Schulausschuss Bassum Es gibt viel zu tun

Der Schulausschuss Bassum hat am Dienstagabend seinen Teilhaushalt einstimmig befürwortet. In der Diskussion kam zutage, dass die wachsenden Schülerzahlen für viel Arbeit sorgen könnten.
09.11.2022, 15:08
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Es gibt viel zu tun
Von Micha Bustian

Bassum. Hatte Eike Sellmer eine Vorahnung? Die Vorsitzende des Bassumer Schulausschusses begrüßte ihre Kollegen zur "hoffentlich vermutlich letzten Sitzung in diesem Jahr". Doch die Zusammenkunft am Dienstagabend im Rathaussaal machte deutlich: Es gibt viel zu tun. Und die Zeit drängt.

Wo liegt das Problem?

"Die Schülerzahlen wachsen enorm", präsentierte Julia Niemann von der Stadtverwaltung die Wurzel der Schwierigkeiten. Beispiel Grundschule Petermoor: Dort werden die Schülerzahlen bis 2027/28 von nun 164 auf dann 241 steigen. Ein Extrembeispiel, doch alle anderen Grundschulen verzeichnen auch steigende Zahlen, wenn man den Daten aus dem Einwohnermeldeamt glaubt, die die Stadtverwaltung als Basis für ihre Rechnungen nahm. Mittelstraße und Petermoor in Bassum, Nordwohlde, Bramstedt und Neubruchhausen. Zurzeit werden dort 606 Kinder unterrichtet, 2026/27 könnten es bereits 740 sein. "Für die brauchen wir Platz", erklärt Niemann. Und das erst recht, wenn die verpflichtende Ganztagsbetreuung kommt. Auch das im Schuljahr 2026/27.

Welche Lösungsansätze liegen vor?

Erster Stadtrat Karsten Bödeker gab zu, dass die "Raumsituation an zwei Schulen sehr schwierig ist". Damit meinte er die Grundschulen am Petermoor in Bassum und in Nordwohlde. Am Petermoor habe man "die Schule komplett auf links gedreht". Das Ergebnis: "Dort existiert kein Quadratmeter mehr, der anders genutzt werden könnte als zurzeit." Zwei Klassenräume würden hier fehlen. Die kurzfristige Lösung: Mobilbauten. "Damit die Erstklässler im August 2023 auch kommen können." Dafür sollen 100.000 Euro in den Haushalt eingestellt werden.

In Nordwohlde fehlt laut Julia Niemann ein Klassenraum. Da dort das Platzangebot offensichtlich etwas größer ist, könne der Raum durch Umstrukturierungen geschaffen werden. 50.000 Euro stehen dafür im Haushalt des kommenden Jahres, der einstimmig befürwortet wurde.

An der Grundschule Mittelstraße wird gerade die Alte Schmiede so umgebaut, dass dort neben dem Werkraum auch der Hort seinen Platz findet. Und in Bramstedt entstehen momentan vier neue Klassen und zwei Differenzierungsräume durch einen Anbau (wir berichteten).

Karsten Bödeker verwies darauf, dass die steigenden Schülerzahlen "noch nicht belastbar" seien, man stehe erst am Anfang der Planungen. "Die Stadt ist an einem Punkt, an dem wir uns Gedanken machen müssen." Es müsse noch genauer hingeguckt, noch besser geplant und viel Geld investiert werden. "In der Kernstadt werden wir anbauen müssen und dürfen dabei nicht zu kurz springen." Der Erste Stadtrat riet dazu, sich externen Rat einzukaufen. Denn: "Die Situation ist nicht unbeherrschbar dramatisch, aber ernst."

Was sagt die Politik dazu?

Henning Meyer (CDU) sieht zu den Mobilklassen am Petermoor keine Alternative. Er verbat sich Denkverbote, "denn wir wollen ja weiterhin Baugebiete ausweisen". Und dorthin ziehen ja vornehmlich junge Familien mit Kindern. Hermuth Straßburg (Bürger-Block) reicht eine "temporäre Lösung nicht". Er fragte sich, ob die geplanten Einzelmaßnahmen ausreichend seien. Und er pochte auf etwas Nachhaltigeres, wollte darüber nachdenken, "was ganz Frisches auf die Wiese zu bauen, oder einen ganzen Flügel an die Grundschule Petermoor anzubauen". Dörte Binder (CDU) riet grundsätzlich zu einem stabilen Baugerüst für alle Bassumer Schulen.

Rainer Hartmann (Die Grünen) schließlich fand die "Situation im Moment nicht dramatisch". Man müsse bei den Schülerzahlen auch noch die beiden Privatschulen in Bassum berücksichtigen, die könnten Entlastung schaffen. "Wir sollten alle Möglichkeiten bedenken, bevor wir nach einer großen Lösung suchen." Das wiederum reicht Hermuth Straßburg nicht. Er will mehr Tempo, es "nicht ganz so bedächtig angehen", sondern 2023 schon zu einem Ergebnis kommen.

Das scheint auch nötig, denn Ganztagsbetreuung und steigende Schülerzahlen wirken sich nicht nur auf die Anzahl der Klassenräume aus. "Auch das Thema Mensa ist an allen Grundschulen ein riesengroßes", berichtete Julia Niemann. Und natürlich dürften die Differenzierungsräume nicht vergessen werden. "Wer zurzeit einen Differenzierungsraum hat, der hat schon viel."

Zur Sache

Und noch mehr Zahlen: Der Haushalt

Im Vorfeld der Haushaltsberatungen des Bassumer Stadtrates beraten die verschiedenen Ausschüsse jeweils ihren Anteil. So auch der Schulausschuss am Dienstagabend. Julia Niemann präsentierte die Zahlen. Im Ergebnis-Haushalt steht für alle fünf Grundschulen ein Defizit von 930.000 Euro. Der Grund: "Sach- und Dienstleistungen werden immer teurer."

Aber es wird kräftig investiert im kommenden Jahr. Die Stadtverwaltung pumpt 50.000 Euro in die Ausstattung der Grundschule Mittelstraße in Bassum, in Bramstedt sind dafür "nur" 18.500 Euro vorgesehen. Dazu kommen allerdings mehr als eine Million Euro zur Erweiterung und 50.000 Euro für die Ganztagsbetreuung und den Übergang dorthin. Für die Ausrüstung der Schule in Neubruchhausen hat die Stadt 14.500 übrig, die Schule in Nordwohlde erhält 18.500 Euro dafür. In Nordwohlde schlagen noch ein weiterer Klassenraum (50.000 Euro) und ein Spielgerät fürs Außengelände (25.000 Euro) zu Buche. Teuer wird's auch am Petermoor in Bassum: Eingetragen in den Haushalt sind 44.000 Euro für Ausrüstung und 100.000 Euro für zwei neue Klassenräume (siehe Text oben).

Dazu kommen 14.000 Euro für die Kreisschulbaukasse, 2000 Euro als Zuschuss für die EDV und 50.000 Euro für Leitlinien. Der Schulausschuss empfahl dem Rat einstimmig, diese Zahlen zu verabschieden.

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