Ideenwerkstatt

Für die Zukunft im Dorf

Aus dem Engagement von drei Frauen hat sich die Ideenwerkstatt in Nordwohlde entwickelt. 20 Menschen kamen zum ersten Abend, um sich für die Ortschaft einzusetzen und etwas zu bewegen.
17.03.2020, 17:12
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Für die Zukunft im Dorf
Von Tobias Denne
Für die Zukunft im Dorf

Angela Siemers (von links), Anna Behrmann und Birgit Kattau haben die Engagement-Fortbildung abgelegt. Im Zuge dessen wurde die Ideenwerkstatt gegründet.

Michael Galian

Bassum-Nordwohlde. Beim ersten Abend kamen 20 Menschen. „Wir haben uns auf deutlich weniger vorbereitet“, gibt Anna Behrmann heute zu. Angela Siemers stimmt ihr zu: „Damit haben wir nicht gerechnet.“ Und Birgit Kattau freut sich, dass „die Gruppe so groß geblieben ist“. Die drei Frauen aus Nordwohlde sind seit dem vergangenen Jahr Engagementlotsen und setzen sich ein für ihre Ortschaft.

Die Frage, die sie sich stellten, war: „Wie binden wir die anderen Nordwohlder ein?“ Den Frauen ist klar, dass ohne Ehrenamt ein Dorf nicht lange überleben kann. Und damit die Menschen vor Ort auch Lust darauf haben, gibt es nun die Ideenwerkstatt. Denn: Mit eigenen Ideen und Vorschlägen wird etwas angestoßen, was die drei Engagementlotsen vielleicht nicht im Blick haben.

Und die Werkstatt wird richtig gut angenommen. Die ersten Ideen wurden bereits umgesetzt. So gibt es etwa nun eine Liste für eine Mitfahrgelegenheit. „Die Gruppe hat sich am selben Abend schon gefunden“, freut sich Siemers. Der Plan dahinter ist, dass Menschen, die sowieso mit dem Auto unterwegs sind (Beispiel: Syke, Bassum, Harpstedt), andere Nordwohlder mitnehmen oder ihnen beim Einkauf helfen. Zwanglos sollte es aber sein. „Ein richtiger Erfolg“, findet Ortsvorsteherin Birgit Kattau den Vorschlag.

Sie war es auch, die Siemers und Behrmann gefragt hatte, ob sie nicht Lust auf eine Engagementlotsen-Fortbildung hätten. „Man hat als Ortsvorsteherin viel zu tun, und ich wollte nicht alles allein machen“, erzählt Kattau. Denn schon zum Beginn ihrer Amtszeit wurde ihr gesagt, dass es vorher in Nordwohlde nicht wirklich etwas an Angeboten gegeben habe. „Ich wollte aber erst mal schnuppern, horchen und zugucken“, nahm sich Kattau Zeit, um zu sehen: Was wird eigentlich gebraucht?

Dass sich in Nordwohlde so schnell eine Gruppe gefunden hat, die Ideen für den Ort entwickelt, zeigt: Genau das hat gefehlt. Neuigkeiten rund um den Ort werden nun in der Kurve bei der Kita Arche Noah aufgehängt. „Wir müssen dranbleiben“, weiß auch Behrmann. Daher sind die drei Frauen dankbar, dass die Vereine und der Dorfladen das Engagement mit Werbung unterstützen.

Aber es geht nicht alles so schnell, wie sich die Ehrenamtlichen der Ideenwerkstatt das vorstellen. Beispiel: Hundeplatz. Ein Treffpunkt für Hundebesitzer soll es sein, damit die Tiere auch während der Leinenpflicht auf einem begrenzten Areal frei spielen können, aber gleichzeitig die Natur geschützt wird. „Das ist das schwierigste Projekt“, gibt Kattau zu. Denn der Platz fehlt. „Wir suchen weiter“, gibt sich die Ortsvorsteherin hoffnungsvoll.

Alle acht Wochen treffen sich die Ehrenamtlichen bei der Ideenwerkstatt, jüngst war das zum vierten Mal der Fall. Im Gasthof Zum Hombachtal sitzen sie zusammen und überlegen, was man noch in und für Nordwohlde machen kann. „Hier ist Mitarbeit gefragt“, sagt Kattau und lacht. Jeder wird eingebunden, wenn es auch mal ein wenig Überzeugungsarbeit braucht.

Beim vergangenen Treffen standen unter anderem die Bewerbung für den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ und die Frage nach Mitfahrerbänken im Raum. Letztere sollen nun in Nordwohlde aufgestellt werden, damit Menschen, die mitgenommen werden wollen, sich hinsetzen und auf ein vorbeifahrendes Auto warten können. „Man braucht Geduld, bis die Menschen das wissen. Die sind nicht daran gewöhnt“, betont Kattau. Schließlich gehe es auch um eine Hemmschwelle, Fremde mitzunehmen oder bei Fremden einzusteigen. Der Vorteil wäre allerdings: Auch die kleineren Ortschaften wie Fesenfeld wären dadurch besser angebunden. Die Bänke hätten die Nordwohlder, man müsste nur noch Plätze finden, wo man diese hinstellen könnte.

Hoffnungen, dass auch mit dem Neubaugebiet und den neuen Menschen noch mehr Schwung in den Ort kommen, die machen sich die Engagementlotsen schon. „Es wäre schön, wenn die sich einbringen“, sagt Kattau. Denn, logisch ist, dass wenn Menschen an einen neuen Ort ziehen und dort keine Angebote vorhanden sind, „dann hauen die Leute wieder ab und es wird eine Geisterstadt“, wie Siemers befürchtet. Damit das nicht in Nordwohlde passiert, versuchen die drei Frauen, auch die Vereine untereinander besser zu vernetzen. „Mein Traum ist es, dass man füreinander da ist“, sagt Kattau. Dann hat auch das Dorf Zukunft.

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