Lange Wand Pilotprojekt in zweiter Reihe

An der Langen Wand in Bassum könnte bald ein Pilotprojekt umgesetzt werden: ein Mehrgenerationenhaus. Das Unternehmen Schäfer-Fietz Projektmanagement hat einen entsprechenden Antrag gestellt.
17.02.2021, 17:02
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Pilotprojekt in zweiter Reihe
Von Tobias Denne

Bassum. Schon seit Jahren wird in Bassum über ein Mehrgenerationenhaus (MGH) gesprochen. Immer wieder ist ein MGH Thema – auch im Stadtentwicklungsprozess. So gibt es in der Arbeitsgruppe „Wohnen und Leben“ gleich mehrere Ehrenamtliche, die sich auch mit dieser alternativen Wohnform beschäftigen. Nun kommt so langsam Bewegung in die Sache. Denn mit der Schäfer-Fietz Projektmanagement GmbH aus Bassum gibt es einen Investor, der an der Langen Wand genau so ein Gebäude bauen lassen will. „Die Lage ist wirklich sensationell“, sagt Carsten Schäfer.

Der Traum zahlreicher Menschen in höherem Alter: Für die Tüte Milch oder einen Apfel nicht lange zum Super- oder Dorfmarkt fahren zu müssen, sondern einfach ein paar Meter zu Fuß gehen und die Einkäufe direkt selbst erledigen. Gleichzeitig sind Ärzte nicht weit weg und auch die Bahn liegt fußläufig günstig. „Die Bewohner sollen kurze Wege haben“, fasst Schäfer die Ideen zusammen. Da eignet sich die Lange Wand natürlich perfekt. Der Lindenmarkt ist nur einen Steinwurf entfernt, auch das Krankenhaus kann man fast sehen. Die Fläche, die rund 1500 Quadratmeter groß ist, liegt übrigens in der zweiten Reihe, also hinter den Häusern direkt an der Langen Wand. Das sorgt auch dafür, dass es leiser ist als direkt an der Straße.

Insgesamt planen Schäfer und Holger Fietz, sieben Wohneinheiten in dem Gebäude unterzubringen. Dazu soll noch ein Gemeinschaftsraum kommen, der als Wohnzimmer und Küche dienen soll. Hinzu kommt noch eine Terrasse für schöne Stunden im Garten sowie ein paar Parkplätze für die Autos. „Das Gebäude wird barrierefrei sein und große Türen haben. Außerdem planen wir mit Erdwärme“, skizziert Schäfer. Beide betonen aber auch, dass ganz konkret noch nichts gesagt werden kann, da der Antrag noch abgelehnt werden könne. Die erste Hürde hat dieser in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung bereits genommen. Die Mitglieder stimmten dafür, den Bebauungsplan einzuleiten. „Das Projekt ist ganz spannend und wir würden damit neue Wege gehen“, sagte etwa Bassums Bauamtsleiter Martin Kreienhop. Das sahen die Ausschussmitglieder auch so. Carsten Leopold (CDU) befürwortet es beispielsweise, dass „alternative Wohnformen im Zentrum von Bassum“ geplant werden. Auch Hermuth Straßburg (Bürger-Block) und Christiane Weitzel (Grüne) sind überzeugt von dem Vorhaben. „Das ist eine Idee, die zukunftsträchtig ist“, sagte Weitzel.

Noch liegt die Fläche brach. Zwar ist der Weg bereits gepflastert, aber Schäfer und Fietz warten nun auf die Zustimmung der Gremien, damit sie mit der Umsetzung und den weiteren Schritten starten können. „Wir haben viele ältere Kunden, die ihr Haus verkaufen und lieber eine Wohnung mieten wollen“, berichtet Fietz über Gespräche mit Senioren. Das Geld solle nicht wieder in Eigentum fließen, sondern für Reisen, Kinder und Enkel ausgegeben werden. Dem Team ist außerdem wichtig, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. „Das Vorhaben spricht sich herum, viele Leute wollen Infos, die wir ihnen noch nicht geben können“, betont Schäfer. Denn bevor sie kein grünes Licht bekommen, können er und Fietz nicht weiter planen. Schon jetzt belaufen sich die Kosten allerdings auf eine fünfstellige Summe. „Das ist heikel, aber heutzutage geht das nicht mehr anders. Es ist ein gewisses Risiko“, weiß Fietz.

Wichtig für ein MGH ist zudem, wie die Wohnungen besetzt sind. Immerhin muss die Chemie zwischen den Bewohnern mehr als in einem Mehrfamilienhaus stimmen. Zwar gibt es Rückzugsorte in Form der Wohnungen, dennoch lebt ein MGH von der Gemeinschaft untereinander. „Wir müssen dann sehen, wie man die Menschen zusammenbringt“, überlegt Fietz angesichts von Treffen vorab. Die beiden Männer sind keine Unbekannten am Markt, gibt es ihre Firma doch bereits seit zwölf Jahren. Allein in den vergangenen Jahren haben sie einige neue Häuser in Bassum gebaut, jüngst erst an der Langen Wand zwei Mehrfamilienhäuser hochgezogen. Fietz betont: „Wir haben schon viele Häuser gebaut und diese Form hat uns beide gereizt, es auszuprobieren. Vielleicht ist das ja auch für einen selber irgendwann interessant.“

Info

Zur Sache

Mehrgenerationenhaus

In einem „Mehrgenerationenhaus“ oder MGH gibt es mehrere Wohneinheiten für verschiedene Personen, die unterschiedlich alt sind. Gleichzeitig beinhaltet ein MGH auch Gemeinschaftsräume wie etwa eine Küche oder ein Wohnzimmer, damit das soziale Miteinander gefördert wird.

Außerdem kann ein MGH auch als ein offener Treff verstanden werden, bei denen Angebote für junge und ältere Menschen stattfinden, um so einen Ort der Begegnung und der gegenseitigen Hilfe zu schaffen. So sollte das Mütter-Kinder-Zentrum zu einem Mehrgenerationenhaus umgebaut werden. Weitere Infos zu den offenen Treffs auf der Seite: www.mehrgenerationenhaeuser.de .

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+