Schulausschuss Bassum Anbau verzögert sich

Die Grundschule Bramstedt soll einen Anbau bekommen. Dessen Bau verzögert sich nun. Deshalb wird eine Übergangslösung notwendig, erfuhren am Dienstagabend die Mitglieder des Schulausschusses Bassum.
26.05.2022, 09:28
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Anbau verzögert sich
Von Micha Bustian

Bassum. Wie viele Menschen passen sitzend und teilweise an Tischen in den Versammlungsraum der Bramstedter Feuerwehr? So etwa 70? Diese Annahme ließ sich am Dienstagabend unterstützen. Denn da waren neben den Mitgliedern des Bassumer Schulausschusses und den Teilnehmern von der Stadtverwaltung ungefähr 50 Besucher zur Sitzung gekommen. Ungewöhnlich. Doch Tagesordnungspunkt zehn erklärte diesen Ansturm. Da standen nur zwei Worte: Grundschule Bramstedt.

Erster Stadtrat Karsten Bödeker erklärte, worum es bei dem Tagesordnungspunkt ging. Eine Beschlussvorlage sei aus Zeitgründen nicht erstellt worden. Also mündlich. Wegen wachsender Schülerzahlen müsse ein Anbau mit vier Unterrichts- und weiteren vier Differenzierungsräumen her. Dies müsse nicht mehr beschlossen werden, erklärte die Ausschussvorsitzende Eike Sellmer von den Grünen, weil dies bereits am 2. Dezember 2021 einstimmig im Rat geschehen sei. Auch Geld sei bereits in den aktuellen Haushalt eingestellt worden – etwa 1,5 Millionen Euro. Und dennoch entwickelte sich dieser Tagesordnungspunkt zum zeitintensivsten. 

Warum? Weil der Anbau nicht wie geplant fertig wird. Eigentlich sollte noch in diesem Jahr mit den Bauarbeiten begonnen werden, damit die Erweiterung zum Schuljahresbeginn 2023/24 steht. Klappt nicht. Als Gründe führte Karsten Bödeker Krankheitsausfälle im städtischen Hochbauamt an, dazu Ungewissheiten im Baubereich, bei den Firmen und der Materialbeschaffung. "Aber es wäre so oder so knapp geworden", so der Erste Stadtrat. Deshalb würde er lieber jetzt eine klare Aussage machen, als später eine böse Überraschung erklären zu müssen. Das Verschieben der Fertigstellung auf 2024 sei "nicht schön, nicht populär, aber realistisch".

Das heißt: Für das Schuljahr 2022/23 muss eine Zwischenlösung her, denn die erste Klasse wird dann zweizügig. Diese Zwischenlösung bedeute viel Arbeit, kündigte Karsten Bödeker an. Zeitnah gebe es einen Termin mit dem Planungsbüro, um die Ausschreibung und die Auswahl der beteiligten Firmen zu erarbeiten. Dann soll "gemeinsam mit der Schule und den Eltern eine akzeptable Zwischenlösung und eine gute Endlösung entwickelt werden". Dabei könne man gleich auch einen Zeitplan für die ab 2026 verpflichtende Ganztagsbetreuung machen.

Das Echo war ernüchternd. "Gutsherren-Mentalität", warf Bramstedts Ortsvorsteher Julian Zurmühlen der Stadtverwaltung vor. Seit 2019 wüsste man, dass ausgebaut werden muss, aber es gebe immer noch viele offene Fragen. Zurmühlen wollte wissen, was Mobilbauten kosten und wo ein solcher Container hingestellt werden solle. Eigentlich aber sei er dagegen, "Kinder in Provisorien einzusperren". Hans-Hagen Böhringer ergänzte, dass sich die CDU-Fraktion "klar gegen einen Mobilbau" aussprechen werde. Und Lehrervertreterin Ute Lindberg-Poppa ging davon aus, dass die Stadtverwaltung für die Fertigstellung des Anbaus im Jahr 2024 auch keine Garantie übernehmen könne. Karsten Bödeker intervenierte, er habe das Wort Garantie nie benutzt. Die Reaktion aus dem Publikum: höhnisches Lachen, Kopfschütteln und Abwinken.

Rainer Hartmann von den Grünen war es, der versuchte, Druck vom Kessel zu nehmen. Die Bauverzögerung werde doch "stark dramatisiert". Bei der Stadt Bassum seien zwischenzeitlich ganze Abteilungen ausgefallen, unter anderem der Bereich Hochbau. Auch Maria Babic (Gruppe Gemeinsam) brach eine Lanze für die Verwaltung. Es seien halt Dinge wie die Corona-Pandemie dazwischengekommen, für die niemand etwas könne. "Plan A war gut, aber er ist zurzeit halt nicht zu machen." Sie versprach, dass die Politik alles tun werde, um den Plan schnellstmöglich umzusetzen.

Zur Sache

Ganztag für die Grundschule Neubruchhausen

Die Grundschule in Neubruchhausen wird, so schnell es geht, zur Ganztagsschule. Das ist zumindest der Wille des Bassumer Schulausschusses, der am Dienstagabend tagte. Bei einer Enthaltung sprach sich das Gremium dafür aus.

Alternative eins wäre gewesen, dass alles bleibt, wie es ist. Das allerdings hätte bedeutet, dass sieben für den Hort angemeldete Kinder nicht hätten betreut werden können. Alternative zwei: eine zweite Hortgruppe. Dazu bräuchte es allerdings zwei neue Erzieherinnen. Und: Die Räume, in denen nachmittags betreut wird, dürfen nicht an das Schulumfeld erinnern.

Deshalb also Variante drei, die ergänzende Ganztagsschule, die im Jahr 2026 ohnehin verpflichtend wird. Die beinhaltet eine pädagogische Fachkraft, die sich in 15 Stunden um die Koordination der Nachmittagsbetreuung, das Mittagessen, die Hausaufgaben und die Betreuung selbst kümmern soll. 

Einen Plan B, falls sich kein entsprechendes Personal finde, gebe es nicht, räumte Julia Niemann von der Stadtverwaltung ein. Dörte Binder (CDU) wies auf den Lehrermangel hin und erklärte, sie sei "sehr skeptisch, dass am Nachmittag Unterricht stattfinden" könne. Das allerdings sei auch nicht nötig, entgegnete Niemann. "Der Nachmittag wird von Kooperationspartnern wie Vereinen gestaltet. Die Aufgabe der Schule ist es, das zu organisieren."

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