Schießen

Viel mehr Arbeit als zuvor für Jens Voß

Auch der Schießsport ruht. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Bassumer Jens Voß sich entspannt zurücklehnen kann. Im Gegenteil.
09.11.2020, 18:00
Lesedauer: 4 Min
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Viel mehr Arbeit als zuvor für Jens Voß
Von Jürgen Juschkat

Bassum. Eigentlich hätte Jens Voß als Referent Liga und Rundenwettkämpfe im Nordwestdeutschen Schützenbund (NWDSB) am Wochenende am Telefon, Computer und vor zwei 27-Zoll-Bildschirmen gesessen und die Ergebnisse verarbeiten müssen. Die Corona-Auflagen haben das aber verhindert, denn die Wettbewerbe mit Luftgewehr und Luftpistole auf Verbandsebene wurden noch vor der zweiten Runde ausgesetzt. Die neuen bundesweiten Beschränkungen aufgrund der erhöhten Infektionswerte verhinderten den Einsatz des Bassumers.

Jens Voß ist auf Landesverbands-Ebene zuständig für die Verbandsoberliga der Luftpistolen-Schützen, für die Verbandsober- und die Verbandsliga der Luftgewehrschützen sowie für die Rundenwettkämpfe der Kleinkaliberschützen in den Disziplinen 60 Schuss liegend und 3x20, also den Dreistellungskampf. Der Aufgabenbereich des Bassumers soll sogar ab Sommer 2021 durch die Auflage-Liga der Senioren erweitert werden. „Die Ausschreibung steht, geschossen werden soll nach Liga-Modus“, erklärt der Lindenstädter und denkt dabei besonders an Fünfer-Mannschaften, aus denen Schützen jeweils von Position eins bis fünf gegeneinander antreten.

Ab 8.30 Uhr am Telefon

Am Wettkampftag der bislang vorhandenen Ligen sitzt Voß eigentlich ab 8.30 Uhr am Telefon, falls ein Kampfrichter nicht kommt oder eine Mannschaft verspätet ist. „Dann muss ich zu erreichen sein, falls ein Kampfrichter oder Verein Rat sucht“, begründet der Liga-Leiter den zeitigen Einsatz. Später stellt er bei Facebook die einzelnen Ergebnisse ein und pflegt die aktuellen Ergebnis- und Setzlisten in die offizielle Ebene des Verbandes ein. „Es kann schon sein, dass das Telefon klingelt und ich strittige Punkte klären muss“, sagt Voß. Bis 18 oder sogar 19 Uhr dauert der Dienst für den Ehrenamtlichen. Schießzeiten können sich nämlich verschoben haben, weil zum Beispiel Stechen nach Ringgleichheit zusätzliche Zeit in Anspruch genommen haben.

Am vergangenen Wochenende wäre in den drei Ligen mit Luftgewehr und -pistole der zweite Durchgang gewesen. Gewesen, denn die Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen hat das verhindert und Voß einen freien Sonntag beschert. Eine Woche vor dem Wettkampf-Termin musste er aufgrund der behördlichen Vorgaben die Meisterschaftsrunde canceln – nach Absprache mit dem Ligaausschuss, dem zusätzlich zu Voß noch Landessportleiter Volker Kächele, Damen-Leiterin Renate Viebrock, Pistolen-Referent Marcel Wundrich, der für den Gewehr-Bereich verantwortliche Thomas Breuer, die für die Kampfrichter zuständige Rita Mehl sowie die beiden Liga-Vertreter Burghard Seeliger und Marcel Handrick angehören.

