Erster „Arche-Park“ Deutschlands

Tierpark Petermoor beherbergt einheimische und vom Aussterben bedrohte Arten

Im Jahre 1967 wurde der Tierpark Petermoor in Bassum gegründet. Er ist der erste „Arche-Park“ Deutschlands und beherbergt sowohl einheimische als auch vom Aussterben bedrohte Tiere.
09.05.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Dorit Schlemermeyer
Tierpark Petermoor beherbergt einheimische und vom Aussterben bedrohte Arten

Frühaufsteherin: Carolin Meineke mag die Zeiten im Tierpark Petermoor. Und die Ziegen.

Vasil Dinev

An einem beliebigen Sonntag im Tierpark Petermoor trifft man dort vor allem Familien an. Ein Vater bringt es auf den Punkt: Kinder, Tiere und frische Luft. Die Familie kommt aus Twistringen, besucht den Tierpark in Bassum regelmäßig. „Schön ist, dass er gleich um die Ecke ist, man nicht weit zu fahren braucht und keinen Eintritt zahlen muss.“ Das findet auch eine Familie gut, die aus Sulingen angereist ist: „Meine Lieblingstiere sind die Kattas“, erzählt der Vater. Und natürlich besuchen auch Bassumer an diesem Sonntag den Park: „Wir waren schon als Kinder hier und kommen jetzt mit unseren Kindern.“

„Wir wollen allen Besuchern den Zugang ermöglichen, das ist ein wichtiges Anliegen des Fördervereins“, betont Ewald Jahn, der Vorsitzende, und hat gerade die Spendenkästen geleert. Trotz Corona sei die Spendenbereitschaft ungebrochen - ebenso wie der Besucherandrang. „Wir haben sogar fast noch mehr Besucher als sonst, deshalb mussten wir heute schon Wäscheklammern verteilen, weil ja nur 50 Besucher im Park sein dürfen“, erzählt Marc Schumacher, der den Besucherempfang betreut an diesem Tag.

Er gibt die Richtung vor: Marc Schumacher ist der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins.

Er gibt die Richtung vor: Marc Schumacher ist der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins.

Foto: Vasil Dinev

Schumacher ist der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins, der damals zeitgleich mit dem Tierpark gegründet wurde. Das war 1967 und geschah auf Initiative des damaligen Stadtdirektors Wilhelm Lülker. „Man wusste nicht, was man mit diesem nassen, moorigen Gelände anfangen sollte, da hatte er die Idee“, blickt Schumacher auf die Geschichte zurück. „Außerdem hatten die Kommunen damals auch noch mehr Geld.“ Damals wünschten sich Betreiber und Förderverein vor allem exotische Tiere wie Flamingos und Papageien, weiß Schumacher. Die allerdings mussten dann im Bauhof überwintern.

Erste Arche-Park Deutschlands

Marc Schumacher ist stolz darauf, dass der Zoo im Jahr 2007 die Anerkennung als erster Arche-Tierpark Deutschlands durch die Gesellschaft zur Erhaltung alter Haustierrassen (GEH) erhalten hat. Die engagierten Mitglieder des Fördervereins haben es sich nach den exotischen Anfängen zur Hauptaufgabe gemacht, sich für den Erhalt von einheimischen und vom Aussterben bedrohten Haustierrassen einzusetzen. So leben zurzeit im Tierpark Diepholzer Gänse, Pommernenten, Thüringer Barthühner, Westfälische Totleger, Vorwerkhühner und Soay-Schafe. „Unsere Fläche ist leider begrenzt, deshalb können wir auch keine größeren Rassen wie das Bunte Bentheimer Hausschwein aufnehmen“, bedauert Schumacher. Dennoch kann er stolz sein auf eine große Zahl von Erfolgen bei der Nachzucht.

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Und eine weitere Genehmigung war eine große Freude für die Freunde des Tierparks: Nach zwölf Jahren bekam der Park seine Zoogenehmigung. Das hat den Vorteil, dass er unter anderem auch am Erhaltungszuchtprogramm teilnehmen kann, das den Tausch von Tieren mit anderen Zoos ermöglicht.

