Schießen

Finja Kölling hat ein klares Ziel vor Augen

Tolle Ausscheidungswettkämpfe zur Europameisterschaft, dazu der Aufstieg mit dem SV Bramstedt in die 2. Luftgewehr-Bundesliga: Für Finja Kölling läuft es hervorragend. Nun hofft sie auf den Nachwuchskader.
31.03.2020, 15:08
Lesedauer: 4 Min
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Von Thorin Mentrup
Finja Kölling hat ein klares Ziel vor Augen

Finja Kölling hat sich mit Topleistungen in den nationalen Fokus geschossen.

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Die Corona-Pause ist für Finja Kölling eine Auszeit zur Unzeit. Die junge Sportschützin des Schützenvereins Bramstedt hat in den vergangenen Monaten nämlich eindrucksvoll gezeigt, wie viel Talent in ihr steckt. Sie hat sich in den Fokus geschossen, mit ihrem Team den Aufstieg in die 2. Luftgewehr-Bundesliga geschafft und beinahe sogar den Sprung zur Europameisterschaft. Doch auch die Schützenwelt steht dieser Tage still, rigoros hat der Deutsche Schützenbund etwa alle Deutschen Meisterschaften und alle seine weiteren sportlichen Veranstaltungen auf Bundesebene für das laufende Jahr 2020 abgesagt. So wird auch Kölling erst einmal ausgebremst. Nicht einzudämmen ist allerdings der Tatendrang der 16-Jährigen, die nach der Pause ein klares Ziel anstrebt: Sie will in den Nachwuchskader NK2, die erste Kaderstufe im Deutschen Schützenbund.

Es wäre so etwas wie der endgültige Schritt ins Rampenlicht für Kölling. Auf Landesebene ist ihr der bereits gelungen. Sie schießt im Fortgeschrittenen-Kader des Nordwestdeutschen Schützenbundes, ist ebenso Teil des Kaders des Schützenbundes Niedersachsen am Olympiastützpunkt in Hannover. Zeit also, die nächste Stufe zu erklimmen. Vorbereitet hat sie diesen Schritt in den letzten Monaten. Da waren zunächst die exzellenten Leistungen bei den Ausscheidungskämpfen zur Europameisterschaft: In München stellte sich Kölling zunächst 29 anderen Schützinnen – zum Vergleich: Bei den Jungen schossen nur 14 Teilnehmer. Die Leistungsdichte war in Köllings Feld also ungleich höher, die Konkurrenz darüber hinaus geschlossen älter als die Bramstedterin. Drei Durchgänge unter Hochspannung. Doch Kölling zeigte auf der großen Bühne die größte Leistung – das also, was Spitzensportler auszeichnet. 625,5 Ringe im ersten Durchgang waren Bestleistung, 1865,0 insgesamt eine sehr starke Ausbeute, die sie als Siebte in die nächste Runde beförderte. Ihre Performance überraschte Kölling selbst ein bisschen. „So gut hatte ich mich selbst nicht erwartet, auch wenn ich mich die ganze Zeit über sehr gut gefühlt habe.“

Top-Leistungen auf großer Bühne

Was einen knappen Monat später beim EM-Härtetest folgte, „war dann das Sahnehäubchen auf der Torte“, wie Kölling selbst sagt. „Das war schon richtig gut“, freut sie sich rückblickend immer noch darüber, dass sie sich ein weiteres Mal steigern konnte. Unter den Besten der Besten der Juniorinnen legte die 16-Jährige noch einmal eine Schippe drauf, stand nach drei Durchgängen bei 1866,2 Ringen und hatte im zweiten mit 625,8 erneut eine Bestleistung aufgestellt. „Um das mal einzuordnen: Das ist nationale Spitzenklasse“, sagt Thomas Taube, Sportleiter beim SV Bramstedt. Er hat Kölling auf ihren ersten Schritten begleitet und verfolgt die Entwicklung des Youngsters aus dem Talentnest ganz genau. Deshalb registriert auch er zufrieden: „Je höher die Ansprüche, desto besser wird Finja.“

