Volleyball

„Das reicht nicht mehr für die Landesliga“

Jörg Menzel hat mit seinem SV Dimhausen einiges erlebt. Ab der kommenden Saison übernimmt der Trainer nun nur noch die zweite Damen, verabschiedet sich von der ersten Garde. Im Interview spricht er darüber.
07.06.2020, 16:19
Lesedauer: 3 Min
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„Das reicht nicht mehr für die Landesliga“
Von Jannis Klimburg

Herr Menzel, Sie haben eine kräftezehrende und komplizierte Saison hinter sich gebracht. Doch am Ende steht nun der Klassenerhalt. Aufgrund der Regelung, die der Verband wegen des Coronavirus aufgestellt hat. Mit etwas Abstand, wie würden Sie die Spielzeit beschreiben?

Jörg Menzel: Wir haben eine sehr gute Vorbereitung gespielt. Die Spielerinnen waren stets motiviert und mit Ehrgeiz dabei. Doch wir hatten oftmals zu viel Pech, weil wir einige Fünfsatzspiele verloren haben. Fünf an der Zahl. Es hat uns insgesamt etwas das Glück und auch die nötige Cleverness gefehlt. Sonst hätten wir durchaus weiter oben und damit den Klassenerhalt aus eigener Hand packen können.

Was hat sonst noch gefehlt, um in der Tabelle weiter oben zu landen?

Wir hatten sehr viel Verletzungspech. So ist Leistungsträgerin Carina Hanke fast die ganze Saison über ausgefallen. Und wir hatten nur zwei weitere Außenangreiferinnen im Kader. Die mussten dann eben auch immer durchspielen, waren so nicht immer fit. Dann kommst du an deine maximale Leistung auch nicht heran. Das konnten wir mit dem Kader nicht ganz auffangen.

Wie schwierig ist es hier in der Region im Vergleich zu Bremen, neue Spielerinnen für den Verein zu gewinnen?

Das ist ganz kompliziert. Es gibt nicht viele Vereine hier in der Region. Alleine in der Kreisliga sind es nur elf Mannschaften, die aufgeteilt sind in Nord und Süd. Und das erstreckt sich schon weiter als der Landkreis Diepholz. Deswegen gibt es hier einfach nicht viel Spielermaterial. Zuletzt hatten wir immer wieder davon profitiert, dass Spielerinnen zugezogen sind und sich uns angeschlossen haben. Genauso verhält es sich mit den Trainern. Für die neue Saison sucht die erste Damen auch noch einen Übungsleiter.

Überwiegt jetzt die Vorfreude über den Klassenerhalt, oder hättet ihr doch lieber noch weiter gespielt und es so vielleicht dann aus eigener Kraft geschafft, die Klasse zu halten?

Wir hätten es zumindest packen können, wären ein paar Spiele anders gelaufen. Die Chancen dazu waren auf alle Fälle vorhanden. Alleine die sieben Fünfsatzspiele zeigen doch, dass wir in der Liga mithalten können. Und daher ist es auch nicht unverdient, dass wir auf diese Weise in der Landesliga bleiben.

Seit fünf Jahren trainieren Sie nun schon die erste und die zweite Damenmannschaft. Jetzt legen Sie die Doppelbelastung ab, trainieren nur noch die Reserve. Warum haben Sie sich dafür entschieden?

Zunächst einmal muss ich körperlich kürzertreten wegen des Rückens. Außerdem sind noch Schulterprobleme hinzugekommen. Deswegen kann ich nicht mehr alle Übungen so vormachen, wie ich es gerne machen würde. Das reicht dann einfach nicht mehr für die Landesliga. Das macht mein Körper nicht mehr mit. Und auch zeitlich haut das nicht mehr hin, die Doppelbelastung war dann einfach zu viel für mich. Alleine sonnabends bei den Auswärtsfahrten musste ich immer hinterherfahren, weil ich vorher noch arbeiten musste. Manchmal habe ich mir sogar extra für die Spiele Urlaub genommen. Das kann ich jetzt aber nicht mehr leisten.

Was treibt Sie denn an, weiterhin als Volleyball-Trainer aktiv zu sein?

Das ist mein Hobby, meine große Leidenschaft. Es macht einfach Spaß zu sehen, wie sich die Spielerinnen weiterentwickeln. Ich will junge Spielerinnen besser machen. Und auf der anderen Seite halten mich die Mädels auch jung. Und wenn ich es nicht mache, macht es hier, so glaube ich, keiner. Und die Truppe würde sich quasi auflösen.

Wie lange wollen Sie das noch machen?

Wenn meine Familie nicht so dahinterstehen würde, würde ich es auch nicht mehr machen. Daher ein ganz großes Lob an meine zwei Kinder und meine Frau, die mich dabei immer unterstützen. So lange der Körper noch mitmacht und ich Spaß daran habe, werde ich es auch noch machen.

Sie kennen die Truppe ja nun schon länger: Wie viel Potenzial steckt in der zweiten Damen?

Ich glaube, wir können um den Aufstieg mitspielen in der kommenden Saison. Und die Mädels wollen das auch. Das Ziel haben wir schon festgelegt. Es sind schon viele gute junge Spielerinnen im Kader. Und auch der Ehrgeiz stimmt total. Es ist einfach schön zu sehen, wie die Mannschaft immer weiter zusammenwächst. Nur das Leistungsniveau innerhalb der Mannschaft ist noch extremer als in der Landesliga, aber das ist in der Kreisliga auch nicht so entscheidend.

Wann soll die Vorbereitung beginnen? Kommt euch das Coronavirus in die Quere?

Wann wir endlich wieder in die Halle können, ist derzeit leider noch ungewiss. Die Saison startet zwar erst im September, aber die Sommerferien liegen ja auch noch dazwischen. Es wäre schön, wenn wir so bald wie möglich wieder normal trainieren könnten. Aber da sind uns derzeit die Hände gebunden.

Das Interview führte Jannis Klimburg.

Info

Zur Person

Jörg Menzel

lebt den Verein SV Dimhausen wie kein anderer. Seit nun schon fünf Jahren trainiert er die erste und zweite Volleyball-Damenmannschaft. Zur neuen Saison wird sich der Übungsleiter dann nur noch um die zweite Damen kümmern.

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