Gesundhaut

Professionelle Haarspalterin

Sie entfernt Frauen unerwünschte Haare dauerhaft: Nike Elena Tiemann. Und warum? Weil sie aus eigener Erfahrung weiß, wie sehr das weibliche Geschlecht unter einem Damenbart leidet.
06.11.2018, 11:58
Lesedauer: 3 Min
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Professionelle Haarspalterin
Von Micha Bustian
Professionelle Haarspalterin

Sie macht Frauen glücklich: Nike Elena Tiemann kümmert sich in ihrer "Gesundhaut"-Praxis mithilfe eines Elektroverfahrens um Damenbärte.

Braunschädel

Bassum-Dimhausen. Kinder zu bekommen, ist ein Erlebnis. Vor allem für die Frauen. Die freigesetzten Glückshormone, das Chaos, die Schmerzen, der erste Blickkontakt zum Säugling – unvergesslich. Da die Hormone während der Schwangerschaft verrückt spielen, gibt es aber auch unerwünschte Hinterlassenschaften. Haarwuchs beispielsweise. Und das an Stellen, an denen Stoppeln nur bei Männern gewünscht sind: zwischen Nase und Oberlippe. So kam es auch bei Nike Elena Tiemann. Doch während andere junge Mütter zupfen, wachsen oder rasieren, hat sie sich intensiver in dieses Thema eingearbeitet. So intensiv, dass daraus ein Beruf wurde.

Nike Elena Tiemann betreibt das Geschäft „Gesundhaut“ in Dimhausen. Dort hat sie, die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin, sich auf Elektro-Epilation spezialisiert. Laut Stiftung Warentest „das einzige Verfahren, das Haare wirklich dauerhaft, also für immer, entfernen kann“. Auch die US-amerikanische Food And Drug Adminstration hat die Elektro-Epilation unter Hair Removal (Haarentfernung) eingestuft und nicht unter Hair Reduction (Haarreduzierung) wie das Lasern oder Wachsen. „Da kommen die Haare wieder.“ Und warum kommen sie bei der Elektro-Epilation nicht wieder? Weil der Strom Eiweiß in der Haarwurzel gerinnen lässt. Koagulation nennt sich das. Dabei rutscht das Haar einfach aus dem Follikel heraus. Allerdings nicht gleich beim ersten Mal nachhaltig, „dafür muss man schon drei- oder viermal kommen“, weiß Nike Elena Tiemann. Doch die meisten Frauen scheuen diesen Aufwand nicht. Sie kommen aus Paderborn nach Dimhausen, gar aus Frankfurt am Main. In Bremen beispielsweise, da ist sich die 33-Jährige sicher, wird Elektro-Epilation gar nicht angeboten.

Dafür in Dimhausen, zwischen Bassum und Fahrenhorst, westlich der Bundesstraße 51. Direkt an einem kleinen Waldstück liegt die Praxis von Nike Elena Tiemann. Im roten Klinkerhaus sind die Geschäftsräume blitzsauber, der Boden in Grau, die Wände in Weiß gehalten. Wer eintritt, befindet sich im Empfangsraum mit Theke und einem Regal voller Lotionen. Angrenzend liegt der Behandlungsraum, der fast ein wenig wie eine Zahnarztpraxis anmutet. Die Kundin liegt, darüber schwebt ein beleuchtetes Vergrößerungsglas. Die gebürtige Hamburgerin erledigt hier Feinarbeit, braucht viel Geduld und ruhige Hände. Und Licht. Deshalb bestehen die Außenwände des Behandlungsraums ausschließlich aus deckenhohen Fenstern. „Wenn hier morgens die Sonne hereinscheint, ist es perfekt.“

Auch die dörfliche Lage sieht Nike Elena Tiemann, die der Liebe wegen nach Bassum gezogen ist, „als Alleinstellungsmerkmal“ an. Möglicherweise hätte sie in einer Großstadt mehr Zulauf. Dafür ist für ihre Kundinnen im ländlichen Bereich die Diskretion größer. Niemand lochert mal eben durchs Fenster. Und niemand läuft Gefahr, nach der Behandlung mit glühend rotem Gesicht vom Nachbarn entdeckt zu werden.

Für perfekte Ergebnisse hat sich Nike Elena Tiemann nach ihrem Studium in Oldenburg immer wieder fortgebildet. Im November 2017 beendete sie eine Ausbildung zur Fachkosmetikerin.

Es folgten Weiterbildungen zu den Themen dermatologische Kosmetik, Grundlagen der Korneotherapie und Hautpflege bei Problemhaut, Hautpflege bei Rosacea sowie bei Barriere- und Verhornungsstörungen. Zwischendrin machte sie eine Ausbildung zur Elektrologistin bei Iris Gminski, einer Koryphäe ihres Fachs. Inzwischen hat sie eine weitere Ausbildung zur Heilpraktikerin gestartet, weiß Bescheid über Bioengineering der Haut und Hautpflege während der ärztlichen Therapie von Krebserkrankungen oder Diabetes. Und: Sie ist seit Juli 2018 zertifizierte Darmfachberaterin. Warum sie das alles auf sich nimmt, obwohl sie doch als Wirtschaftswissenschaftlerin schon im Marketing gearbeitet hat? Weil sie aus eigener Erfahrung weiß, wie Frauen wegen Haarwuchs an der falschen Stelle leiden. Nach der Schwangerschaft mit ihrer zweiten Tochter bekam Nike Elena Tiemann Endometriose. Und damit Haarwuchs an unerwünschten Stellen. Zuerst zupfte sie die einzelnen Härchen weg. Sie wollte nicht mit 40 Jahren einen Damenbart haben und den mit 60 Jahren wegen schlechter Sicht nicht mehr entfernen können. Sie brauchte eine nachhaltige Lösung. Und fand sie in der Elektro-Epilation.

„Beim Zupfen geht die Haut kaputt“, weiß Nike Elena Tiemann, „das Wachsen verträgt nicht Jede, und im Gesicht rasieren, ist Männersache.“ Deswegen ist sie froh, über die Möglichkeit der Elektro-Epilation gestolpert zu sein. Ihren Job im Marketing vermisst sie nicht. „Ich habe Frauen hier, die sind so glücklich, wenn die Behandlung abgeschlossen ist.“ Sicher, es gebe auch Damen, die würden das aus ästhetischen Gründen machen lassen, „aber die meisten meiner Kundinnen leiden richtig“. Bis zur Fahrt nach Dimhausen. „Ich habe noch nie so viel Anerkennung gekriegt.“

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