Corona SV Bassum von 1848: Das Virus im Hinterkopf

Die Sportler und das Coronavirus: Für die Bassumer Bogenschützen geht der Alltag mit Anpassungen weiter. Zur Deutschen Meisterschaft wären sie allerdings nicht gereist.
11.03.2020, 16:31
Lesedauer: 4 Min
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Von Thorin Mentrup

Die Entscheidung steht seit Mittwochmorgen: Die Deutschen Hallenmeisterschaften im Bogenschießen in Hof in Bayern fallen aus. Hintergrund ist das Coronavirus, das sich immer weiter ausbreitet und wegen dessen Großveranstaltungen wie Fußball-Bundesligaspiele ohne Zuschauer stattfinden. Eine behördliche Anweisung, wie es im Beamten-Deutsch heißt, habe es gegeben, teilte Stefan Kaufmann mit. Er ist Abteilungsleiter des ATSV Oberkotzau 1858, der die Titelkämpfe ausrichten sollte. Für die Bogensportler des SV Bassum von 1848 bedeutet diese Absage, dass eine rund 20 Jahre laufende Serie weiterhin Bestand haben wird. So lange sind sie immer bei den Meisterschaften vertreten gewesen. Doch dieses Jahr hätten sie sie ganz bewusst reißen lassen. Sie wären nicht nach Hof gefahren.

Bereits in der vergangenen Woche haben sich Recurve-Schütze Tim Schröder, der sich für die Meisterschaften qualifiziert hatte, seine Trainerin Gabriele Schwettmann sowie ihr Ehemann und Kampfrichter Gerhard Schwettmann dazu entschieden, nicht nach Süddeutschland zu reisen. „Das ist uns sehr schwer gefallen, weil wir an die Meisterschaften 2017 in Hof noch sehr gute Erinnerungen haben“, verrät Gerhard Schwettmann. Aber momentan gehe die Gesundheit vor und damit auch das Bestreben, die Verbreitung des Virus einzudämmen. „Da sind wir alle in der Verantwortung“, findet Schwettmann. Jeder müsse im Rahmen seiner Möglichkeiten dazu beitragen – auch Sportler. Das bedeute dann auch mal Verzicht, vor allem bei Großveranstaltungen wie in diesem Fall mit rund 600 Schützen aus dem gesamten Bundesgebiet, die im Wettkampf eng beieinander stehen, und darüber hinaus etlichen Helfern und Kampfrichtern. „Wir haben darüber natürlich länger gesprochen. Auch mit Tim. Er ist in guter Form, ein Top-Ten-Platz wäre für ihn dringewesen. Deshalb ist es natürlich schade. Aber er war einsichtig.“ Auch ihm selbst falle es nicht leicht, auf seine Aufgabe als Kampfrichter zu verzichten, so Schwettmann: „Ich sehe meine Kollegen zweimal im Jahr, man freut sich natürlich besonders, wenn es soweit ist.“ All das habe bei den Diskussionen eine Rolle gespielt. Letztlich habe sich aber durchgesetzt, das Virus, das mittlerweile in Weyhe und Stuhr angekommen ist, nicht nach Bassum bringen zu wollen.

Dieser Fall zeigt: Auch die Sportler im Kreisgebiet müssen sich dieser Tage damit beschäftigen, welche Auswirkungen das Virus auf ihr Hobby hat. Sie haben es im Hinterkopf. „Das ist Thema bei uns. Eine gewisse Unsicherheit ist natürlich da“, sagt Schwettmann. Den Trainingsbetrieb haben die Bogenschützen nicht eingestellt, aber angepasst: „Meine Frau ist da sehr akribisch. Wir haben immer eine Flasche Desinfektionsmittel dabei und vermeiden den direkten Körperkontakt, verzichten zum Beispiel auf Umarmungen.“ Der verantwortungsbewusste Umgang mit dem Virus sei das Wichtigste, findet Schwettmann.

Damit sind die Bassumer Bogenschützen auf einer Linie mit dem Landkreis Diepholz und dessen Kreisrätin Ulrike Tammen. Aus dem Sportbereich seien zwar kaum Vereine oder Verbände auf sie zugekommen, um nach Rat zu fragen. Dennoch steht für sie fest: „Das ganze Thema hat durchaus eine zusätzliche Dynamik erfahren. Generell halte ich es allerdings für wenig zielführend, per se alles zu verbieten in der Hoffnung, dass dadurch alles besser wird.“

Diese Aussage gelte auch für größere Veranstaltungen. Hier sei nicht unbedingt die von Gesundheitsminister Jens Spahn ins Feld geführte 1000-Besucher-Marke entscheidend für eine Absage. „Das muss man immer im Einzelfall entscheiden. Da gibt es verschiedene Faktoren, zum Beispiel mit welchen Personengruppen man es zu tun bekommt oder ob die Veranstaltung regional begrenzt ist“, erklärt Tammen. Sie gehe davon aus, dass Vereine bei Unsicherheiten mit dem Landkreis in Kontakt träten. Einen Überblick über alles könnten sie und ihr Team nämlich nicht behalten. Generell müsse man abwarten, wie sich die Gesamtsituation entwickle. „Es bringt jetzt nichts, bereits mehrere Monate vorauszuschauen“, meint Tammen, angesprochen zum Beispiel auf die Deutschen Meisterschaften im Korbball, die der TuS Sudweyhe im Mai in Leeste ausrichten wird.

Ein Turnier stellen auch die Bassumer Bogenschützen regelmäßig auf die Beine. Himmelfahrt ist der feste Termin, dieses Jahr am 21. Mai. 16 von 88 Plätzen seien noch frei, so Schwettmann. „Da geht es nicht um 1000 Personen, sondern eher um 200“, verdeutlicht er die Größenordnung, in der sich das Turnier bewegt. Dass es im Freien stattfindet, ist ein Vorteil, gilt das Virus dort bekanntlich als weniger gefährlich. „Wir werden trotzdem genau verfolgen, wie sich die Situation entwickelt“, erklärt Schwettmann. Den Bogenschützen geht es also nicht wesentlich anders als vielen anderen Sportlern der Region: Sie harren der Dinge, aber der Alltag geht erst einmal mit Anpassungen weiter. Nicht einmal das Aus der Deutschen Meisterschaften muss unbedingt schlecht sein, wie Schwettmann weiß: „Jetzt haben wir ein bisschen mehr Zeit, um uns auf die Outdoor-Saison vorzubereiten.“

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Zur Sache

Wenige Absagen

"Wir sind von 1000 Personen relativ weit weg. Der Rahmen ist eher klein", sagt Lothar Schmidt, Sportwart der Region Bremen im Tennisverband Niedersachsen-Bremen. Das bedeutet: Die Regionsmeisterschaften finden am Wochenende in Brinkum statt. 16 Männer und zwölf Frauen haben gemeldet. Etwas größer ist da schon das Reitturnier des RFV Diek-Bassum, für das mehr als 80 Reiter genannt haben. "Jeder soll selbst entscheiden, ob er kommen will oder nicht", so RFV-Vorsitzender Enno Buschmann. Einen Tag später sollen in derselben Halle zudem der Team-Jugend-Cup in Dressur und Springen stattfinden. Der letzte Lauf der Bremer Winterlaufserie dagegen fällt aus, wie der Veranstalter mitteilt.

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