Ausbildung zur Standesbeamtin "Einer der schönsten Berufe"

Anke Schulz ist langjährige Kämmerin der Stadt Bassum. Nun verhilft sie Menschen zum schönsten Tag ihres Lebens: Im April dieses Jahres hat sie eine Ausbildung zur Standesbeamtin absolviert.
27.07.2021, 14:41
Lesedauer: 3 Min
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Von Antonia Blome

Bassum. Ob klassisch in weiß oder ganz schlicht, mit einer emotionalen oder sachlichen Traurede: In Bassum können Brautpaare ihre Traumhochzeit an verschiedenen Schauplätzen feiern. Möglich machen das die Standesbeamtinnen der Stadt. Vor Kurzem haben sie Zuwachs bekommen: Stadtkämmerin Anke Schulz hat eine Ausbildung zur Standesbeamtin absolviert, um Paaren zum schönsten Tag im Leben zu verhelfen.

Normalerweise kümmert sich die 56-Jährige als Kämmerin um die Finanzen der Stadt und stellt unter anderem den Haushaltsplan auf. Sie hat bereits ihre Ausbildung bei der Stadt Bassum absolviert. "Mir macht der Beruf Spaß, weil ich gerne mit Menschen und Zahlen arbeite", sagt sie.

Bisher gibt es in Bassum drei Standesbeamtinnen. "In letzter Zeit haben wir überlegt, ob wir uns im Standesamt breiter aufstellen sollten", sagt Anke Schulz. Im Durchschnitt lassen sich in Bassum etwa 80 Paare im Jahr trauen, schätzt sie. Aufgrund der Lockerungen sei allerdings damit zu rechnen, dass nun wieder mehr Trauungen in Bassum stattfinden. In Niedersachsen muss eine gesonderte Ausbildung abgeschlossen werden, um diesen Beruf zu erlangen. Am Schluss stehen außerdem zwei Prüfungen an. Anke Schulz schloss diese Ausbildung im April dieses Jahres ab.

Die erste Trauung, die die 56-Jährige alleine durchführt, steht ihr noch bevor und soll im kommenden Monat stattfinden. "Mir ist es wichtig, die Trauung persönlich zu gestalten und dafür vorher ein Gespräch mit dem Brautpaar zu führen", sagt Anke Schulz, die selbst langjährig verheiratet ist. "Ich habe das bei meinen Kolleginnen gesehen und finde das selbst sehr gut." Musikalische Untermalung der Traurede könne beispielsweise auch zum Programm gehören. Auf Wunsch des Paares sei aber natürlich auch eine eher formell und allgemein gehaltene Rede möglich. Brautpaare in Bassum zeigen derweil eine klare Tendenz, wenn es um den Veranstaltungsort geht: "Besonders gerne wird an der Alten Oberförsterei, im Stift Bassum oder in der Freudenburg gefeiert", weiß Schulz.

Wer an das Standesamt denkt, wird sich wahrscheinlich zuallererst eine Hochzeit vorstellen. Dabei ist der Aufgabenbereich um einiges vielfältiger, wie die Stadtkämmerin betont. Standesbeamte sind auch für die Sachbearbeitung und Beurkundung von Personenstandsfällen – also Geburten, Eheschließungen, Verpartnerungen und Todesfälle – sowie die damit verbundenen Anliegen der Namensführung verantwortlich. Den Zauber nähmen die sachlichen Seiten der Tätigkeit dem Beruf allerdings nicht: Bei einem Seminar für Standesbeamte sagte der Leiter laut Anke Schulz: "Standesbeamter zu sein, ist einer der schönsten Berufe." 

Seitdem die Corona-Inzidenz im Landkreis Diepholz über zehn liegt, gelten für Hochzeiten wieder strengere Regeln. Auf privat geschlossenen Feiern in der Gastronomie sind maximal 100 Personen erlaubt. Diese benötigen einen negativen Corona-Test und dürfen die Maske nur am Tisch abnehmen. Feiern auf privatem Grund, zum Beispiel zu Hause, im Garten oder auf angemieteten Flächen dürfen nach den aktuell geltenden Kontaktregelungen stattfinden. Bei einer Inzidenz von zehn bis 35 dürfen sich also bis zu zehn Personen aus genauso vielen Haushalten treffen. Dazu kommen Kinder bis 14 Jahre sowie Geimpfte und Genesene.

Zur Sache

Der Beruf des Standesbeamten

Seit 1876 sind die Standesbeamten in den Städten und Gemeinden für den Staat sowie die Bürger in Deutschland tätig. Die Standesbeamten sind hierzulande hauptsächlich weiblich. "Die Arbeit der Standesbeamtinnen und Standesbeamten ist ein wesentlicher Beitrag für das Funktionieren der Gesellschaft, der Volkswirtschaft und der öffentlichen Verwaltung", teilt der Bundesverband der Deutschen Standesbeamtinnen und Standesbeamten (BDS) mit.

Zu den Aufgabenbereichen gehört unter anderem die Beurkundung von Vaterschaftsanerkenntnissen sowie von Namenserklärungen für Kinder, Ehegatten, Lebenspartner und Spätaussiedler. "Durch die fortschreitende Globalisierung und durch die immer weiter steigende Mobilität der Bevölkerung stehen die Standesbeamtinnen und Standesbeamten vor neuen Herausforderungen", informiert der BDS. Sie müssen nicht nur das frühere und heutige deutsche, sondern auch das ausländische Ehe-, Familien- und Namensrecht einschließlich des internationalen Privatrechts aller Staaten, deren Angehörige die Dienste des Standesamtes benötigen, kennen. Darüber hinaus sind Kenntnisse des Lebenspartnerschaftsrechts, des Ausländer-, des Staatsangehörigkeitsrechts und schließlich auch über die Meinung der wichtigsten Kommentatoren und Entscheidungen der obersten Gerichte erforderlich.

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