Monika Verhoeven

Nur keine Angst

Weil immer weniger Viertklässler schwimmen können, bieten die Bassumer Grundschulen Petermoor und Mittelstraße eine Schwimm-AG an. Seit zwölf Jahren betreut Monika Verhoeven von der DLRG den Nachwuchs.
29.10.2019, 09:36
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Nur keine Angst
Von Tobias Denne
Nur keine Angst

Gut zu hören: Monika Verhoeven erklärt den Schülern, was sie im Wasser zu beachten haben.

Vasil Dinev

Bassum. Kindergeschrei erfüllt das Hallenbad in Bassum. Jungen und Mädchen spielen im Nichtschwimmerbecken. Sie haben den schwierigen Teil des Kurses bereits hinter sich. Es ist warm, die Luft riecht nach Chlor, Schwimmbretter liegen am Beckenrand. Monika Verhoeven steht derweil an der Seite des Schwimmbeckens, in dem sich zwei Jungen tapfer von der einen Seite zur anderen kämpfen, und beobachtet sie genau. „Mein Ziel ist es, dass die Kinder bis zum Ende des Jahres ohne Angst schwimmen können“, sagt Verhoeven. Sie ist die Leiterin der Schwimm-AG der Grundschulen Mittelstraße und Petermoor, die dabei helfen soll, Kindern das Schwimmen beizubringen. Montags und mittwochs hüpfen jeweils 15 Kinder ins Wasser.

Denn, und das beobachtet Verhoeven seit Jahren: Es können immer weniger Viertklässler schwimmen, obwohl sie offiziell das Seepferdchen-Abzeichen haben. „Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Jetzt hatten wir allein sieben Kinder, die angeblich das Seepferdchen haben. Dennoch konnten diese sich kaum über Wasser halten. Es ist erschreckend, wie wenig Schüler schwimmen können“, sagt die Trainerin der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG).

Angefangen hat die Schwimm-AG im Jahr 2007. Damals wurde die DLRG gefragt, ob man einen Kurs anbieten könnte. Noch zu zweit sorgten Sabine Kayser und Verhoeven dafür, dass die Bassumer Schülerinnen und Schüler schwimmen lernten. Seit vier Jahren ist Verhoeven allein für die Ausbildung verantwortlich – holt sich bei Bedarf aber Kollegen zur Unterstützung hinzu. „Es macht mir Spaß, den Kindern etwas beizubringen. Entweder das Schwimmen oder, falls sie schon etwas schwimmen können, die richtige Technik“, nennt sie den Grund dafür, dass sie seit zwölf Jahren den Kindern hilft. Allerdings hört die Betreuung nicht damit auf, dass die Kinder nicht untergehen, sondern sie bietet auch die Vorbereitung auf die Abzeichen an. „Ich freue mich natürlich, wenn sie dabei bleiben“, gibt Verhoeven zu. Damit meint sie nicht einmal die Mitgliedschaft in der DLRG, sondern die Teilnahme an der AG.

Die ist mittlerweile verpflichtend. „Vor Jahren war die AG komplett freiwillig, aber das ist seit diesem Schuljahr anders“, begrüßt Verhoeven diese Entwicklung. Denn ihrer Erfahrung nach kommen die Schüler sonst unregelmäßiger, als wenn sie direkt von der Schule anreisen würden. „Einige Eltern meinen, dass Hausaufgaben Vorrecht vor der AG hätten“, weiß die Trainerin aus Erfahrung. Generell sei der Umgang mit Eltern eher schwierig. „Sie sind der Ansicht, dass nichts passieren kann, wenn ihre Kinder Schwimmflügel tragen. Das ist falsch“, betont Verhoeven. Auch das Seepferdchen-Abzeichen allein sage noch nicht aus, dass das Kind wirklich schwimmen könne. Hinzu kommt, dass Eltern immer weniger Zeit hätten, mit ihren Kindern schwimmen zu gehen.

Und da kommt der Kurs ins Spiel. „Ich finde, dass jedes Kind schwimmen können sollte“, sagt Verhoeven. Sie selbst konnte als Aufsicht im Natur- sowie im Hallenbad die Erfahrung machen, dass immer weniger Kinder wirklich schwimmen können. Das große Problem dabei: Tod durch Ertrinken. Um diesen zu vermeiden, lernen die Kinder zunächst, sich im Wasser zurechtzufinden. Im Nichtschwimmerbecken ist Verhoeven zunächst selbst mit im Wasser, um zu unterstützen. „Wir arbeiten dann viel mit dem Schwimmbrett“, erzählt die Trainerin, die Hilfestellungen gibt. Wenn die Schüler sicher genug sind, dann geht's ins tiefe Becken – anfangs wieder mit Brett. Auch dabei steht Verhoeven zuerst nicht am Rand, sondern ist mit im Wasser. „Die Kinder werden mit der Zeit immer sicherer und es macht ihnen Spaß“, freut sie sich.

Auch die sieben Schüler, die zwar das Seepferdchen haben, aber kaum schwimmen konnten, bewegen sich nun gekonnt durch die Becken. Mittlerweile können sie „durchschwimmen“, versichert Verhoeven und fügt hinzu: „Wir arbeiten viel daran, dass sie keine Angst mehr haben. Wenn man diesen Punkt überwunden hat, dann geht es auch.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+