Landwirtschaft für kleine Hände

Nur nicht so schüchtern

Viel Rummel auf dem Hof Brüning in Bünte. Bei der Aktion „Landwirtschaft für kleine Hände“, die von den Bassumer Landfrauen organisiert wurde, lernen Kinder, woher die Milch kommt und wie man Brötchen backt.
24.05.2019, 10:47
Lesedauer: 2 Min
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Nur nicht so schüchtern
Von Tobias Denne
Nur nicht so schüchtern

Schön vorsichtig: Erik möchte gern das Pferd füttern. Tina Brüning erklärt dem Jungen, dass er keine Angst haben braucht.

Janina Rahn

Bassum. Schüchtern schaut Tamea durch das Gitter im Kuhstall. Noch traut sie sich nicht. Auch links und rechts von ihr macht niemand Anstalten, sich den Metallstangen zu nähern. „Ihr müsst geduldig sein“, sagt Tina Brüning. Tamea lässt sich aber nicht überzeugen, schließlich knien auf der anderen Seite des Gitters acht Kinder und halten der Kuh etwas Futter hin. Am Ende traut sich doch eine Kuh mit ihrem Kopf heraus. Aber die Jungen und Mädchen des Kindergartens Kinder-Reich aus Bassum ziehen schon weiter, schließlich wartet die Melkmaschine auf sie.

Viel zu tun für die Lütten, denn bei insgesamt vier Stationen können die 32 Kinder ein wenig Landluft auf dem Hof Brüning in Bünte schnuppern und lernen, woher die Milch, der Käse oder die Sahne kommt. Sie backen selbst Brötchen und quetschen dafür Haferkerne. Aber auch Quark mit Erdbeeren steht auf dem Speiseplan. Noch ist aber nicht alles vorbereitet. Schließlich haben die Kinder Zeit genug, um alles ausgiebig zu testen.

Auf dem Hof haben die Bassumer Landfrauen Tische aufgestellt, eine Gruppe formt kleine Brötchen-Rohlinge, andere stehen vor der Haferquetsche, wieder andere spielen mit den kleinen Tret-Treckern und fahren herum. „Wir machen die Aktion immer auf einem anderen Milchviehbetrieb“, erklärt Gisela Buschmann von den Bassumer Landfrauen, die den Vormittag im Zuge der „Landwirtschaft für kleine Hände“ bereits zum vierten Mal organisiert haben. Alle zwei Jahre findet diese Aktion statt. Dabei wechseln nicht nur die Betriebe, es werden auch immer andere Kindergärten eingeladen.

Und damit die Tiere nicht überfordert sind, wurden die Kinder im Vorfeld in Gruppen aufgeteilt. Tina Brüning führt die Kinder nach der Melkmaschine zu den Kälbern. Gespannt schauen die Landwirte von morgen auf die Neugeborenen. Streicheln vorsichtig oder halten den Daumen durch das Gitter. „Wenn ihr Glück habt, dann nuckeln sie daran“, kündigt Brüning an. So richtig überzeugt sind die kleinen Kühe aber nicht, sondern bleiben lieber im warmen Stroh liegen und beobachten die ganze Szenerie.

Amelie ist derweil schon bei den Pferden angekommen. Während Erik mehr als eine Handvoll Stroh zum Fressen hinhält, streckt sich das Mädchen mit seiner Hand mutig zum Tier, das sich streicheln lässt. „Meine Lieblingstiere sind Pferde und Delfine“, sagt sie. Gut, Delfine sucht man auf dem Hof Brüning vergebens, aber Pferde gibt es einige. Für Amelie soll es aber nicht beim Streicheln bleiben: „Ich möchte irgendwann reiten.“ Sie selbst war vorher noch nie auf einem Bauernhof, sagt sie. Die Station mit den Kälbern und Pferden ist die letzte für die Gruppe. Jetzt heißt es: warten auf die Brötchen. Diese Station hat die Gruppe um Amelie und Erik natürlich auch schon hinter sich. „Das hat Spaß gemacht“, erzählt sie von der Arbeit an der Haferquetsche. Gisela Buschmann verrät: „Wir backen immer gerne Brötchen oder Brot.“ Ein echter Klassiker also.

Und das ist die Hauptsache bei der „Landwirtschaft für kleine Hände“, Kinder spielerisch an die regionalen Lebensmittel und den Tagesablauf heranführen. Die Kinder standen zwar nicht um 6 Uhr im Stall, aber kamen rund zwei Stunden später mit dem Bus nach Bünte. „Sie finden einen Bauernhof total spannend und können herumtoben“, berichtet Gisela Buschmann freudig. Denn auch sie merkt, dass immer weniger Kinder überhaupt auf einem Bauernhof waren. „Und das in Bassum“, fügt sie hinzu. Samir ist jedenfalls überzeugt von dem Vormittag. Er hat noch nicht genug vom Hafer und würde am liebsten die ganze Zeit hierbleiben. „Der Bauernhof ist so schön“, sagt er und schüttet ein paar Kerne in die Quetsche.

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