Neues Geschäft

Tante Emma 2.0

Diana Spitzer und Veronika Matt planen, in Neubruchhausen einen Laden mit regionalen Lebensmitteln und Ware vom Händler zu eröffnen. Soweit, so gut. Der Clou: Das Geschäft ist an 365 Tagen im Jahr betretbar.
23.04.2021, 05:49
Lesedauer: 3 Min
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Tante Emma 2.0
Von Tobias Denne
Tante Emma 2.0

Da wollen sie rein: Veronika Matt (links) und Diana Spitzer planen in Neubruchhausen im derzeitigen Volksbankgebäude, einen Dorfladen zu eröffnen. Auf rund 150 Quadratmetern soll es eine Mischung aus regionalen Angeboten und Vollsortimentwaren geben.

Tobias Denne

Noch haben die Kunden, die derzeit aus dem Gebäude herausgehen, beim Verlassen nur ihr Portemonnaie in der Hand. In wenigen Monaten könnte die Einkaufstasche noch dazukommen. Wenn alles gut läuft, starten nämlich die Umbauarbeiten am Gebäude der Volksbank in Neubruchhausen schon am 1. Juli. „Wir wollen das Dorf und die Region stärken“, betont Diana Spitzer. Zusammen mit ihrer Schwester Veronika Matt will sie ein neues Geschäft an der Hauptstraße eröffnen. Der Clou: Der Dorfladen wird sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr geöffnet sein - von 6 bis 22 Uhr.

In den Einkaufstüten der Kunden finden sich dann neben regionalen Produkten aus dem Ort und umzu auch Produkte, die man im Supermarkt oder in der Drogerie erwartet. „Ein Vollsortimenter“, sagt Matt dazu. Zu gewissen Öffnungszeiten wird auch Personal vor Ort sein, ansonsten ist es eine Art Selbstbedienungsladen. „Wie früher, wenn man als Kind 'Einkaufen' gespielt hat“, vergleicht Matt das System. Zu Beginn unterstützten die beiden die Kunden noch, damit jeder weiß, was er oder sie machen muss. „Anfangs erklären wir viel, es soll doch ein schönes Erlebnis werden“, hofft Matt. Insgesamt sei es ein simples System.

Die Idee, etwas gemeinsam zu machen, haben Matt und Spitzer schon einige Jahre im Kopf. Sie verstehen sich als Schwestern so gut, dass sie gerne ein Projekt angehen wollten. Als sie auf die Immobilie der Volksbank an der Hauptstraße stießen, schlugen sie zu. „Wir wollten das Gewerbe erhalten“, erzählt Matt. Doch was tun? Bereits in Süddeutschland erfreut sich der moderne Tante-Emma-Laden mit Selbstbedienung großer Beliebtheit, in Blender gibt es ebenfalls bereits einen ähnlichen Ansatz. „Wir haben uns inspirieren lassen“, sagt Spitzer, die mit Matt das Gespräch mit dem Dorf gesucht hat. Schließlich soll das Angebot auf die Menschen vor Ort abgestimmt sein. Die Vertreter der Dorfgemeinschaft - Kai Uwe Bohn, Maik Dannemann und Raimund Schrader - waren begeistert. „Sie engagieren sich hier sehr stark und wissen, ob der Ort das braucht. Was bringt einem die beste Idee, wenn sie nicht passt?“, fragt Veronika Matt rhetorisch.

Also nahm das Projekt nach und nach Formen an. Das Konzept stand Ende Januar/Anfang Februar. Die Schwestern wissen, dass sich so ein Projekt nicht nur „von Luft und Liebe“ trägt. Es muss natürlich auch wirtschaftlich passen, damit die Türen sich nicht in einem Jahr wieder schließen. Sie betonen indes beide, dass sie vor allem die Nahversorgung in Neubruchhausen sicherstellen wollen - um so einen Mehrwert zu schaffen. Dafür wollen sie aber nicht in Konkurrenz zum Dorfladen von Renate Bothe treten. „Wir wollen hier niemanden kaputtmachen“, versichert Matt. Das Gespräch mit Bothe und ihrer Tochter Jennifer verlief fruchtbar, sodass auch spätere Kooperationen denkbar sind. „Jennifer Bothe hat selbst viele Ideen“, freut sich Matt.

Gespräche führen, Umfragen machen, Resonanz einholen - all das haben Matt und Spitzer auf dem Schirm. „Wir haben natürlich ein Konzept, aber es muss auch für das Dorf passen. Wir wollen die Dorfgemeinschaft abholen“, betont Matt. Spitzer ergänzt: „Wir haben bislang nur positive Rückmeldungen bekommen.“ Damit das auch in Zukunft so bleibt, wollen die beiden Frauen Rücksprache halten, wenn es um neue Ideen und Projekte für den Laden geht. Auf 150 Quadratmeter werden sie zum Start zurückgreifen können - „eine schöne Größe“, wie Matt findet.

Im Obergeschoss bleibt die Wohnung erhalten, eine weitere soll im Dachgeschoss ausgebaut werden. „Uns ist es wichtig, dass der Wohnraum bezahlbar bleibt“, versichert die Heiligenfelderin. Auch die beiden Etagen werden ab dem 1. Juli angegangen. Sie hoffen, dass sie das Weihnachtsgeschäft noch mitnehmen können. Spätestens 2022 sollen sich die Türen wieder öffnen. „Wir nutzen die Zeit“, betont Spitzer. So suchen sie noch regionale Anbieter, die ihre Produkte im Laden anbieten wollen. Das ist per E-Mail an ve-di@gmx.de möglich. Aber auch Handwerker, die Zeit haben, können sich bei den beiden Frauen melden.

Und wenn der Laden erst einmal läuft, sind auch weitere Projekte möglich. Welche, das wollen sie mit einem Lächeln noch nicht verraten. Eines geben sie dann doch preis: ein Lieferdienst. „So kann man die Leute unterstützen, die es nicht schaffen, in den Laden zu gehen“, haben die Schwestern vor allem ältere Menschen im Blick. Und dann zählt nicht mehr die Ausrede, dass man die Milch beim Einkaufen vergessen hat.

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