Projektwoche bei der OBS

Skateboard statt Tafel, Hip-Hop statt Diktat

In der Oberschule in Bassum tauschten die Schüler der achten Klasse das Matheheft gegen das Skateboard oder Sport gegen Graffiti-Dose. Der Verein Cultures On The Road kam für fünf Workshops in die Lindenstadt.
24.06.2019, 13:48
Lesedauer: 2 Min
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Skateboard statt Tafel, Hip-Hop statt Diktat
Von Micha Bustian
Skateboard statt Tafel, Hip-Hop statt Diktat

Fürs Leben lernen wir: Kevin bekam von den Teamern des Vereins Culture On The Road das Skateboarden beigebracht.

Vasil Dinev

Bassum. Ronny will gar nicht mehr weg vom Plattenspieler. Der Achtklässler aus der Oberschule Bassum gefällt sich in seiner Rolle als Hip-Hop-DJ. Noch- und nochmal scratcht er den Tonarm über die Vinylscheibe, erzeugt Töne, die bei der holden Weiblichkeit einen großen Kicherfaktor auslösen. „Das macht schon Spaß, das zu lernen“, meint Ronny. In das Vergnügen ist er gekommen, weil Politiklehrer Andreas Hotopp den Verein Culture On The Road an die Oberschule Bassum gelockt hat. Für fünf Workshops.

„Die Noten stehen seit dieser Woche fest“, erklärt Andreas Hotopp, warum fast drei Wochen vor den Sommerferien auch Zeit ist für Lernerlebnisse der anderen Art. Graffiti statt Frontalunterricht, Skateboard statt Geräteturnen, House- und Elektromusik statt Diktat und Hip-Hop statt Mathe. Da wird fürs Leben gelernt, nicht für die Schule. Und in der Tat: Für Hotopp, Seiteneinsteiger im Fach Politik, haben benannte Kursinhalte durchaus etwas mit Politik zu tun. „In den Theorieeinheiten werden soziokulturelle Hintergründe besprochen, Klischees hinterfragt.“ Wie ist Hip-Hop entstanden, wie werden Graffitikünstler vermarktet? Fragen gibt's genug, die Dozenten von Culture On The Road gaben Antworten.

„So wachsen die Jugendlichen in eine solche Szene rein“, erläutert Andreas Hotopp. Aber: Die Achtklässler lernen auch, solche Szenen kritisch zu hinterfragen und nicht nur zu konsumieren. „Für Jugendliche vom Land ist es auch gut, mal ausprobieren zu können, was man sonst nur aus dem Fernsehen oder dem Internet kennt.“ Wer weiß, wo sie später einmal studieren oder arbeiten?

Teamer David hat zwischen dem Heizkraftwerk und den Garagen der OBS große Rahmen aufgestellt. Hauptsächlich junge Damen sitzen davor, zeichnen Skizzen auf weißen Untergrund. Einige haben sogar schon die Spraydosen in der Hand. David geht rum, gibt praktische Tipps, ermahnt die Teilnehmer, vorsichtig zu sein. „Hier sind alle superinteressiert, das ist klasse“, lobt der Mann aus Berlin seine Truppe. Ein Riesentalent, das er in die Hauptstadt entführen möchte, hat er indes nicht entdeckt. „Aber das ist auch egal, die sollen ja hier sprühen.“ Und dann ist er mitten im Thema: „Es wäre schön, wenn es in Bassum mehr Flächen gäbe, an denen sich junge Menschen kreativ austoben könnten.“

Das gilt auch fürs Skateboarding. Bis nach Stuhr müssten Boarder mit ihrem Rollbrett fahren, um ihrem Sport nachgehen zu können. Dozent Barney hat sicherlich einige Jugendliche mit dieser Sportart angefixt. Nur Andreas Hotopp ist damit nicht warm geworden. „Ich habe mich voll auf den Bauch gelegt“, sagt der Initiator dieser Aktion und lacht. „Zur Freude der Schüler.“

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