Reparatur-Café

Erfolg seit dem ersten Tag

Seit knapp einem Jahr gibt es nun das Reparatur-Café in Bassum. Einmal im Monat können Menschen ihre defekten Geräte zum Jugendhaus Fönix bringen. Ehrenamtliche versuchen, diese wieder flottzumachen.
26.06.2020, 16:30
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Erfolg seit dem ersten Tag
Von Tobias Denne
Erfolg seit dem ersten Tag

Im ersten Jahr hatten die Ehrenamtlichen des Reparatur-Cafés gut zu tun. Was nicht fehlen darf beim Team: die gute Laune. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, den Experten über die Schulter zu schauen, wie es eine Kundin getan hat (2. von rechts). Dennoch würden sich Wolfgang Metzner (von links), Peter Faßbinder, Stefan Seltmann, Reinhild Olma, Rolf Pohler, Heinz Ahlering und Dirk Möwes über Zuwachs freuen. Nicht auf dem Bild: Hans Molkenthin.

Vasil Dinev

Bassum. Von Anfang an, das versichert Reinhild Olma unvermittelt, seien sie überrannt worden. Überrannt von Menschen, die gerne Geräte repariert haben wollen. Sicher, zwischendurch gibt es auch mal ruhige Sonnabende, „das ist ja auch schön“, sagt sie. Aber im Schnitt bringen die Bassumer zwischen 15 und 20 defekte Geräte zum Jugendhaus Fönix, damit die Ehrenamtlichen die wieder flottmachen. In dem etwas mehr als einem Jahr, in dem es das Reparatur-Café nun in Bassum gibt, sind insgesamt 160 zusammengekommen.

Wecker, Dampfbügeleisen, Spieluhr oder Laubbläser – alles, was man mit zwei Händen tragen kann, kann man vorbeibringen. „Das Erste, was repariert wurde, war eine Nähmaschine“, erinnert sich Olma. Die Agenda-Beauftragte freut sich sehr darüber, dass das Angebot in der Lindenstadt so positiv angenommen wird. „Es ist eine gute Möglichkeit der Nachhaltigkeit“, ist sie überzeugt. Die Idee dazu hatte sie schon vor einigen Jahren, durch den Stadtentwicklungsprozess und die dazugehörende „Arbeitsgruppe Querschnittsthemen und nachhaltige Entwicklung“ nahm die Idee noch mal Fahrt auf.

Im April 2019 fiel dann der Startschuss für das Reparatur-Café. „Vorher hatte ich keine Örtlichkeit. Jetzt haben wir die tollen Räumlichkeiten im Jugendhaus“, sagt Olma, die selbst bei den Treffen (jeden vierten Sonnabend im Monat in der Zeit von 9.30 bis 12 Uhr) dabei ist und sich unter anderem um die Annahme der Geräte kümmert. In der Weihnachtszeit gab es währenddessen auch Nähaktionen, die von Maria Babic und Marianne Kostorz in die Hand genommen wurden. „Ein alter Herr kam vorbei und fragte uns, ob wir Leinen brauchten“, erzählt Olma und schmunzelt. Passend zum Fest wurden etwa Sterne genäht. Manche Gäste kamen auch einfach mit ihrem eigenen Stoff vorbei und wollten sehen, wie die Expertinnen nähten.

Die Ehrenamtlichen – insgesamt sind es sieben – werkeln dann weiter hinten im Jugendhaus. Die Besucher können entweder ihr Gerät nur abgeben, oder sie bleiben und schauen beim Reparieren zu und schnacken ein bisschen. „Das passiert oft“, freut sich Olma über die Gäste, die oft schon eine Viertelstunde vorher vor dem Fönix bereitstehen und darauf warten, dass sich die Türen des Jugendhauses öffnen. „Es läuft so, wie ich mir das gewünscht habe“, sagt die Agenda-Beauftragte. Das liegt nicht nur daran, dass das Team mit dem Reparatur-Café einen Nerv getroffen hat, sondern auch, dass „wir eine Achtung vor der handwerklichen Arbeit geschaffen haben“.

Gerne würde sie zusätzlich noch Jugendliche mit dem Angebot ansprechen. In den rund 14 Monaten waren zweimal Teenager da, um mal den Ehrenamtlichen über die Schulter zu schauen. Zwar kämen derzeit eher ältere Bassumer und nehmen das Angebot wahr, aber „sie hängen an ihren Geräten und sind auch sehr dankbar dafür, wenn sie wieder fertig sind“.

Natürlich wären mehr Ehrenamtliche klasse, denn dann könne mehr repariert werden. Aber auch sonst ruht sich das Team nicht aus, sondern versucht, die Arbeit besser zu machen. So wurde jüngst von der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) eine Crowdfunding-Plattform gestartet, auf der Projekte von allen unterstützt werden können. Auch das Reparatur-Café ist vertreten, um sich davon Werkzeuge zu kaufen. Zwar bringen die Ehrenamtlichen selbst ihr Werkzeug mit, aber manchmal ist doch spezielleres Gerät notwendig: sei es eine Stirnbandlupe mit LED, ein Vielfachmesser, eine Krimpzange. Jeder kann im Internet auf der Seite www.awg-bewegt.de das Projekt auswählen und für das Reparatur-Café spenden. „Das ganz große Ziel wäre natürlich ein eigener Werkzeugschrank“, träumt Olma ein wenig.

Doch bis das so weit ist, muss das Café erst einmal wieder starten. Denn seit dem Beginn der Corona-Krise im März ruhen die Arbeiten der Ehrenamtlichen. Aber, und darauf hofft die Agenda-Beauftragte, es soll im August wieder losgehen. „Wir hoffen, dass das möglich ist. Wir werden die Fallzahlen beobachten“, kündigt sie an. Das Problem sei, dass das Jugendhaus zwar ordentlich durchgelüftet werden könne, aber die Abstandsregeln seien nicht einhaltbar. „Wir müssen uns zusammensetzen und schauen, wie wir das umsetzen“, sagt Olma. Ob die Bassumer ihre Geräte abgeben, aber nicht bleiben dürfen, oder jeder Ehrenamtliche an einem eigenen Tisch sitzt, das wird noch geklärt. Egal wie – Reinhild Olma wünscht sich, dass das Reparatur-Café endlich wieder beginnt. Und da ist sie nicht die Einzige: „Die Leute rufen mich an und fragen, wann es wieder losgeht. Sie warten richtig darauf.“

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