Taff Bassum

Neue Ideen, neue Orte

Die Fachkräftesituation bleibt angespannt. Nun wurde darüber gesprochen, wie Unternehmen der Lage gerecht werden können. Ein zentraler Punkt dabei ist das Taff-Trainingszentrum. Doch es gibt noch mehr Ideen.
09.10.2020, 16:10
Lesedauer: 3 Min
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Von Yannik Sammert
Neue Ideen, neue Orte

Wichtiges Thema: Christoph Westerkamp begründete, warum die Veranstaltung zum Thema Fachkräftemangel trotz steigender Corona-Zahlen stattfand.

Michael Galian

Bassum/Landkreis Diepholz. Um Fachkräftegewinnung und -entwicklung ging es am Donnerstagnachmittag in Bassum. Die Stadt Bassum hatte zu einer entsprechenden Veranstaltung eingeladen, um mit Unternehmern aus der Region gemeinsame Wege der Jobqualifizierung zu entwickeln und sich auszutauschen. Vorweg habe es Überlegungen gegeben, den Termin aufgrund der steigenden Corona-Zahlen ausfallen zu lassen. „Das Thema ist sehr wichtig“, begründet Christoph Westerkamp, Geschäftsführer der Zahnradfabrik Stelter, jedoch den Verzicht auf eine Absage.

Das Treffen fand im Taff statt, dem Trainingszentrum für technische Ausbildung für Fachkräfte. Seit gut einem Jahr werden dort eine moderne Ausbildungswerkstatt, aber auch digitale Möglichkeiten wie E-Learning für die Qualifizierung von Fachkräften in Metall- und künftig auch Elektroberufen angeboten. Mit der Ausbildungswerkstatt möchten die Branchen dem Fachkräftemangel trotzen und eine Ergänzung im Ausbildungssystem anbieten. Zudem besteht bereits seit 2018 ein Unternehmernetzwerk. Die „aktive Zusammenarbeit in einer Branche oder in einer Region“ sei ein wichtiger Ansatz, um der Fachkräftesituation gerecht zu werden, heißt es in der Veranstaltungseinladung.

Auf eine andere Idee macht Markus Kamann, Geschäftsführer des Unternehmens Bang, aufmerksam. Bang betreut verschiedene Ausbildungsnetzwerke in Deutschland und unterstützt in Bassum „bei der Weiterentwicklung der Angebote“. Der Geschäftsführer regte bei dem Termin folgendes an: „Um Personal zu finden, sollten Unternehmen auch auf Klientel über Schüler hinaus eingehen“ – also zum Beispiel auf Studienabbrecher, Langzeitarbeitlose, Ältere und Menschen mit Behinderung. Bei all diesen Gruppen „können wir dafür sorgen, dass sie zu guten Facharbeitern bei Ihnen werden“, sprach Kamann die Unternehmer direkt an.

Daran anknüpfend erzählte auch Anneliese Hanelt von potenziellen Arbeitnehmern, die Unternehmen laut ihrer Aussage eher weniger auf dem Schirm hätten. Hanelt arbeitet für das Karrierecenter der Bundeswehr Wilhelmshaven und sorgt dafür, dass Soldaten nach ihrer Zeit beim Bund in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden. Aus- und Weiterbildungen werden von der Armee genauso angeboten wie Vermittlungshilfe. Der Hintergrund: 121 000 der insgesamt gut 250 000 Soldaten dienen nur auf Zeit.

Für Unternehmen ergibt sich somit die Option, an Arbeitskräfte zu kommen. „Da sind tolle Fachkräfte dabei“, betont Hanelt. Und nicht nur das: Zudem übernimmt der Bund in den ersten 26 Wochen optional bis zu 80 Prozent des Gehalts eines einzuarbeitenden Arbeitnehmers. Die Fachkräftemanagerin bot auf der Veranstaltung auch gleich an, die anwesenden Unternehmer in ein entsprechendes Stellenregister aufzunehmen. Als „hochinteressant“ bezeichnete Westerkamp ihre Schilderungen.

Bang-Mitarbeiterin Angela Schäfer berichtete an dem Nachmittag von Weiterbildungsmöglichkeiten zur Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten. Wie die Bezeichnung schon ausdrückt, können diese Arbeitnehmer bestimmte Aufgaben übernehmen und somit Unternehmen entlasten, falls keine üblichen Elektrofachkräfte zur Verfügung stehen. Auch über das Qualifizierungschancengesetz und Arbeitsmöglichkeiten für geflüchtete Menschen wurde im Taff gesprochen.

Die Ausbildungswerkstatt selbst war ebenfalls Thema. Genauer gesagt wurde der Frage nachgegangen, wie sich die Einrichtung gut ein Jahr nach der Eröffnung entwickelt hat. „Dank des hartnäckigen Handelns der Beteiligten und der guten Zusammenarbeit aller wurde ein erfolgreiches Zentrum geschaffen“, bilanzierte zum Beispiel Kamann. Westerkamp ergänzte: „Wir können hier sehr gut ausbilden und qualifizieren. Und die Idee scheint zu ziehen. Über das Taff kommen wir leichter an Bewerber ran.“ Davon profitieren einerseits feste Mitglieder. Aber Unternehmen können auch einzelne Module buchen.

HM-Anlagentechnik ist eines der angegliederten Unternehmen. Denn Geschäftsführer Thorben Wilkens ist von dem Konzept überzeugt. Er sagt: „Ich finde die Idee klasse, Fachkräfte auf diese Art und Weise zu schulen“. Aktuell lässt der Spezialist für Anlagenbau Auszubildende aus dem ersten Lehrjahr an dem Standort ausbilden. Basisfertigkeiten werden vermittelt. Der Grund: Die Firma besitzt keine eigene Lehrwerkstatt und könnte bei sich nicht gleichwertig lehren.

Thomas Feldmann, einer von zwei Geschäftsführern des Unternehmens Ludwig-Kramer-Maschinenbau, ist an dem Nachmittag zu Gast, um sich zu informieren und sich die Taff-Räumlichkeiten anzuschauen. „Die Bedingungen sind super. Hier gibt es alle Maschinen, die man braucht“, hat er beobachtet. Bisher nutzt die Firma das Zentrum nicht. Doch das könnte sich schon bald ändern. Feldmann plant, Auszubildenden, die bei etwas Schwierigkeiten haben, Nachhilfe beim Taff geben zu lassen. „Gegebenenfalls können wir uns auch mit anderen Unternehmen zusammentun und Weiterbildungen anbieten.“

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