Fußball

TSV Bassum III: Mehr Spieler als Trikots

Aus dem Nichts hat der TSV Bassum eine neue Fußballmannschaft aus der Taufe gehoben. Der Kader der Dritten zählt mittlerweile 30 Spieler. Und auch sportlich läuft es.
06.08.2019, 16:30
Lesedauer: 4 Min
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Von Thorin Mentrup

Bassum. Jedes Mannschaftsfoto hat etwas Besonderes, zeigt es doch ein Team im Wandel der Zeit. Oder eben eine ganz neue Elf. Wie in diesem Fall: 26 Männer sind auf diesem Foto zu sehen, brav aufgestellt in drei Reihen: 24 Spieler, Trainer Martin Scharf – und, nicht zu vergessen, Maskottchen Bastian Marks. „Und das sind noch nicht einmal alle“, sagt der Coach. Er trainiert das Team, das als TSV Bassum III in die Saison gestartet ist. Scharf hat in den vergangenen Monaten so viele Spieler um sich versammelt, dass beim Fototermin nicht einmal für alle ein Trikot aus dem ehemaligen Satz der Erste-Herren-Mannschaft da ist. Scharfs Team hat sicherlich nicht so viel Qualität wie ein Bezirksligist, dafür aber zweifelsohne mehr Auswahl.

Das hat natürlich Gründe: Zum einen ist die 3. Kreisklasse, in der die Bassumer starten, vor allem ein Sammelbecken für reine Hobbykicker, während die Bezirksliga höhere Anforderungen an ihre Fußballer stellt. Die müssen bereit sein, auch für ihren Sport zu leben, den Alltag danach auszurichten. Diese Ansprüche kann Scharf an seine Mannschaft freilich nicht stellen, obwohl er das eigentlich gewohnt ist, hat er sich doch unter anderem beim BSV Rehden seine Sporen als Trainer verdient. Dort, im bezahlten Geschäft, wird höchste Professionalität von allen Akteuren verlangt. Nun hat sich das Anforderungsprofil von Scharf komplett verändert. „Jetzt muss ich vieles lockerer sehen“, verrät der Coach, dem das aber nicht schwerfällt. „Es bleibt auch mal Zeit für Privates. Das ist gar nicht so schlecht“, sagt er und grinst.

Die Idee, eine dritte Herrenmannschaft zu gründen, stammt von Sven Plaumann. Der Herrenkoordinator der Bassumer schob dieses Vorhaben Ende des vergangenen Jahres an. Aus dem Nichts ist seit diesem Vorstoß etwas Beachtliches entstanden, das zeigt schon das Mannschaftsfoto. Insgesamt zählt Scharf genau 30 Spieler zu seinem Kader – von dieser Anzahl kann so mancher Trainer im Kreisgebiet nur träumen. Doch wo kommen diese ganzen Kicker überhaupt her? „Wir haben ehemalige Spieler aus Bassum gefragt, ob sie Bock haben, wieder ein bisschen zu kicken“, berichtet Scharf über die Anfänge. Zunächst spielte die Gruppe der Wiederanfänger noch auf einem Indoor-Platz in der Lindenstadt, ein bisschen fernab der Öffentlichkeit. Doch das war irgendwann nicht mehr genug: „Dann hatte Sven Plaumann die Idee, als Siebenermannschaft in der Rückrunde in der 5. Kreisklasse anzutreten“, blickt Scharf auf die zweite Hälfte der vergangenen Saison zurück. Ohne Wertung spielte der TSV dort gegen Teams wie SV Heiligenfelde III oder TSV Süstedt II, kam also wieder an im Wettkampfgeschehen. Im regelmäßigen Spielbetrieb war klar: Bassum brauchte einen Coach. „Sven wusste, dass ich eine Saison Pause machen wollte und deshalb frei war. Da wir uns aus gemeinsamen Zeiten in Bramstedt kannten, hat er mich angesprochen und mich davon überzeugt, bei diesem Projekt mitzumachen“, verrät der Scharf, wie er zum Dritte-Herren-Trainer der Lindenstädter wurde.

Dass es in Bassum eine weitere Fußballmannschaft gibt, sprach sich in Windeseile herum, auch weil die Spieler damit nicht hinter den Berg hielten. Die Mundpropaganda wirkte. Auf dieses neue Team hatten viele ehemalige, aber auch einige aktuelle Kicker Lust. „Wir haben sehr viele Anfragen bekommen, auch von Spielern, die noch bei anderen Vereinen aktiv waren“, verrät Scharf, der selbst viele ehemalige Weggefährten aus Bramstedt, Twistringen oder auch Brinkum ansprach und vom TSV überzeugte. Über die zahlreichen Zusagen hat er sich indes nicht gewundert: „Den Spielern gefallen das Umfeld, der Trainerstab und die Chemie innerhalb der Mannschaft“, sieht er beste Grundlagen für eine Truppe, die in erster Linie Spaß am Fußball haben will. Bassum III wuchs und wuchs und wuchs. Der Schritt zu einer Elfermannschaft war die logische Konsequenz. 30 Spieler für eine Liga mit Siebenermannschaften – das wäre nicht zu vermitteln und Unzufriedenheit vorprogrammiert gewesen. Nun sind die Bassumer eines von den rund 100 Elferteams im Fußballkreis Diepholz und ein Grund dafür, warum sich die Zahl der Kicker relativ konstant hält.

Und was nehmen sich Scharf und Co. sportlich für die neue Serie vor? Mindestens einen Platz im unteren Tabellenmittelfeld und eine fußballerische Weiterentwicklung. „Ich kann nicht alles erwarten von den Jungs, aber schon, dass wir bei jeder Partie einen Kader von 15 oder 16 Spielern haben. Aber da mache ich mir auch keine Sorgen. Auch wenn wir in der untersten Klasse für Elfermannschaften im Kreis Diepholz spielen: Die Jungs sind sehr ehrgeizig und haben die richtige Einstellung. Wir wollen vernünftig Fußball spielen“, macht der Trainer deutlich, dass er und sein Team durchaus einen sportlichen Anspruch haben – genau wissend, dass in der 3. Kreisklasse zweifelsohne auch die dritte Halbzeit eine Rolle spielt. Beste Laune innerhalb eines Teams ist und bleibt besonders wichtig. In dieser Hinsicht muss sich Scharf allerdings keinerlei Sorgen machen: „Die Entwicklung läuft bislang hervorragend – sowohl auf als auch neben dem Platz“, lacht er. Rein sportlich passt es bereits: Am ersten Spieltag fuhren die Lindenstädter einen 5:2-Erfolg gegen die SG Staffhorst, einen Absteiger aus der 2. Kreisklasse, ein. „Premiere geglückt“, freute sich Scharf. Neue Ziele ruft er allerdings nicht aus: Der Spaß bleibt das oberste Gebot. Dass Siege dabei helfen, die Stimmung hoch zu halten, ist ihm klar – selbst in der 3. Kreisklasse sind Erfolge ein Faktor, um ein Team auf lange Sicht am Leben zu erhalten. Denn eins ist auch klar: Dieses Mannschaftsfoto des TSV Bassum III soll nicht das letzte bleiben.

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