400 Tiere im Bassumer Zoo

400 Tiere beherbergt der Bassumer Zoo. Um sie kümmern sich hauptamtliche Tierpfleger, eine von ihnen ist Carolin Meineke: "Ich bin eine Frühaufsteherin, deshalb machen mir auch die frühen Anfangszeiten nichts aus“, erzählt die bei der Stadt angestellte Tierpflegerin und stellt sich gerne als Fotomotiv mit den Ziegen zur Verfügung.

Seit seiner Gründung in den 1960er-Jahren entwickelte sich der Park stetig weiter und wird immer attraktiver. Vorzugsweise zu den Jubiläen. So entstand zum 25-Jährigen eine Streichelzooecke für Kinder, die bis heute ein Hauptanziehungspunkt ist. 1996 wurde ein großes Teichgeflügelhaus mit Solaranlage zum Betrieb einer Wasserfontäne eingeweiht. Im Frühjahr 2001 zogen die Affen in ein neu erbautes Tierhaus ein und haben es seit 2009 noch besser: Dank eines großen Projektes des Fördervereins konnte der Ausbau einer kleinen Insel in dem vor dem Affenhaus liegenden Teich als „Affeninsel“ verwirklicht werden. 2013 wurde dann ein Freigehege für die Diepholzer Landgänse und Pommernenten errichtet - mit Projektfördermittel der Bingo-Umweltstiftung.

Der Tierpark Petermoor präsentiert vor allem heimische und vom Aussterben bedrohte Tiere.

Der Tierpark Petermoor präsentiert vor allem heimische und vom Aussterben bedrohte Tiere.

Foto: Vasil Dinev

Zum 50-jährigen Bestehen präsentierte sich der Tierpark der Lindenstadt attraktiver denn je mit einem neuen Kletterparcours mit Aussichtsplattform für die kleinsten Gäste. Seit 2019 gibt es eine weitere neue Attraktion: Ein dekoratives Fachwerkhaus mit hölzernen Pferdeköpfen am Giebel. Hier residieren die Hühner: Bergische Schlotterkämme, Vorwerk-Hühner und Thüringer Barthühner. Ihre Nachbarn im hölzernen Stall sind kleine Klopfer mit großen Ohren und weichem Fell: Deutsche Großsilber und kleine Rexe. Und auch die Pommern-Enten und Diepholzer Gänse haben jetzt ihre eigene Residenz mit einem großen Teich mit sprudelnder Quelle zum Baden.

Zu verdanken sind diese kreativen Entwicklungen vor allem dem tatkräftigen und stetigen Einsatz des Fördervereins, der mittlerweile 350 Mitglieder hat. Und so haben die beiden Vorsitzenden Ewald Jahn und Marc Schumacher den gleichen Wunsch: „Wir wünschen uns, dass es so weiter geht, und wir uns weiter über strahlende Kindergesichter freuen können.“ Mitglied kann jeder werden oder den Verein durch Spenden unterstützen, denn der Förderverein plant bereits die nächsten Projekte, wie die Erweiterung der Haustieranlage, um dort Diepholzer Moorschnucken halten zu können.

Gut für Familien: Der Tierpark Petermoor präsentiert vor allem heimische und vom Aussterben bedrohte Tiere.

Gut für Familien: Der Tierpark Petermoor präsentiert vor allem heimische und vom Aussterben bedrohte Tiere.

Foto: Vasil Dinev

Info

Zur Sache

Zurzeit nicht geöffnet

Zurzeit hat der Tierpark Petermoor, Am Petermoor 2a in Bassum, nicht geöffnet. Pünktlich zum 5. Mai hat der Zoo seine Türen für Besucher geschlossen. „Vorübergehend“, wie es auf der Internetseite www.tierpark-bassum.de heißt. Grund ist das neue Bundesinfektionsschutzgesetz, das vorgibt, dass bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 100 an drei aufeinander folgenden Tagen im Landkreis Diepholz der Zutritt nur mit negativem Test möglich ist. „Die Kontrolle ist für uns nicht umsetzbar, zumal man Test und Personalausweis kontrollieren müsste“, so die Verantwortlichen. „Da wir kein Testzentrum vor dem Tierpark haben, werden viele Besucher gerade aus weiterer Entfernung enttäuscht nach Hause fahren müssen.“ Sobald sich die Infektionslage wieder verbessert, werde der Tierpark wieder Besucher empfangen. „Dies werden wir umgehend auf all unseren sozialen Kanälen veröffentlichen.“

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