Kommunalwahl Die Drei mit der Zeitung

Gerade einmal rund 54 Prozent der Bevölkerung sind bei der Kommunalwahl 2016 in Neubruchhausen zur Urne gegangen. Ein engagiertes Trio möchte daran für die bevorstehende Abstimmung etwas ändern.
06.09.2021, 12:53
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Die Drei mit der Zeitung
Von Wolfgang Sembritzki

Bassum-Neubruchhausen. Kai Uwe Bohn, Raimund Schrader und Maik Dannemann haben etwas vor. Nahezu jeder zweite Wahlberechtigte aus Neubruchhausen blieb bei der Kommunalwahl vor fünf Jahren der Urne fern. Nicht akzeptabel für die drei Männer. Sie betreiben bereits die Webseite neubruchhausen.de, den Namen der Seite hat sich Bohn gesichert. Darauf, dass diese noch nicht vergeben war, sei er vor einigen Jahren zufällig gestoßen und habe sie sich gekauft, bevor jemand damit Unfug treibt. Dennoch hätten sie sich gefragt: "Wie erreichen wir die Alten?", sagt Bohn im Pressegespräch. Die Lösung liegt im analogen Medium: Bohn, Dannemann und Schrader haben eine Dorfzeitung herausgebracht.

500 gedruckte Exemplare

500 Follower bei Facebook, ein eigener Instagram- und Youtube-Kanal. Alles beeindruckend und vor allem "viel Arbeit", so das Trio. Doch betagtere Mitbürger lassen sich damit schwer erreichen. Von 500 gedruckten Exemplaren der "Neubruchhausen News" haben sie 400 bereits verteilt, jeder Haushalt sollte eine Dorfzeitung bekommen haben. Der Appell der Ausgabe null aus diesem Monat: Wählen gehen! Eine niedrige Wahlbeteiligung sei "das Schlimmste, was einer Demokratie passieren kann", so Dannemann. Von daher müsse das Dorf "zusammenrücken" und den Bürgern die Wichtigkeit der Kommunalwahl aufgezeigt werden. "Die Gemeinschaft kommt nicht voran, wenn keiner etwas tut", findet Raimund Schrader. Jede Stimme aus dem Dorf sei eine Stimme für das Dorf und bringe die Ortsentwicklung voran. Deswegen möchten die Drei informieren, wo für die Politik relevante Themen sind, denn: "Man kann nicht von der Politik erwarten, jeden Wunsch von den Augen der Bürger abzulesen."

Die Rückmeldungen seien durchweg positiv. Im Idealfall möchten sie erreichen, dass alle vier Stadtratskandidatinnen und -kandidaten, die in Neubruchhausen wohnen, in das Gremium einziehen. Natürlich, um vorrangig die Neubruchhauser Interessen zu vertreten. Dabei sei es "erstmal egal, welcher Couleur" die Bewerber sind. "Wir sind überparteilich", so Bohn, zumindest auf kommunaler Ebene, um die es ja auch in erster Linie geht. Und die Informationen seien auch vonnöten, denn bei der Kommunalwahl 2016 war auch eine niedrige zweistellige Zahl an ungültigen Stimmen dabei. Das Trio vermutet nicht nur Protestwähler, sondern auch schlichtes Unwissen, das Stimmen durch falsch ausgefüllte Wahlzettel verfallen ließ. Bis zur Wahl möchte man daher "noch ordentlich trommeln", um die Wahlbeteiligung hochzutreiben und die Bürger aufzuklären, so Schrader.

Dorfgeschehen begleiten

Insgesamt erhoffen sich Bohn, Dannemann und Schrader einen lebhaften Dialog durch ihr mediales Schaffen. Die Expertise bringt Bohn mit, der als gelernter Redakteur eine Zeitung zu entwerfen und ansprechende Texte zu schreiben weiß. Mit der Zeitung möchten sie das Dorfgeschehen begleiten, wie sie es online bereits seit längerer Zeit tun, etwa bei der Debatte um den Radweg nach Bassum. Das auch im Austausch mit den Lesern. Aber: "Wir wollen keine Meckerinstitution sein", so Bohn. Jeder soll zu Wort kommen, dürfe auch gern Kritik äußern, allerdings müsse auch gleich ein konkreter Lösungsvorschlag mitgeliefert werden. 

Zur Sache

Die Wahl in Bassum

Am Sonntag, 12. September sind von 8 bis 18 Uhr die Wahlräume geöffnet. Wer für mehrere Wahlen wahlberechtigt ist, zum Beispiel für den Kreistag, den Rat der Gemeinde, die Hauptverwaltungsbeamtin oder den Hauptverwaltungsbeamten, erhält auch mehrere Stimmzettel, heißt es auf der Webseite der Stadt Bassum.

Wählen darf, wer die deutsche Staatsangehörigkeit oder die Staatsangehörigkeit eines anderen Mitgliedstaates der EU besitzt, am Wahltag mindestens 16 Jahre alt ist und seit mindestens drei Monaten im jeweiligen Wahlgebiet seinen Wohnsitz hat.

Für die Wahl der Vertretungen wie etwa Kreistag oder Gemeinderat dürfen, anders als bei Bundestags- und Landtagswahlen, auf jedem Stimmzettel drei Kreuze gemacht werden. Für die Wahl des Bürgermeisters in Bassum hat jeder Wahlberechtigte eine Stimme.

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