mit viel Witz beleuchtet.

Den Abschluss des gefälligen Morgens bildete ein Augenblick der Stille. Gemeinsam und in voller Trauer erinnerten sich die Gäste an den so frühen und plötzlichen Tod ihrer Ortsvertreterin für Dimhausen und Groß Hollwedel, Adeline Raddatz.

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