Sozialausschuss Bassum Die Zeit drängt

Kinder und ihre Kita- beziehungsweise Krippen-Plätze waren das beherrschende Thema im Sozialausschuss in Bassum. Das Problem: Es braucht mehr Plätze. Die gute Nachricht: Es gibt Lösungen.
17.03.2021, 17:05
Lesedauer: 4 Min
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Die Zeit drängt
Von Tobias Denne

Bassum und seine Familienfreundlichkeit. Nicht erst seit gestern arbeiten Verwaltung und Politik daran, den Menschen vor Ort ein attraktives Angebot zu bieten. Auch Eltern dürften in der jüngsten Vergangenheit oft zustimmend genickt haben, wenn etwa die Bagger am Feuerwehrhaus in Bramstedt oder der Kita Kinder-Reich angerollt waren. Das bedeutet kurz- bis mittelfristig: neue Krippen- beziehungsweise Kita-Plätze für die Lütten. Nun darf eine Kommune nicht einfach nur auf das kommende Jahr schauen, sodass der Erste Stadtrat Norbert Lyko in der jüngsten Ausschusssitzung für Soziales und Familie die mittelfristige Kita-Planung vorstellte. Wie bereits berichtet, sind Krippen-Plätze das neue Gold. Und das zeigte Lyko noch einmal deutlich. Kurz geschrieben: Es führt kein Weg an neuen Gruppen (und demnach neuen Bauten) vorbei.

Wie gravierend teilweise die Probleme in der Lindenstadt sind, zeigte sich an Lykos Vortrag, für den er eigentlich 20 Minuten eingeplant hatte. Letztlich waren es knappe 40 Minuten. Die brauchte es auch, machte Lyko doch einen Rundumschlag: Alarmstufe rot herrscht etwa in Nordwohlde; gelb in Bassum und Bramstedt, in Neubruchhausen bleibt es erst mal bei grün.

Nun aber mal von vorne: Durch das Baugebiet in Nordwohlde kommen mehr Kinder in den Ort (voraussichtlich acht). „Dort wird reichlich gebaut, es kommt einiges auf uns zu“, sagte Lyko. Dort will die Verwaltung auf jeden Fall erweitern, allerdings scheiden sich die Geister an der Größe. Die Eltern und die Kita-Leiterin wollen eine Krippen- und eine Kita-Gruppe, die Verwaltung liebäugelt mit einer Gruppe, die altersübergreifend ist. „Da kommen wir nicht überein in der Planung“, sagte Lyko. Dass Zusatzbedarf besteht, steht außer Frage. Daher wird schnell eine Nachmittagsgruppe als Notlösung angeboten, um den Bedarf zu decken. „Das ist keine 100-prozentige Wunscherfüllung“, weiß auch Lyko.

Eine Erweiterung der Arche Noah geht ans Geld: So würden - Stand jetzt - zwei Gruppen die Stadt pro Jahr 200.000 Euro kosten, für eine Gruppe 100.000 Euro. „Das muss wohl durchdacht werden“, betonte Lyko. Die Kosten für den Bau würde der Evangelische Kita-Verband tragen, der auch der Träger der Arche Noah ist. Für die Schule in Nordwohlde sind das insgesamt aber gute Nachrichten, da es sein kann, dass sie wieder eigenständig werden könnte. „Das ist eine sehr, sehr positive Entwicklung“, freute sich der Erste Stadtrat angesichts stabiler Schülerzahlen. Vielleicht kommt auch noch ein weiteres Baugebiet, was Auswirkung auf die Größe hätte, aber das müsste natürlich vorher politisch beraten werden. Da die Entscheidung für oder wider zwei Gruppen schnell gefällt werden muss, wird es im April noch eine Ausschusssitzung geben, in der genau das das Thema sein wird.

Auch nicht rosig, aber nicht so dramatisch wie in Nordwohlde sieht es in Bassum aus. Dort wird derzeit der Anbau an das Kinder-Reich vorangetrieben und sorgt dafür, dass eine Gruppe zusätzlich möglich sein wird. Die braucht es auch, schließlich wird in der Kernstadt ordentlich gebaut: Insgesamt zehn Kinder sind bald zu erwarten. Das sorgt indes im Krippen-Bereich für Stau. Es sind derzeit 35 Kinder auf der Warteliste, „die sind nicht unterversorgt“, stellte Lyko klar. Denn Tagesmütter könnten den Bedarf zum Großteil decken. Dennoch: „Wir brauchen eine Krippen-Gruppe“, sagte er. Gespräche werden derzeit mit dem Lukas-Kindergarten geführt, der sich eine Erweiterung um eine Gruppe vorstellen kann. Der Vorteil: Ende des Jahres könnten dort schon Kinder betreut werden.

In Bramstedt braucht es eine neue Krippen-Gruppe, die aber ab Sommer 2022 im alten Feuerwehrhaus an den Start gehen kann. Im Moment sieht es im Ort zwischen Bassum und Syke noch ganz gut aus, es sind sogar noch zwölf Plätze frei im Kindergarten (Krippe gibt es ja noch nicht). Aber: „Die Schule erreicht ihre Kapazitäten“, warnte Lyko. Das liegt an den Baugebieten Dorfstraße II und III. Daher schlug er vor, im Herbst darüber zu sprechen, ob die Schule erweitert werden soll.

Neubruchhausens Fokus liegt im Moment auf einem neuen Baugebiet, das wahrscheinlich am Jacobsberg kommen wird und aus 18 Plätzen besteht. „Es besteht kein Handlungsbedarf“, machte Lyko deutlich angesichts von drei Kindern, die zu erwarten sind. Weitere Baugebiete werden zumindest nicht kurzfristig angegangen, da dort auch die Geburtenzahlen steigen.

Patrick Gralla von der Elternschaft betonte noch einmal, dass die Zeit in Nordwohlde drängt. „Das Wohnen in Nordwohlde ist attraktiv“, sagte er. Gralla kritisierte die Nachmittagsgruppe, sie „deckt sich nicht mit der Lebenswirklichkeit junger Familien“. Daher machte er sich stark für die Zwei-Gruppen-Lösung, „so schafft man Planungssicherheit auch für Eltern“.

Info

Zur Sache

Angebote im U3- und Ü3-Bereich

Krippen-Kinder insgesamt betreut: 166 Kinder

Kindergarten Kinder-Reich: 15 Plätze

Krippe Haus der kleinen Strolche: 30 Plätze

Krippe Neubruchhausen: 15 Plätze

Arche Noah, Nordwohlde: 15 Plätze

Lukas-Kindergarten: 15 Plätze

Mütter-Kinder-Zentrum: zehn Plätze

Tagesmütter: 66 Plätze

Krippe Bramstedt (ab 2022): 15 Plätze

Kita-Kinder insgesamt betreut: 526 Kinder

Kindergarten Kinder-Reich: 136 Plätze

Waldkindergärten: 30 Plätze

Kindergarten Bramstedt: 75 Plätze

Kindergarten Neubruchhausen: 36 Plätze

Rentei-Kindergarten: 110 Plätze

Arche Noah, Nordwohlde: 50 Plätze

Lukas-Kindergarten: 50 Plätze

Mütter-Kinder-Zentrum: 14 Plätze

Tagesmütter: 25 Plätze

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