„Ich hatte zwar einen freien Sonntag, an dem ich mich nur mit dem neuen Auswerte-Programm beschäftigt habe, doch in der Woche war es wesentlich mehr Arbeit“, stellte Voß fest. „Der Aufwand im jetzigen Liga-Jahr ist mehr als der in fünf Jahren zusammen“, musste der Ligaleiter feststellen. „Ich musste schauen, was zu Corona-Zeiten wo angesagt ist.“ Manchmal war es für Voß nicht einfach, weil Vereine es nicht verstanden haben, dass Wettkämpfe stattfinden oder abgesagt werden sollten. „Doch wenn wir immer gleich absagen, dann haben die Sportler kein Ziel mehr“, fügt der Leiter an. „Wir wissen auch nicht, ob nächstes Jahr etwas stattfinden kann. Wenn wir gewusst hätten, dass ab Mai wieder alles normal läuft, dann hätten wir die Saison 20/21 vielleicht ausfallen lassen. Wir sind aber in der Pflicht, etwas zu ermöglichen.“ Immerhin wurde die Möglichkeit von Fernwettkämpfen in Betracht gezogen, doch diese gibt es derzeit auch nicht. Der NWDSB-Ligaausschuss traf seine Entscheidungen einstimmig – sowohl am Anfang beim Punkt Fernwettkämpfe als auch jetzt, als es um eine Absage oder eine Verschiebung ging. Nun wurde aber erst einmal verschoben.

NWDSB, Kreisverband, Bundesliga

Voß weiß auch als Präsident des Kreisverbandes Bassum nicht, ob es eine Schützenfest-Saison 2021 geben kann. Zumindest die aktuellen Kreismeisterschaften wurden bereits durchgezogen.

Jens Voß ist aber nicht nur für die NWDSB-Ligen verantwortlich, sondern trainiert auch die Luftpistolen-Bundesligaschützen des SV Bassum von 1848 und ist im Liga-Ausschuss Vereinsvertreter der 1. Bundesliga Nord. Er hat das Drama der Absage im Bereich der Bundesligen hautnah miterlebt. „Ende September wurde kurzfristig der Wettbewerb abgesagt“, erinnert er sich. Bei der Ligaausschuss-Sitzung sprachen sich nur drei Vertreter für eine Ausrichtung aus – unter anderem auch der Trainer der 1848er. Es gab viele Kritiker der Absage, deren Argumente kann Voß aber durchaus verstehen. Nach der Entscheidung trat sogar der Liga-Leiter Süd der 2. Bundesligen Luftgewehr und Luftpistole zurück.

Ersatz-Wettkämpfe geplant

Ganz pausieren wollen die Bundesligisten aber nicht. Deshalb gibt es einen Ersatz-Wettkampf. Im Luftpistolenbereich nehmen neun Erst- und drei Zweitligisten an zwei Terminen daran teil. Geschossen werden soll möglichst am 12./13. Dezember, also an zwei Tagen – sofern das wieder erlaubt sein wird. Jeweils sechs Mannschaften haben sich für einen Direkt- beziehungsweise den Fernwettkampf für den ersten Durchgang ausgesprochen. Bassum wäre bereit und ist auch vorgesehen, wenn das mit dem Auftakt-Durchgang funktionieren sollte. St. Sebastianus Schützenbruderschaft Pier, Sportschützen Fahrdorf, SV GK Hannover, GTV Bremerhaven, FSV Olympia Berlin wären dann bei den 1848ern zu Gast. Den ersten Fernwettkampf wollen SV Schirumer-Leegmoor, SV Ocholt-Howiek, Freischütz Wathlingen, SV Uetze und die Stralsunder Schützen-Compagnie bestreiten.

Am 16. und 17. Januar, wenn eigentlich Bundesliga geschossen werden sollte und der SV Bassum von 1848 seinen Heimwettkampf hätte austragen sollen, wollen aber alle zwölf Teams einen Fernwettkampf bestreiten. Auch die Gewehrschützen im Norden verständigten sich auf einen Ersatz-Wettkampf – jedoch an einem Ort. „Das geht doch mit Abstand“, hat Voß festgestellt. Doch nun heißt es erst einmal abzuwarten und zu hoffen, dass die Corona-Pandemie in den Griff bekommen wird.

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