Auch wenn es am Ende als Sechste nicht für die Qualifikation reichte, so hat Kölling doch viel mitgenommen aus diesem Wettkampf. Nicht nur Erfahrung, sondern auch neue Kontakte. Sie konnte sich mit den anderen Schützen, die allesamt bereits DSB-Kadererfahrung mitbringen, austauschen und auch die Trainer kennenlernen. „Wir hatten schon sehr viel Kontakt zueinander, waren im selben Hotel und haben gemeinsam gegessen. Es war spannend, sie alle mal kennenzulernen“, erzählt das Schieß-Talent. Taube ist fest überzeugt: „Auch die Trainer haben Finja jetzt auf dem Zettel.“ Das ist mindestens ein Zwischenschritt auf dem Weg zur Luftgewehr-Elite. „Ich hoffe, dass sie nicht so weit weg ist“, sagt Kölling, die auch die wichtige Arbeit mit dem Kleinkalibergewehr nicht schleifen lässt. Wichtig, „weil man viel sauberer arbeiten muss“, wie Taube erklärt. „Das ist Teil einer vernünftigen Ausbildung.“

Den Grundstein für ihre stetige Verbesserung legt Kölling im Training mit Marcus Hemmelskamp. „Marcus bringt sie zu diesen Ergebnissen“, weiß Taube und sieht seine Rolle bescheiden. Der Landeskader-Trainer betreut das Talent vor Ort, teilweise auch auf dem Schießstand in Stuhr. Er ist ein gewissenhafter Coach, aber auch einer, der gute Leistungen einfordert. „Das ist aber auch wichtig für mich. Er hilft mir sehr weiter“, sagt Kölling, die dreimal pro Woche trainiert. Dazu kommen Kaderlehrgänge und Wettkämpfe am Wochenende. Schießen ist ein ganz schön zeitintensives Hobby. Doch Kölling will gefordert und gefördert werden. Dazu gehören auch mal etwas deutlichere Worte von Hemmelskamp, „wenn ich nicht abliefere, was ich eigentlich kann“. Wozu sie fähig ist, das hat sie bei den EM-Ausscheidungsrunden gezeigt. Diese Resultate sind nun der Maßstab für die Zukunft.

Weiter in Bramstedt

Diese liegt weiterhin in Bramstedt. Daran hat Kölling selbst entscheidenden Anteil. Denn sie führte das Luftgewehr-Team des Schützenvereins an, das im Februar in Hannover den Aufstiegswettkampf zur 2. Bundesliga Nord gewann. Wäre der SV in der Verbandsoberliga geblieben, wäre Köllings Zeit in Bramstedt zu Ende gegangen. „Das war auch klar so besprochen“, ist Taube ehrlich. Kölling ist reif für eine größere Herausforderung. Dank des Aufstiegs bleibt sie und bekommt neue, noch stärkere Kontrahentinnen, mit denen sie sich messen muss, um ihre Entwicklung voranzutreiben. Doch auch für den SV Bramstedt hat der Aufstieg etwas Gutes: Er bleibt interessant für seine Talente, zu denen zum Beispiel auch Emma Peters oder Köllings Schwester Ronja zählen. „Wir können den jungen Leuten eine Perspektive bieten“, registriert Taube zufrieden. Die 1. Bundesliga, in der die Klubs ihre Topleute teilweise einfliegen, sei dagegen kurzfristig eine Nummer zu groß für den Verein. Für Schützinnen, die in Bramstedt ausgebildet wurden, gilt das dagegen nicht: Nadine Gudert war in der vergangenen Saison beim KKS Nordstemmen die beste Schützin ihres Teams, Annika Neumann (SV Gölzau) legte mit einem Schnitt von mehr als 393 Ringen ebenfalls beeindruckende Zahlen auf. Das hat natürlich auch Kölling verfolgt. „Annika war immer ein Vorbild für mich. Ich konnte immer sehen, was sie tut, und mir auch etwas von ihr abschauen.“ Neumann selbst ist ab und an noch auf dem Stand in Bramstedt anzutreffen. Das freut auch Taube: „Sie ist ein gutes Beispiel für unsere jungen Schützen, wohin man es von Bramstedt aus schaffen kann.“

Nach ganz oben nämlich. Das ist weiterhin Köllings Antrieb, auch wenn die Corona-Pause sie erst einmal ausbremst. Sie muss – wie fast alle – zu Hause bleiben. „Ich kann aber trotzdem verschiedene Sachen machen, zum Beispiel mir den Schussablauf genau durch den Kopf gehen lassen“, beschäftigt sie sich weiterhin mit ihrem Sport. Den Fokus wird Finja Kölling also nicht verlieren. Schließlich hat sie ein klares Ziel im Visier.

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