Stiftskirche Bassum

Musik und Meinungsfreiheit

Zum Thema „Meinungsfreiheit“ wurde der Gottesdienst in der Bassumer Stiftskirche gestaltet. Schon fast traditionell spielte die Band School House Seven am Reformationstag in dem Gotteshaus auf.
01.11.2020, 17:16
Lesedauer: 2 Min
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Von Dorit Schlemermeyer
Musik und Meinungsfreiheit

Gehört schon fast zum Inventar des Gottesdienstes am Reformationstag: die Jazzband School House Seven.

Vasil Dinev

Meinungsfreiheit ist das Recht, sich eine Meinung zu bilden und diese zu äußern. In Deutschland ist das die begriffliche Kurzform für die in Artikel fünf Absatz eins des Grundgesetzes verbürgten Grundrechte der Meinungsäußerungsfreiheit, Informationsfreiheit, Pressefreiheit, Rundfunk- und Filmfreiheit. Diese gewährt jedem Menschen das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten. Und sie ist in aller Munde, so auch beim Gottesdienst zum Reformationstag in der Stiftskirche in Bassum.

„Jazz und Luther“ passte zur Initiative der evangelischen Kirchen in Niedersachsen „Reformation neu feiern“. So fanden die Besucher neben den Programmflyern lilafarbene Flyer mit der Frage: „Welche Farbe hat Deine Meinung?“ Der etwas andere Reformationsgottesdienst begann mit den School House Seven, die damit zum vierten Mal bei „Jazz und Luther“ auftraten: „At the Jazz Band Hall“ war einmal mehr ein Stück, das dem Publikum gefiel und das sich mit Applaus bedankte. Pastor Wiardus Straatmann begrüßte anschließend die Gottesdienstbesucher.

In seiner Lesung konfrontierte er sie mit kritischen Meinungsäußerungen, die der bayrische Landesbischof Heinrich Bedford-Strom via Internet erhalten hatte: „Ich halte sie für absolut charakterlos, genießen Sie die Zeit auf Erden, denn der Teufel wird Sie holen.“ Und während sich Leute so äußerten, seien andere der Ansicht, dass man sehr aufpassen müsse, zu welchen Themen man sich äußere. Vor 500 Jahren galt dies umso mehr: „Es brauchte viel Mut für Luther, um seine freie Meinungsäußerung über die gottlosen Tyrannen zu veröffentlichen“.

Dann ging es mit den School House Seven musikalisch weiter. Straatmann bedankte sich bei den sechs Musikern für ihren unentgeltlichen Einsatz. Mit dem Stück „South“ bewiesen Andreas Schnisa an der Trompete, Dirk Haverland am Schlagzeug, Olaf Wetjen an der Posaune, Boris Wagner an der Klarinette, Bernd Sagell am Banjo und David Bär am Kontrabass einmal mehr ihre musikalischen Qualitäten, die die Besucher zum „Mitswingen“ brachte.

Mit Kirchenvorstandsvorsitzendem Knut Laemmerhirt und Hans-Joachim Böhringer betraten zwei Protagonisten die Bühne, die Statements zum Thema Meinungsfreiheit hielten. So hatte sich Laemmerhirt darüber geärgert, dass es Menschen gibt, die behaupten, dass in Deutschland eine Meinungsdiktatur herrsche und es keine Meinungsfreiheit mehr gebe. „Wir leben in einem der freiesten Länder der Welt“, so Lämmerhirt. Man könne sogar behaupten, dass die Erde eine Scheibe sei oder auf die Straße gehen und brüllen „Merkel muss weg“, ohne dass das strafrechtliche Konsequenzen habe. Was passiere, wenn man „Lukaschenko muss weg“ rufe, sehe man täglich an den Demonstrationen im Fernsehen. Böhringer zitierte hingegen Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der USA: „Wer die Freiheit aufgibt, um die Sicherheit zu wahren, gibt beides auf.“ Danach konnte sich das Publikum auf einen der Klassiker aus dem Repertoire von School House Seven freuen: „Tin Roof Blues“. Die Predigt hielt Stefan Müller. Der Pfarrer im Ruhestand aus der ehemaligen DDR bezeichnete die Meinungsfreiheit als Gottesgeschenk: „Gesellschaftssysteme kommen und gehen, aber die Wahrheit bleibt.“

Nach den Fürbitten und dem gemeinsam gesprochenen Vaterunser war der Gottesdienst fast vorbei, aber den krönenden Abschluss konnten die Musiker für sich verbuchen mit „Bei mir bist du schön“ und der Zugabe von „When the Saints Go Marching In“. Einige Besucher hätten das Thema Meinungsfreiheit gerne noch vertiefter gesehen: „Mir hat das nicht gereicht, für mich gehört zur Meinungsfreiheit auch immer Verantwortung“, meinte eine Besucherin.

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