Stiftskirche Bassum

Männerstimmen wie ein gezupfter Contrabass

„Frühzeitiger Frühling“ – das Stück von Mendelssohn-Bartholdy passte bestens als Auftakt zum A-cappella-Konzert der Bassumer Kantorei in der Stiftskirche. Auch als Zugabe machte es sich gut.
31.03.2019, 16:55
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Männerstimmen wie ein gezupfter Contrabass
Von Jürgen Juschkat
Männerstimmen wie ein gezupfter Contrabass

Gebanntes Lauschen: Die Besucher der Bassumer Kantorei waren am Ende des Chorkonzertes begeistert und bekamen für ihren großen Applaus eine Zugabe serviert.

Vasil Dinev

Bassum. Es war vieles anders in der Stiftskirche beim A-cappella-Konzert der Bassumer Kantorei. Die Bänke waren umgedreht, und es gab bis auf die Orgel keine Instrumente. Gesungen wurden Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy bis Karl Jenkins. Die Zuhörer waren begeistert, sparten nicht mit Applaus und bekamen schließlich die vom Chor geforderte Zugabe.

Durch die umgedrehten Bänke ergab sich für die Besucher ein Blick auf die Orgel-Empore. Der mit knapp 60 Sängerinnen und Sängern angetretene Chor stand davor auf einer Tribüne und überzeugte mit viel Disziplin.

„Frühzeitiger Frühling“ lautete der erste Titel – von Mendelssohn-Bartholdy in G-Dur komponiert, der dabei ein Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe vertonte. „Tage der Wonne, kommt ihr so bald? Schenkt mir die Sonne, Hügel und Wald? Reichlicher fließen Bächlein zumal?“ Es war ein passender Auftakt an diesem frühlingshaften, fast schon frühsommerlichen Sonnabend-Abend. Später war das Lied des 1809 geborenen Komponisten noch einmal zu hören – als Zugabe des A-cappella-Chores. Kreiskantorin Réka-Zsuzsánna Fülop kündigte die Wiederholung des ersten Liedes mit den Worten an: „Wir möchten Sie mit Frühlingsgefühlen nach Hause schicken.“

Beim gut besuchten Konzert, bei dem durch den A-cappella-Gesang die Stimmen gut zur Geltung kamen, führte Walter Bellingrodt mit nützlichen Informationen zu den Werken und Komponisten durchs anderthalbstündige Programm. An der Orgel saß Kreiskantor Ralf Wosch, wenn er nicht gerade seine Stimme dem Chor zur Verfügung stellte. Die musikalische Leitung hatte Réka-Zsuzsánna Fülop übernommen, als Solistin trat die Homfelderin Frauke Buchroth in den Vordergrund, die selbst auch Chorleiterin ist.

Ralf Wosch spielte zwischenzeitlich unter anderem mit der Fantasie G-Dur eines der bekanntesten und wohl auch am meisten gespielten Orgelwerke von Johann Sebastian Bach. Mit den drei Sätzen Grave, Adagio-Allegro maestoso e vivace und Fuga steuerte Wosch die Orgelsonate c-Moll von Mendelssohn-Bartholdy zum gelungenen Abend bei.

Der Hauptteil des Programms bestand aber aus A-cappella-Gesängen der Bassumer Kantorei. Mit einer Ausnahme, denn bei dem von Johann-Philipp Krieger vertonten Psalm 51 begleitete Wosch die Sängerinnen und Sänger auf der kleinen, vor den Zuschauerrängen stehenden Orgel.

Einige Werke wurden auch auf Latein gesungen, so der vierstimmige Satz des Ungarn Zoltán Kodály mit dem Titel „Pange Lingua“, bei dem es zwischendurch übersetzt hieß: „Unser Glaube soll uns lehren, was das Auge nicht erkennt.“ Die Noten bei „Inclina Domine“ stammen aus der Feder von Johannes Verhulst – ein niederländischer Dirigent und Komponist der Romantik. Verhulst arbeitete übrigens einige Zeit mit Mendelssohn-Bartholdy eng zusammen, wie es Walter Bellingroth dem Publikum erzählte.

Dem 1908 geborenen Hugo Distler zuzuschreiben ist die Vertonung des Psalms 42. „Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet, Gott, meine Seele, meine Seele zu dir!“ Beim Chor war nicht nur hier deutlich zu sehen, dass von der Leiterin viel Wert auf deutliche Aussprache gelegt wird. Die großartige Akustik in der Stiftskirche bildete außerdem einen wichtigen Mosaikstein bei diesem A-cappella-Konzert.

Den in Siebenbürgen geborenen Orbán György nannte Bellingrodt „den ersten noch lebenden Komponisten des Abends“. Seit 1982 ist der 71-Jährige Professor für Kompositionslehre an der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest. Das „Ave verum“ war ein weiteres Glanzlicht im Programm der Kantorei. „Wahrer Leib, sei uns gegrüßet“, stand als Übersetzung im Programm-Flyer. Bei „In Paradisum“ von Karl Jenkins („Ins Paradies mögen die Engel dich begleiten“) trat Frauke Buchroth in den Vordergrund und hob sich mit ihrer klaren Stimme meisterhaft vom Chor ab. „Lasst uns, Freunde, mit großen Stimmen singen“ hieß es beim lateinischen Titel von Henk Badings. „Irish“ von Norman Warren, das begeisternde „Toccata in Seven“ von John Rutter und das „Exultate, jubilate“, bei dem die Männerstimmen zeitweise an einen gezupften Kontrabass erinnerten, rundeten das abwechslungsreiche und gelungene Programm in der Bassumer Stiftskirche ab.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+